Die internationale Hilfsindustrie ist personell und finanziell gigantisch. Viele meiner deutschen und ausländischen Kollegen und ich haben aus eigener Anschauung den Eindruck: In manchen Staaten gibt es mehr Hilfsorganisationen als Firmen. Unser Afrikabild wird immer noch von Wunschträumen und den sich selbst erhaltenden Hilfswerken geprägt. Die Hilfsindustrie hat einen Sonderstatus, der anscheinend jegliche Kritik verbietet. Es ist unverständlich, wenn derartige Organisationen, die erhebliche wirtschaftliche Eigeninteressen verfolgen, sich nicht damit anfreunden können, dass das eigene Handeln kritisch hinterfragt werden darf. Deshalb begrüße ich den neuen Ansatz der Bundesregierung, sich künftig stärker auf die Förderung deutscher Wirtschaftsinteressen zu konzentrieren.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat am 7. Oktober 2025 eine Neuausrichtung der Entwicklungspolitik angekündigt. Demnach beabsichtigt das BMZ, die deutsche Wirtschaft enger in seine entwicklungspolitische Arbeit einzubinden. So sollen unter anderem im Vorfeld von Regierungsverhandlungen mit strategisch wichtigen Partnern Wirtschaftsvertreter konsultiert werden – wie Verbände, Handelskammern oder auch einzelne Unternehmen. Wirtschaftliche Kooperation soll künftig „standardmäßig Thema in bilateralen Regierungsverhandlungen“ sein. Damit werden Forderungen der deutschen Wirtschaft  aus dem Positionspapier des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) vom vergangenen Jahr aufgegriffen.

Neben Indien (aus meiner Sicht kein Entwicklungsland) sollen vier Länder für ein Pilotprojekt noch ausgewählt werden. Es wird eine „interessengeleitete Entwicklungszusammenarbeit“ angestrebt. Der Entwicklungspolitiker Wolfgang Stefinger (CSU) möchte „die Entwicklungspolitik enger mit der Außenwirtschaftsförderung verzahnen, damit sie sowohl deutschen Unternehmen als auch unseren geopolitischen Interessen dient“.

Grenzen der Entwicklungshilfe

Vielleicht wäre es nützlich, auch mit afrikanischen Kritikern der Entwicklungshilfe zu sprechen. Der kenianische Wirtschaftsexperte James Shikwati sagt seit Jahren: „Wenn die Industrienationen den Afrikanern wirklich helfen wollen, sollten sie endlich diese furchtbare Hilfe streichen … Wenn sie abgeschafft würde, bekäme das der kleine Mann gar nicht mit. Nur die Funktionäre wären schockiert. „Darum behaupten sie, die Welt ginge unter ohne diese Entwicklungshilfe.“

Immer mehr Afrikaner fordern ein Ende einer solchen mildtätigen Fürsorge. Sie diene nur der Günstlingswirtschaft und fördere die Korruption. Soweit gehe ich trotz des angerichteten Scherbenhaufens (noch) nicht. Ich mache weiter unten Vorschläge, wie m. E. größere Teile der Gelder wirksamer genutzt werden könnten.
Afrika war schon immer ein regelrechtes Experimentierfeld, auf dem nicht nur die Deutschen ihre größtenteils noch unausgegorenen Entwicklungsmodelle testeten, um sich moralisch überhöht zu fühlen. Trotz der gewaltigen Summen, die nach Afrika geflossen sind, ist es nicht gelungen, wesentliche Fortschritte gegen Armut zu erzielen. Schon Lord Peter Bauer (1915–2002), einst Professor an der London School of Economics, hat bereits vor 40 Jahren geschrieben: Entwicklungshilfe belohne den Misserfolg und verewige damit die Armut.

Mit der Political Correctness entsteht auch in der Entwicklungspolitik ein Zwang zum Wegschauen und zur Schönfärberei. Probleme werden geleugnet. Afrika ist auch deshalb arm und unterentwickelt, weil sich eine dünne Oberschicht maßlos bereichert und darüber die Entwicklung des Landes „vergisst“. Afrika entgehen laut einem Bericht der Afrikanischen Union von Juli 2025 jährlich 88 Milliarden US-Dollar durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption. Grobe Schätzungen gehen sogar von über 500 Milliarden US-Dollar aus, sagt der Kameruner Idriss Linge vom Tax Justice Network im britischen Bristol.

Deutschland gibt – als größtes Geberland weltweit – pro Jahr rund 30 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe aus. 10,28 Milliarden Euro kommen aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Beim UN-Klimafonds ist Deutschland der wichtigste Finanzier. Daneben fördert das BMZ noch 400 sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Es wäre dringend nötig, dass der Rechnungshof sich – wie gerade in Österreich – auch mit der öffentlichen Finanzierung dieser NGOs befasst. Wie in Österreich gibt es auch bei uns eine mangelnde Transparenz über die angeblichen Erfolge einzelner Projekte.

Der Bundesrechnungshof hat immer wieder ungenügende Evaluierungen bemängelt. Hinzu kommt, dass alle Afrikaner, die ich kenne, es nervt, wenn alle sie retten wollen.

In einem zentralafrikanischen Land bekam zu meiner Zeit ein lokaler Berater der GTZ ( heute GIZ) monatlich 7000 Euro. (Ein Minister erhielt monatlich offiziell 1200 Euro.) Der Berater baute sich zwei Häuser, die er teuer an ausländische Entwicklungshelfer vermieten konnte. Dass – mit Ausnahme dieses Entwicklungshilfefunktionärs – die Armut in diesem Land nicht abnimmt, dafür mache ich vor allem zwei Gruppen verantwortlich: korrupte afrikanische Herrscher und ihre Günstlinge sowie eine westliche Entwicklungshilfe, die diese Oberschicht unfreiwillig finanziell mästet und gleichzeitig eine riesige Helferindustrie aufgebaut hat, die fürstlich lebt.

Entwicklungshilfe auf dem Prüfstand

Es gibt immer noch ein unübersehbares Wohltätigkeitsnetz von staatlichen und privaten Hilfsagenturen, alle wollen „helfen“. Unzählige „Projekte“ oder „Programme“ wurden als Fremdkörper in den Ländern durchgeführt. Wie ich immer wieder in 17 Jahren in Afrika beobachten konnte, haben diese Projekte kurz nach Beendigung keine Spuren mehr hinterlassen, weil sie die Menschen abhängig gemacht haben, sie an den Zustand der stetigen Hilfe gewöhnt und so die Bildung der Eigeninitiative behindert haben. Während ihrer Laufzeit waren sie erfolgreich, da es an Geld für Betriebsmittel, Fahrzeuge und hohe Gehälter nie gemangelt hat.

Neben den etwa 1200 Mitarbeitern des BMZ, beschäftigt die Durchführungsorganisation, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), fast 25 000 Angestellte im In- und Ausland. Auch die Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die für die Entwicklungsfinanzierung zuständig ist, hat 23 Außenbüros von Äthiopien bis Uganda.

Neben den – auf Pump finanzierten – Rekordzahlungen für Entwicklungshilfe gibt es noch die Humanitäre Hilfe aus dem Etat des Auswärtigen Amtes.
1,43 Milliarden Euro kann das Auswärtige Amt 2025 ausgeben. „Bei eskalierenden Katastrophen soll es noch weitere Mittel geben“, sagte Inge Gräßle (CDU/CSU). Statt „moralische und symbolische Projekte“ (Axel Bojanowski) zu fördern, wäre es sinnvoll, den Etat für Humanitäre Hilfe zu erhöhen und beim BMZ entsprechend zu kürzen. Wird der Etat des BMZ gekürzt, dann sterben nicht – wie gerne behauptet wird – Millionen Menschen. Bei Überschwemmungen, Erdbeben, Hungersnöten und anderen Katastrophen hilft das Auswärtige Amt vor Ort mithilfe der Botschaften.

Allerdings sehe ich einen fatalen Zusammenhang zwischen Entwicklungshilfe und Hungersnöten: „Hilfe“ verhindert Vorsorge. Wir alimentieren afrikanische Gewaltherrscher und verantworten damit auch Korruption und Unterdrückung. Wir sollten uns die Frage stellen, ob wir Staaten unterstützen sollten, die – wie zu meiner Zeit im Niger – Existenzsicherungsprogramme dem Ausland überlassen. Anderen Menschen zu helfen – oder zumindest zu glauben, dass man es tut –, ist ein vermutlich altes, allzu menschliches Bedürfnis (besonders) in Deutschland. Es wird ein gutes Gefühl erzeugt, weil man vermeintlich die Notleidenden bedacht hat. Die gute Absicht zählt. Aber fremde Hilfe hat in Afrika weder soziale Grundprobleme gelöst noch einen bescheidenen Massenwohlstand effektiv gesteigert. Helfer sollten sich fragen, ob sie nicht bisher mitwirkten, dass der Kontinent ein Bittsteller bleibt. Die unbequeme Frage, ob die Hilfe auch schaden kann, wird selten gestellt. Alle Maßnahmen dürfen nicht mehr nach den erbrachten Mitteln, sondern nach Resultaten beurteilt werden.

Ursachen von Hungersnöten sind in der Regel menschengemacht und selten naturbedingt. „Afrika verfügt über 60 Prozent der noch nicht bewirtschafteten Agrarflächen des Planeten … Die Armut im rohstoffreichsten Kontinent der Welt ist eine Folge von Korruption und Misswirtschaft“ (Asfa-Wossen Asserate).
Die Landwirtschaft muss deutlich leistungsfähiger werden. Afrikas Eliten müssen den Kampf gegen den Hunger wirklich ernst nehmen. Selbst in fruchtbaren Ländern wie Mosambik, Südsudan oder Sambia dienen kaum mehr als 20 Prozent des Landes der Landwirtschaft.

Die rasanten Bevölkerungszuwächse (Afrika wächst täglich um 110 000 Menschen) werden von vielen autoritären Herrschaftssystemen in Afrika weitgehend ausgeblendet – und Entwicklungshilfeorganisationen schweigen.
Das Nichtstun afrikanischer Regierungen schafft erst das Hungerproblem, zu dessen Lösung sie die Weltgemeinschaft auffordert, obwohl sie die einzige Macht ist, die in der Lage wäre, das Problem dauerhaft zu lösen. „Es gibt vielerorts in Afrika – gerade unter Staatschefs – die Tendenz, die Weißen für alle Übel des Kontinents verantwortlich zu machen und sich aus der Verantwortung zu stehlen“, stellte schon der langjährige Afrikakorrespondent der NZZ David Signer fest.

Hilfen sollten nur noch als Nothilfe im Falle etwa von Naturkatastrophen, die außerhalb der menschlichen Kontrolle liegen, gegeben werden. Mittelfristig sollte Unterstützung an Familienplanung, Bildung, Ausbildung, Aufbau eines gerechten Steuersystems (viele Reiche in Afrika zahlen keine Steuern), und an Erwerbsmöglichkeiten der Basis gebunden werden.

“Wenn man für das in einfachsten Verhältnissen lebende Volk in den Entwicklungsländern etwas tun will, muss man an dessen Möglichkeiten anknüpfen und bescheidene Mittel und Wege suchen, die die Menschen nicht überfordern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wie etwa Straßenbau, gilt die Regel, dass großes Geld für Basisprojekte nicht geeignet ist …Fast ständig überdimensionierte, zu großzügig ausgestattete Projekte und neue, unnötige Kapazitäten, die in der Logik der Geber liegen, aber der Entwicklung eher schaden, beweisen das.“ Diese immer noch gültige Regel – für alle Staaten, in denen ich tätig war – beschrieb der WDR-Journalist Kurt Gerhardt, nach seinem Abstecher in die Entwicklungshilfe im Niger.

Ein wirklich neuer Ansatz könnte sein, dass – mit einem Pilotprojekt mit wenigen Ländern in einer Region – die Informationen über jedes einzelne Projekt im Internet zugänglich gemacht werden, natürlich auch der wirtschaftliche Zweck, die Kosten und die Leistungen des Landes (bis heute zahlen Partnerländer vertraglich zugesagte Eigenleistungen nicht, weil die GIZ die Beiträge nicht konsequent einfordert). Die privaten lokalen Medien – die bis heute oft von den Informationen ausgeschlossen werden – könnten zu aufmerksamen Beobachtern werden.
Zugleich erhielten alle Beteiligten eine Gelegenheit, ihre Beobachtungen und Meinungen einzubringen. Dann würde dafür gesorgt, dass die staatlichen Behörden auf die Wünsche, Bedürfnisse, Initiativen und Ideen der Bevölkerung eingehen und sie so gut wie möglich erfüllen. Dies würde ihnen die Selbstbestimmung und Mitgestaltung ermöglichen.

Entwicklungshilfeorganisationen und die Regierung könnten dadurch deutlich Verantwortung und Transparenz verbessern. Nur dann könnte man von Entwicklungshilfezusammenarbeit und nicht von Entwicklungshilfe sprechen.

Auch müssten Regierungen nicht mehr Hand aufs Herz schwören, sie würden die Korruption bekämpfen. Und die Geber nicht mehr vorgeben, als glaubten sie ihnen. Überzeugen kann das nur, wenn am Ende eine Überzeugung oder zumindest eine echte Einsicht dahintersteht. Wer es wirklich gut meint mit Afrika, der sollte die Entfaltung der menschlichen Potenziale unterstützen.

Unter Qualitätsmanagement verstehe ich, dass es Fehleranalysen und Wirkungskontrollen geben muss, um die Effizienz der Hilfe zu erhöhen. Anhand eines „Archivs des Scheiterns“, wie ich es in meinem Buch genannt habe, muss diese Analyse auch dazu führen, dass sich die Methoden ändern. Bei den Programmen der deutschen und EU-Entwicklungshilfe sollte größerer Wert als bisher darauf gelegt werden, nachvollziehbare Zwischenschritte einzubauen, die jeweils mit festen Zielvorgaben verbunden sind. Bei Nichterreichen der Ziele müssen in jedem Fall spürbare Konsequenzen vorgesehen sein, bis hin zum Ausstieg.

Instrumente, die eine solche Kontrolle nicht zulassen, sollten gemieden werden. Wichtig sind die Weiterentwicklung und ständige Infragestellung der eigenen Ansätze und Methoden. Wohltätigkeit beseitigt nicht die Wurzeln der Armut. Hilfsorganisationen sind bisher zu sehr auf soziale Hilfe konzentriert und wachstums- und wirtschaftsfeindlich eingestellt.

Statt Wohltätigkeit, Risikokapital

Derzeit leben ungefähr 11 Millionen afrikanische Migranten in Europa. Afrikaner, die es außerhalb ihres Kontinents geschafft haben, erfolgversprechende Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, sollten gefördert werden.

Der deutsche Mittelstand und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) könnten Managementfähigkeiten unterstützen, und das BMZ könnte für einige Jahre Wagniskapital zur Verfügung stellen. Die damit gegründeten Unternehmen, etwa im Handwerk, in der Infrastruktur, Lebensmittelverarbeitung, Medizintechnik, Biotechnologie, Pharmazie oder IT, könnten dringend benötigte Arbeitsplätze schaffen.

Ich rege direkte Investitionen aus Entwicklungshilfemitteln zum Aufbau einfacher, arbeitsintensiver Industrien an, z. B. um Pflastersteine herzustellen, um einfache Straßen zu bauen. Asphaltstraßen müssen oft schon nach der zweiten Regenzeit instandgesetzt werden, während Pflastersteine bei Bedarf leicht ersetzt werden können. Ich habe ein derartiges Projekt in Benin begleitet. Obwohl es der afrikanischen Jugend Arbeit und eine Zukunft gegeben hat, wurde es aus mir unverständlichen Gründen wieder eingestellt.

Eine weitere Idee wäre die Gründung eines Unternehmens für das Recycling von Elektroschrott, als Ersatz für die Deponie von Agbogbloshie in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Viele Menschen sind dort wirtschaftlich von der Arbeit auf der Müllhalde abhängig. Junge Männer und Kinder arbeiten unter gefährlichen Bedingungen (Atemwegserkrankungen, Krebsrisiko), um die oft aus Europa illegal eingeführten Geräte, Computerfestplatten, Kühlschränke, Gefriertruhen und Fernseher manuell zu zerlegen, um wertvolle Metalle zu gewinnen. Die Verbrennung von Elektroschrott setzt giftige Dämpfe frei. Toxische Chemikalien gelangen in den Boden und das Grundwasser.

Die wertvollen Rohstoffe wie Kupfer, Coltan und Cadmium könnten gesundheitlich fachgerecht in einem gemeinsamen Unternehmen recycelt werden. Wenn die Jugendlichen angestellt würden, könnten sie zum Familienunterhalt beitragen. Hier könnte die deutsche Entwicklungshilfe tatsächlich etwas für den Umweltschutz, die Gesundheitsvorsorge sowie soziale Gerechtigkeit tun. Der Klima-Aktivismus wie in Europa funktioniert in Afrika nicht. Hier könnten wir allerdings das Klima in Accra wahrhaftig verbessern. Vielleicht würde ein solches Projekt auch das Ansehen Deutschlands in Afrika erhöhen:
Nach einer soeben im Magazin „Jeune Afrique“ (No 3153 – Octobre 2025) veröffentlichten Umfrage unter 7087 Afrikanern mit höheren Einkommen glauben nur 15 % der Befragten an einen positiven Einfluss durch die EU auf die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes (Deutschland – obwohl größter Geber – wurde erst gar nicht genannt). Genannt wurden außerdem China (61 %), USA (33 %), Vereinigtes Königreich (19 %), Russland (18 %) und Frankreich (11 %). Mehrere Antworten waren möglich.

Jeder beruflich qualifizierte Afrikaner, der in sein Land zurückkehren will, sollte großzügige Starthilfen bekommen, um ihn beim Berufsstart in seiner Heimat zu unterstützen, etwa Anschubfinanzierung für eine Firmengründung. Sogar ein Betrag bis zu 100 000 Euro wäre schon nach einigen Monaten billiger als eine dauerhafte Arbeitslosigkeit in Deutschland. Es sollte eine konkrete, transparente Ergebnisvereinbarung zwischen Geber und Nehmer geben. Die GIZ könnte bei einem Businessplan helfen und die Firma für eine festgelegte Zeit betreuen. Sobald der ehemalige Migrant Ergebnisse nachweist, die von unabhängigen Prüfern abgenommen wurden, zahlt die KfW sukzessiv die zugesagte Summe. Über jedes Projekt muss regelmäßig Rechenschaft abgelegt werden. Bleibt der Erfolg aus, fließt kein Geld mehr. Dieses Konzept bringt die Leute dazu, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Teurer als alle bisherigen Versuche würde es nicht werden und wir würden nicht mehr das Narrativ der afrikanischen Armut und Hoffnungslosigkeit pflegen.

Zahlreiche Länder, z. B. Namibia, Gabun und Kongo, wollen künftig ihre Rohstoffe vermehrt selbst verarbeiten. Deutsche Unternehmen könnten durch gezielte Investitionen in Infrastruktur – allerdings nur in Ländern, in denen die bestehenden Anlagen dauerhaft instand gehalten werden –, Ausbildung und Qualifizierung einen Beitrag leisten. Deshalb sollte ein größerer Teil der Entwicklungshilfe als Staatsgarantie für deutsche mittelständische Unternehmen gegeben werden. Das würde viele Menschen in Afrika in Lohn und Brot bringen. Ich meine, die Bundesregierung sollte Mut beweisen und im Rahmen ihres Afrika-Engagements entsprechende Risiken absichern und Investitionen steuerlich fördern. Daneben sollten mit mehr afrikanischen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen werden. Das Thema Investitionsschutz sollte auf europäischer Ebene aktiv aufgegriffen werden, um Verhandlungen über europäische Investitionsförderungs- und Schutzverträge aufzunehmen. Über die Verbände könnten die Unternehmer auf die Bundesregierung einwirken.

Es wäre nicht nur im Sinne der Afrikaner, wenn sämtliche Möglichkeiten zur lokalen Verarbeitung und Wertschöpfung ausgeschöpft werden. Afrikanische Volkswirtschaften würden gestärkt, indem die lokale Produktion gefördert und dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen würden. Der Kontinent würde nicht mehr zu einem Rohstofflieferanten für Industrieländer degradiert.

Afrika war für die deutsche Politik in den letzten Jahren ein Randthema. Wir haben  Chancen verpasst, weil wir zu selbstsicher und unbeweglich geworden sind und mit erhobenen Zeigefinger sagen, wie die Welt zu sein hat. Unser Fehler war seit Anbeginn, dass wir keine Ziele und Interessen definiert haben, was wir in Afrika wollten. Entwicklungshilfe genügt nicht, ein bisschen Handel und ansonsten Menschenrechte sind keine tragfähige Grundlage für politische Beziehungen.

Wenn das BMZ seine Afrikastrategie rasch pragmatisch umsetzen würde, auch durch wettbewerbsfähigen Finanzierungsgarantien und Risikoabsicherungen, könnte dies dem schwindenden außenpolitischen und wirtschaftspolitischen Stellenwert Deutschlands in Afrika etwas entgegensetzen.

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Volker Seitz, ehemaliger Diplomat und Botschafter der Bundesrepublik Deutschland (davon 17 Jahre in Afrika), Afrikaexperte und Buchautor des Longsellers „Afrika wird armregiert“.