Rudolf Öller: Widersprüche des Genderismus
Die Biologen wissen, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Eines der besten deutschsprachigen Standardwerke der Fortpflanzungsbiologie, das „Lehrbuch der Genetik“ (Verl. Gustav Fischer) hat mehr als 1.200 Seiten. In diesem Werk kommen nur zwei Geschlechter vor, die klar definiert sind. Vertreter der Gender„wissenschaften“ haben es bis heute nicht geschafft, ihre vielen „Geschlechter“ zu definieren.
Ich langweile die Leser nur kurz mit Details. Ich beschränke mich auf die einfachste biologische Definition der beiden Geschlechter. Sie gilt für Menschen, Tiere und Blütenpflanzen. Weibliche Wesen produzieren relativ wenige große und kaum bewegliche Fortpflanzungszellen. Man nennt sie Eizellen. Männliche Individuen erzeugen viele kleine Fortpflanzungszellen, wir kennen sie als Samenzellen oder Pollen. Bei uns Menschen sind die Unterschiede zwischen den Zellen besonders auffallend. Eine menschliche Eizelle ist ungefähr achttausendmal größer als eine Samenzelle. In den Ovarien der Frauen entstehen maximal 500 Eizellen in einem Menschenleben. Männer können jeden Tag mindestens hundert Millionen Spermien erzeugen, was natürlich kein Qualitätsmerkmal ist. Entscheidend sind die genetischen Ausstattungen.
Es wird gelegentlich behauptet, dass sich sogar Biologen uneinig seien, was die Zahl der Geschlechter betrifft. Das ist eine Fehlinformation. Es gibt Abweichungen bei den Zahlen der Chromosomen, es gibt auch eigene Chromosomensysteme (vor allem bei Vögeln), es gibt auch Zwitter, aber all das ändert nichts am Prinzip der Zweigeschlechtlichkeit. Auch bei den wenigen Pilz- und Algenarten, bei denen die Fortpflanzungszellen gleich sind (Isogamie) gibt es ein binäres sexuelles System. Sollte die Natur jemals den Versuch unternommen haben, mehr als zwei Geschlechter zu bilden, so sind diese wegselektiert worden. Es gibt nirgendwo in der Biologie einen Beweis, dass es jemals mehr als zwei Geschlechter gegeben hat.
Ideologien und andere Irrtümer
Es gab immer wieder Fehlentwicklungen in den Wissenschaften. Das ist der Unterschied zu den Ideologien. Die Wissenschaften korrigieren ihre Irrtümer früher oder später mit den eigenen Methoden. Ideologien haben keine Korrekturmechanismen und verleiten schlichte Gemüter zum Glauben, ihre Ideologie sei der Weg zu Wissen und Erlösung. Beispiele für die Korrekturmacht der Wissenschaften gibt es viele.
Lange Zeit glaubte man, Blut werde im Körper permanent neu gebildet, um danach irgendwo zu versickern. Der Engländer William Harvey überprüfte diesen alten Glauben und entdeckte vor rund 350 Jahren den Blutkreislauf. Er begrub damit die falsche Hypothese des römischen Arztes Galen. Dessen Lehre hatte sich immerhin eineinhalb Jahrtausende gehalten.
„Phlogiston“ war eine im 17. Jahrhundert erfundene und eingeführte hypothetische Substanz, von der man glaubte, dass sie in allen brennbaren Körpern vorhanden sei und bei Verbrennungen entweicht. Unbrennbare Stoffe, wie etwa Wasser, sollten kein Phlogiston enthalten. Nachdem man gegen Ende des 18. Jahrhundert die Bedeutung des Sauerstoffs erkannt und Verbrennungsvorgänge als Oxidationen beschrieben hatte, verschwand die Phlogistonhypothese. Sie wird heute zu den vielen Irrtümern in der Geschichte der Wissenschaften gezählt.
Gender und Sex
Erst nach der Entdeckung der weiblichen Eizelle im 19. Jahrhundert und der Chromosomen im 20. Jahrhundert wurde klar, wie sexuelle Fortpflanzung funktioniert. Der bedeutungslos gewordene Begriff „Gender“ für die Unterschiede zwischen Frauen und Männern verschwand. Später wurde der tote Begriff Gender von Vertretern des „Gender Mainstreaming“ exhumiert und umgedeutet. Als die Grünen Parteien entstanden und die Schwulen- und Pädophilenbewegungen bei der Gründung mitmischten, gaben sich politische Aktivisten der Homosexuellen so etwas wie einen wissenschaftlichen Anstrich. Plötzlich gab es nicht nur Lesben und Schwule, sondern auch Diverse, Non-Binäre, Intermediäre, Queere usw. Diese Liste wird alljährlich länger.
Definitionen
Während die Biologie klare Definitionen verwendet, agitieren die Genderisten mit Hilfe holprig aneinandergereihter Fremdwörter. In einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sagte eine Soziologin im August 2023 folgendes über die Definition des Begriffs „Geschlecht“: „Geschlecht ist eine biosoziale, kulturell bedeutete, historisch gewordene, kontextvariable, andauernd gemachte, träge, bedingt verfügbare Geschlechterdifferenzierung, die intersektional mit anderen sozialen Differenzen verbunden ist und Ungleichheit generiert.”
Diese Aussage ist bar jeder Klarheit, genauer: Nichts als heiße Luft. Die übertriebene Verwendung von Attributen und Fremdwörtern soll Wissenschaftlichkeit simulieren. Ein Geschlecht ist demnach nicht etwas, was die Natur hervorbringt, sondern nur der Mensch, der damit aus guter Gleichheit böse Ungleichheit erzeugt. Wie bitte? Hier staunen nicht nur Selbstdenker. Was hat es dann mit der viel gepriesenen Diversität – also Ungleichheit – auf sich? In einem Satz wird die angeblich mutwillig erzeugte Ungleichheit kritisiert, in einem anderen werden bunte Diversitätsfahnen bejubelt. Das Diversitätsevangelium der Regenbogentruppe ist nichts anderes als eine Sammlung von Widersprüchen. Wie alle Pseudowissenschaften haben Gender„wissenschaften“ nichts an den Universitäten verloren.
Diskussionen über das Thema sind vergeblich. LGBTQIA-Aktivisten bemerken ihre selbst konstruierten Widersprüche nicht, und wenn doch, dann werden sie als Dialektik verkauft. Nichtssagende Worte werden mit Erklärungen verwechselt, Kritiker mit aggressiven Anschuldigungen eingeschüchtert. Arthur Schopenhauer hatte recht: Es hat keinen Sinn, jemanden zu erhellen, dessen Geist sich in der Finsternis wohl fühlt.
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