Kein Buch von Thilo Sarrazin wurde so verrissen wie „Feindliche Übernahme“. Schon der Titel des Bestsellers von 2018 galt als Sakrileg. Sarrazin wollte darlegen, „wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Das war kräftig formuliert.

Kann man einer Weltreligion insgesamt vorwerfen, den Fortschritt zu behindern und die Gesellschaft zu bedrohen? Da habe ich Zweifel. Im entscheidenden Punkt aber hat die Realität Sarrazin bestätigt: Der Islam begünstigt die Herausbildung geschlossener Milieus. Und eine Gesellschaft, die ihre Wurzeln gekappt hat, lässt diese islamischen Milieus wachsen und gedeihen. Sie ergibt sich.

Alexander Kissler (Bild) gibt Sarrazin in vielem Recht.WIKI COMMONS/Alleswirdbesser

Fastenbrechen im Rathaus

Vor sieben Jahren war das muslimische Fastenbrechen noch kein regulärer Bestandteil im kommunalen Kalender. Heute gibt es viele Rathäuser, die zu diesem religiösen Brauch einladen. Es ist nicht bekannt, dass in denselben Rathäusern auch das jüdische Laubhüttenfest oder das christliche Pfingsten begangen würden.

Doch eine Religion mit einer wachsenden Zahl an Gläubigen ist eben auch eine Gemeinschaft mit wachsendem Einfluss. Insofern betreiben die Parteien und Stadtväter Wählerbindung, wenn sie zum Iftar einladen. Zugleich unterlaufen sie die weltanschauliche Neutralität des Staates. Der Staat darf keine Religion diskriminieren – er darf aber auch keine Religion bevorzugen.

Muslime feiern das Ende des Fastenmonats Ramadan unter freiem Himmelim Nattenberg-Stadion. APA/dpa/Markus Klümper

Feindschaft gegenüber einem Abendland, das seine Wurzeln verliert

Sarrazin schrieb vom Import jenes Teils der islamischen Kultur, der „dem Abendland feindlich und geschlossen gegenübersteht“. Wer wollte bestreiten, dass es diesen Teil gibt? Wenn vor Kirchen und auf Marktplätzen der Ruf des Muezzins erschallt, hat das Abendland Pause, nicht nur akustisch. Verantwortlich dafür ist freilich ein Abendland, das sich aufgegeben hat. Ein Kontinent ohne geistige Wurzeln hinterlässt ein normatives Vakuum. Der Islam weiß es zu nutzen, nicht nur am Ramadan.

Immer wieder bringt Sarrazin den Begriff des Abendlands ins Spiel. In der Tat: Europa ist mehr als die Summe aus Euro, Europäischer Union und Nato-Mitgliedschaft. Gerade heute sehen wir: Wer nicht weiß, wer er ist, weiß auch nicht, warum er sich verteidigen soll. Niemand greift zur Waffe, damit Zahlungsströme weiter fließen oder die Sonne über dem Feminismus nicht untergeht.

14. März 2019: Autor Thilo Sarrazin spricht mit EU-Mandatar Harald Vilimsky, FPÖ-Stadtrat Maximilian Krauss, dem damaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und der Autorin Laila Mirzo über sein Buch.APA/GEORG HOCHMUTH

Nachgeben gegenüber zugewandertem Antisemitismus

Auch in einem weiteren Punkt gibt die Wirklichkeit des Jahres 2025 einem Buch des Jahres 2018 recht: Muslimische Zuwanderung ist ein Spezialfall der Migration. Sarrazin schreibt: „Das wachsende muslimische Gewicht in der Demografie verändert die Verteilung von Einstellungen und Werten in den europäischen Gesellschaften.“

Konkret wird heute der zugewanderte Antisemitismus längst nicht mit derselben Schärfe verurteilt wie der einheimische. Verschleierte kleine Mädchen werden hingegen ebenso toleriert wie vollverschleierte Frauen – und oft von derselben Toleranzschickeria, die sich im Kampf für Emanzipation wähnt und gegen das Patriarchat.

Berlin: Das Schaufenster eines Geschäfts für Partyzubehör ist mit Ramadan-Motiven bestückt. APA/dpa-Zentralbild/Fernando Gutierrez-Juarez

Islamistische Jugendkultur

Die Jugendkultur wandelt sich, wenn zwischen den Geschlechtern eine Hierarchie herrscht. Der öffentliche Raum wandelt sich, wenn Konflikte öffentlich ausgetragen werden, nicht immer gewaltfrei. Der Rechtsstaat wandelt sich, wenn eine Paralleljustiz entsteht. Der sogenannte Friedensrichter ist nicht auf Nordrhein-Westfalen oder Berlin beschränkt.

Wer sich nicht integrieren will, lässt sich nicht integrieren. Das ist die eine Seite. Genauso wahr aber ist: Wer Integration nicht einfordert und keine Gemeinschaft anbietet, in die es sich zu integrieren lohnt, wird Entzweiung ernten und Unfrieden. Und am Ende eben doch eine „feindliche Übernahme“.

Der Artikel ist ursprünglich bei unserem Partner-Portal NIUS erschienen.

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Kommentare

  • johann Gruber-Schmidt sagt:

    Sg. Hr. Kissler, Thilo Sarrazin hat in all seinen Büchern immer analysiert und daraus Schlüsse gezogen. Seine Schlussfolgerungen gerade im bezug der demographischen Entwicklung sind eingetroffen. Eine alternde Gesellschaft, die keine Nachkommen hat, muss Menschen hereinholen, das ist in den 70ziger Jahren erfolgt. Was aber 2015 und danach erfolgt ist, war unnötig und hat zur Destabilisierung der Gesellschaft beigetragen. Das linke woke Denken hat Träumer und Diletanten in die Führungspositionen gebracht. Es ist davon auszugehen, dass schon bei den nächsten Wahlen in Deutschland und Österreich die AFD und FPÖ gewaltige Stimmenzuwächse erzielen werden, vor allem dann, wenn die Ampeln die Probleme in der Gesellschaft, Energie, Wirtschaft, Gewerbe und Industrie nicht lösen kann. Dann erst, wenn der Druck im Kochtopf stärker wird, dann wird es zu radikalen Veränderungen kommen. Ob die AFD und FPÖ die Dominaz der Gesellschaftsprobleme so rasch lösen kann, das ist die Frage, die auch Thilo Sarrazin nicht beantworten kann. Dem Islam kann nur ein starkes fundamentales Christentum gegenübertreten, also eine fundamentale neue Ausrichtung des Christentums erfolgen muss, was einen harten Religionskonflikt mit sich bringen wird, der notwendig ist, um eine Veränderung herbeizuführen. Man wird sehen,…

  • Mike16 sagt:

    Leider hat er zu 100% recht, aber unsere linksentrückte, toleranzbesoffene Gesellschaft erkennt das erst, wenn es zu spät ist.

  • Vroni sagt:

    Waskann man dazu noch sagen. (Kalkutta)

    18
  • einmalhier sagt:

    Es gibt Menschen, die sehr gut vorausdenken können.
    Er ist einer davon.!

    45
  • Matrix sagt:

    Wir haben den Höhepunkt der Zivilisation überschritten. Die Zivilisation ist müde und ins dunkle Zeitalter gestürzt.Vom Homo Sapiens zum Homo Pithecanthropus.

    36
  • Gültig „gegen“ Grün, ÖVP, SPÖ und NEOS wählen und Freundschaft mit Russland! 🤩 ÖXIT und der Weg wird frei für den Weltfrieden. ☮️ sagt:

    Thilo Sarrazin war einer der letzten SPD-Politiker mit Verstand.

    Wohl deshalb wurde er aus der SPD ausgeschlossen.

    ———

    »»»Achtung««« Hier treibt ein linker Spinner sein Unwesen. Er verbreitet unter fremde Profilnamen seine Linkspropaganda und spammt mit Kommentarkopien die Kommentarfunktion voll.

    Der „Linksfanatiker“ will hier die Kommentarfunktion stören.

    Den Profilnamenfälscher lache ich nur noch aus. 🤣️

    2× „kritischer Fehler“

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  • Alfred sagt:

    Sarrazin hatte von Anfang an mit allem recht. So einfach ist das.

    68
  • Max-Romeo lateral thinker sagt:

    Euer Schei .. Kritischer Fehler Kotzt mich an , ICH lasse mir nicht das Maul von euch verbieten , IHR wollt Selberdenker und wenn das einer macht wird er gecancelt , werde es in der Asahi Shimbun veröffentlichen damit die es auch wissen , ärger !

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    1. Kritischer Fehler ist nervig … sagt:

      Doch hat “kritischer Fehler” nichts mit dem Textinhalt des Kommentars zu tun.

      Es handelt sich dabei um einen Datenverarbeitungsfehler, wenn der Kommentar gespeichert werden soll.

      Lösung:
      Mindestens ein Zeichen im Kommentar ändern oder anhängen.
      Dann nochmal senden.
      In manchen Fällen ist der Vorgang zu wiederholen.

      Auch dieser Kommentar hatte einen kritischen Fehler. (c;

      10
  • Hasso sagt:

    Thilo Sarrazin: «Politiker sollen sich dazu bekennen, dass sie für ihre ideologischen Ziele den Untergang der Gesellschaft in Kauf nehmen».
    Natürlich haben die verantwortlichen Politiker Angst, deshalb diese Hetzjagd auf alle Selberdenkenden. Sie könnten eines Tages wegen Hochverrat vor Gericht stehen. Jeder weiß, was dann droht, ganz gleich, wie derzeit die Rechtslage ist. Die wird dann eben noch rechtzeitig geändert, die Richter werden dann eben noch nach anderen Kriterien ausgewählt. Genauso, wie man das bislang unter anderem Vorzeichen gemacht hat.

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  • Kaffee sagt:

    Über Dinge, die niemand mehr ändern kann, erübrigt sich jedwede Betrachtungsweise. Das Abendland ist tot, tot, tot.

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