Einer der faszinierendsten Nebenhandlungsstränge der Serie war die Idee, dass die Regierung der Zukunft versuchte, ihre Bevölkerung zu befrieden, indem sie eine Chemikalie namens Pax (lateinisch für „Frieden“) in die Luft pumpte, in der Hoffnung, die Menschen gefügiger zu machen. Leider ging der Plan nach hinten los: Die meisten der dem Stoff ausgesetzten Menschen wurden so lethargisch, dass sie jeden Lebenswillen verloren, während ein kleiner Prozentsatz die gegenteilige Reaktion zeigte und zu einer Gruppe selbstverstümmelnder Kannibalen mutierte.

Die Handlung von Firefly ist fiktiv, doch die Idee, dass gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Regierungspolitik verheerende Auswirkungen auf die Psyche von Menschen haben kann, ist alles andere als abwegig. Forscher haben einen Begriff dafür: pathologischer Altruismus – ein Verhalten, das vom Wunsch zu helfen motiviert ist, aber irrationale, ja schädliche Konsequenzen für die Empfänger dieser Hilfe produziert. Nirgendwo ist diese Dynamik sichtbarer als in den deutschsprachigen Wohlfahrtsstaaten, wo großzügige Sozialsysteme Sicherheit garantieren sollten – aber stattdessen eine Generation junger Männer hervorgebracht haben, die sich langsam aus dem Leben verabschiedet.

Die Zahlen sprechen für sich. In Deutschland und Österreich liegt die NEET-Rate – der Anteil junger Menschen zwischen 15 und 29, die weder in Beschäftigung noch in Ausbildung sind – bei rund neun Prozent. Das klingt moderat, doch dahinter verbergen sich Hunderttausende. In Deutschland sind ein Drittel der 25-jährigen Männer noch nicht aus dem Elternhaus ausgezogen, bei Frauen im selben Alter ist es nur ein Fünftel. In Österreich verlassen junge Menschen das Elternhaus im Schnitt erst mit 25,3 Jahren, Männer sogar noch später. Wer denkt, das seien bloß Studenten, die bei Mama wohnen, irrt: Die Daten zeigen eine wachsende Schicht junger Männer, die weder arbeiten noch lernen noch aktiv nach Arbeit suchen. Das ist kein Dolce Vita – das ist Stillstand.

Es handelt sich dabei nicht nur um ein ökonomisches Phänomen, sondern um ein soziologisches mit tiefen Wurzeln. Robert Putnam dokumentierte den Verfall zivilgesellschaftlicher Strukturen in seinem Standardwerk „Bowling Alone“, und der Trend ist diesseits des Atlantiks nicht weniger deutlich. Gewerkschaftsmitgliedschaften schmelzen, Kirchenbänke leeren sich, Vereine überaltern. In Deutschland vertrauen nur 36 Prozent der Bürger der Bundesregierung, Parteien kommen auf 26 Prozent – Werte unterhalb des OECD-Durchschnitts. In Österreich ist die Zufriedenheit mit der Demokratie laut Eurobarometer im Herbst 2024 erneut gesunken. Der Soziologe Emile Durkheim hatte einen Begriff für das, was passiert, wenn Menschen aus festen Gemeinschaften in atomisierten Individualismus geworfen werden: Anomie. Wie der Moralpsychologe Jonathan Haidt argumentiert, produziert der Übergang von traditioneller Gemeinschaft zu unpersönlicher Vertragsgesellschaft nicht Freiheit – sondern eine Leere, die sich entweder als Lethargie oder als Wut äußert.

Die Krise reicht tiefer als die Politik.

In Deutschland nehmen sich jährlich über 10.000 Menschen das Leben, die Suizidrate bei Männern liegt bei 17,9 pro 100.000 – dreimal höher als bei Frauen. In Österreich ist das Verhältnis mit 23,3 pro 100.000 Männern noch dramatischer. 2023 starben in Deutschland 2.227 Menschen an illegalen Drogen, und die Europäische Drogenbeobachtungsstelle warnt vor einer neuen Welle synthetischer Opioide wie Nitazenen, mit Vergiftungsausbrüchen in Deutschland 2024. Parallel dazu breitet sich eine Einsamkeitsepidemie aus: Laut dem Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesfamilienministeriums fühlt sich jeder dritte Deutsche zwischen 18 und 53 zumindest zeitweise einsam – bei den unter 30-Jährigen ist der Anteil noch höher. Während der Pandemie berichtete die Hälfte aller jungen Erwachsenen von emotionaler Einsamkeit.

Wer nun denkt, das sei eine Art kosmische Gerechtigkeit für Jahrhunderte männlicher Dominanz, sollte noch einmal nachdenken. Ambitionslose Männer sind auch für Frauen kein Gewinn. Louise Perry, die britische Autorin von „The Case Against the Sexual Revolution“, argumentiert überzeugend, dass die sexuelle Revolution in ihrer heutigen Form nur scheinbar befreiend für Frauen wirkt – in Wahrheit zwingt sie Frauen, sich dem bevorzugten Sexualverhalten von Männern anzupassen. Was machen die untätigen jungen Männer mit ihrer Zeit? Viele von ihnen schauen Pornografie, und die Folgen sind nicht bloß kultureller, sondern neurologischer Natur. Der Neurowissenschaftler Bruce Wexler hat gezeigt, dass Umweltreize das Gehirn während kritischer Entwicklungsphasen physisch umformen – ständiger Pornografiekonsum in der Adoleszenz verändert buchstäblich die neuronale Architektur, die für Motivation, Intimität und Bindungsfähigkeit zuständig ist.

All das schränkt den Pool geeigneter männlicher Partner ein. Wenn ein Drittel der 25-jährigen deutschen Männer noch bei den Eltern lebt, blüht der Heiratsmarkt nicht gerade auf.

Dies ist ein Aufruf zum Handeln – aber nicht für weitere Transferzahlungen, von denen es in Österreich und Deutschland wahrlich genug gibt. Der Nobelpreisträger Robert Solow argumentierte bereits vor Jahrzehnten, dass Menschen würdevolle Arbeit wollen, keine Almosen. Der Verhaltensökonom Dan Ariely hat den sogenannten „IKEA-Effekt“ nachgewiesen: Menschen messen Dingen, die sie selbst gebaut haben, einen höheren Wert bei. Arbeit produziert nicht nur Einkommen – sie produziert Sinn. Wer die Notwendigkeit von Arbeit beseitigt, beseitigt einen zentralen psychologischen Mechanismus der Selbstachtung. Die Ökonomen Alberto Alesina und Paola Giuliano haben zudem gezeigt, dass kulturelle Einstellungen zu Arbeit und Umverteilung über Generationen hinweg bestehen bleiben. Die durch Jahrzehnte wohlfahrtsstaatlicher Expansion kultivierten Abhängigkeitsmuster werden nicht einfach mit dem nächsten Konjunkturaufschwung verschwinden.

Die verzerrte Sichtweise, dass Arbeit nur ein Mittel zum Gelderwerb ist, muss ersetzt werden durch die Erkenntnis, dass Arbeit auch ein Mittel zur Würde ist – und dass nur ein Leben, das einen morgens zum Aufstehen zwingt, ein lebenswertes Leben ist. Es braucht keine Regierungsverschwörung, um eine Zivilisation zu zerstören wie in einem Science-Fiction-Film. Manchmal genügen gut gemeinte, aber falsch gedachte Sozialprogramme – das, was Wissenschaftler höflich pathologischen Altruismus nennen. Österreich und Deutschland, mit ihren großzügigen sozialen Sicherheitsnetzen und ihren untätigen jungen Männern, könnten der lebende Beweis dafür sein.