Rudolf Öller: Totenstille
Die berechtigten Demonstrationen im Iran gegen die Diktatur der Mullahs und den Niedergang der Wirtschaft und die tausenden von Polizei und Milizen ermordeten Demonstranten haben bei linken Politikern in Europa nicht zu einem Proteststurm geführt.
Diejenigen, die bei jeder Gelegenheit mit dem Wort „brandgefährlich“ hausieren gehen, sind still, wenn ihr „Kampf gegen rechts“ mit der Realität kollidiert.
In den echten Wissenschaften verlieren bewährte Theorien und Lehrsätze nicht ihre Gültigkeit. Die Hauptsätze der Thermodynamik und der Aufbau und die Funktionen eines DNA-Moleküls werden auch in Jahrhunderten noch in den Lehrbüchern stehen. Ideologien sind lächerliche bis gefährliche Modeerscheinungen. Sie sind daran zu erkennen, dass sie irgendwann die Relevanz verlieren und ihre Vertreter wie der Kaiser im Märchen nackt dastehen und dabei dämlich aussehen.
Annexion
Nach der Annexion Kuwaits durch den Irak im Sommer 1990 kam es zum zweiten Golfkrieg. Die Amerikaner als Schutzmacht Kuwaits schlugen mit Flugzeugen und Bodentruppen hart zu. Schon damals spielte Erdöl eine Rolle in der Machtpolitik der Großen. 1991 erwachten Friedensbewegungen und gingen auf die Straßen. Nein, nicht gegen den Aggressor Irak, sondern gegen die USA. Besonders laut waren die Grünen. Sie ergriffen Partei für die irakische Diktatur. Die Proteste der Linken wegen Trumps Eingreifen gegen den Diktator in Venezuela sind somit kein Einzelfall.
Selektive Betroffenheit
Als der Golfkrieg zu Ende ging, bekam Serbiens Kommunist Slobodan Milosevic („Der Schlächter vom Balkan“) Lust auf Krieg und Mord. Milosevic wollte das zerfallene kommunistische Jugoslawien restaurieren und griff seine Nachbarn militärisch an. Es kam zu Massakern an Zivilisten wie jenes in Srebrenica. Plötzlich herrschte auf den Straßen Europas Totenstille. Die Friedensbewegten blieben zu Hause. Einer der lautesten Aktivisten, der Autor Robert Baum, der sich ab 1950 den Autorennamen Robert Jungk gab, wurde gefragt, warum die Friedensbewegung zum Krieg in Jugoslawien schweige. Jungk sagte treuherzig in einem ORF-Interview: „Hier handelt es sich nur um einen nationalen Konflikt … Ich schreibe gerade meine Memoiren, und wenn ich fertig bin, werde ich mich um die Sache kümmern.“ Freda Meissner-Blau, Urmutter der österreichischen Grünen, sagte verlegen: „Die Zeit der Demonstrationen ist eben vorbei. … Es ist eine völlig verwirrte Situation entstanden“. Friedensaktivist Andre Heller war ehrlicher: „Es ist keine Frage, dass die Friedensbewegung am Desinteresse ihrer Propagandisten verendet“. Damals wurde allen Selbstdenkern klar, was unter selektiver Betroffenheit zu verstehen ist.
PISA
Es gibt viele Beispiele für des Kaisers ideologische Kleider, dazu gehört auch die internationale Schüler-Vergleichsstudie PISA. Als für Österreich nach den Ergebnissen von PISA 2003 schlechtere Resultate errechnet wurden, begann ein Trommelfeuer der „Experten“. Sie sahen plötzlich nur noch unfähige Pädagogen und dumme Schüler. Als bekannt wurde, dass man zuvor PISA 2000 falsch berechnet hatte, und es keinen Absturz der österreichischen Schulen gegeben hatte, wurden die „Experten“ ruhiger. „Schmähstahd“ nennt man so etwas auf österreichisch. Als dann noch bekannt wurde, dass die österreichischen PISA-Resultate ohne Wien im internationalen Spitzenfeld lagen, herrschte unter den „Experten“ Stille. Heute leidet unser gesamtes Bildungssystem unter der Massenzuwanderung von Familien, die kaum deutsch können, und auch nicht deutsch lernen wollen. (Die Rede ist hier nicht von asiatischen Zuwanderern, die in kürzester Zeit deutsch lernen und sich integrieren). Die Folge der Negativentwicklung ist nicht bloß „Experten“ Schweigen. Es herrscht Totenstille.
Mullahs sind keine Juden
Die Unruhen im Iran und die Morde der Polizisten und Militärs an demonstrierenden Zivilisten wurden von gewissen „fortschrittlichen“ Politikern und Aktivisten bei uns im Westen kaum kommentiert. Mullahs sind keine Juden, sondern Muslime. Sie haben somit bei Linken einen enormen Sympathievorschuss. Politiker, wie der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben in den Siebzigerjahren gegen das Regime des Schah Moḥammad-Reza Pahlavī demonstriert und die Machtübernahme der Mullahs im Februar 1979 im Iran begrüßt. Von da an gab es im Iran Massenhinrichtungen, Folter, brutale Verfolgung von Frauen und Oppositionellen, Terror gegen aufmüpfige Bürger, andauernde Drohungen gegen Israel, Leugnung des nationalsozialistischen Holocaust, Finanzierungen von Terrororganisationen weltweit usw. Die Verbrechen der Mullahs hinderten Bundespräsident Steinmeier nicht daran, ihnen zum 40. Jahrestag der Machtübernahme zu gratulieren. Er sandte „herzliche Glückwünsche“, auch im Namen aller Deutschen.
Es wird immer wieder behauptet, dass manche Leute „auf dem linken Auge blind“ seien. Tatsächlich werden linke Verbrechen entschuldigt oder klammheimlich weggeräumt, wie etwa der kürzlich geschehene Brandanschlag einer linken Verbrecherbande auf Stromkabel in Berlin. Der Schaden für Bürger und Wirtschaft waren und sind enorm. Das kann im Kampf gegen rechts schon mal passieren, war ja gut gemeint. Wenn aber ein paar Betrunkene in Sylt zu einer Diskomelodie „Ausländer raus“ grölen, dann organisiert die Antifa und die sie finanzierenden Politiker eine Betroffenheitswelle. Dieses groteske Schauspiel wird von Journalisten sofort an die Öffentlichkeit getragen. Sogar CDU-Politiker wie Ministerpräsident Daniel Günther machen bei diesen Spielchen der Linken mit und fordern – verfassungswidrig – Zensur gegen vermeintliche Gedanken- und Meinungsverbrechen.
Nein, selektiv Betroffene sind nicht auf einem Auge blind. Die Profis unter ihnen versuchen nur, uns einzuschüchtern und zu manipulieren. Sie lügen dabei, dass sich die Stahlträger biegen.
Kommentare