Werner Reichel: Auflagen im Sinkflug – Das vorhersehbare Ende der Mainstreampresse
Dem Flaggschiff des deutschen Nachrichtenjournalismus, dem Spiegel, brechen die Leser weg. Die Zahl der Print-Abos ist mit rund 190.000 auf einen vorläufigen Tiefpunkt gefallen. Wie der Spiegel stecken fast alle linken Meinungsblätter in einer existenziellen Krise. Zu lange haben sie gegen die Interessen ihrer Leser angeschrieben.
Spiegel-Gründer Rudolf Augstein bezeichnete sein Magazin als „Sturmgeschütz der Demokratie“. Ein Sturmgeschütz ist es nach wie vor. Allerdings nicht für, sondern gegen die Demokratie. So wie die anderen Mainstreamblätter hatte auch der Spiegel im Jahr 2015 die letzten Reste seines journalistischen Anspruchs und Anstandes entsorgt und stellte sein Geschäftsmodell auf Propaganda im Dienste der herrschenden Klasse um.
Die Journalisten der systemtreuen Haltungsblätter sehen ihre Aufgabe nicht mehr darin, die Bürger zu informieren, sondern nach den Vorgaben und Zielsetzungen des Establishments zu erziehen und zu manipulieren. Man sieht und begreift sich als politischer Aktivist, der gemeinsam mit den anderen Kräften des politmedialen Komplexes dessen zentrale ideologischen Projekte vorantreibt und alle, die ihnen dabei im Wege stehen, als Staatsfeinde zu diffamieren und zu verfolgen. Das ist die Funktion der Mainstreammedien im postdemokratischen System Deutschlands und der EU.
Von der vierten Macht zum politischen Handlanger
Die postdemokratische Haltungspresse ist nicht länger die vierte Macht im Staat, die die Mächtigen kontrolliert, sondern ihr willfähriger Handlanger, mehr noch, sie ist oftmals sogar die treibende ideologische Kraft, die die Politiker mittels medialen Drucks und woker Hypermoral erpresst, linke Politik noch radikaler und autoritärer umzusetzen. Politiker, die auch nur ansatzweise versuchen, konservative oder gar rechte Politik im Interesse des Landes und der Bevölkerung umzusetzen, werden an den medialen Pranger gestellt und sozial hingerichtet. Da es für die linke journalistische Klasse – abgesehen von den von der Politik gegängelten und verfolgten alternativen Medien – kein publizistisches Gegengewicht und damit Korrektiv mehr gibt, radikalisiert sie sich zunehmend und bekundet mittlerweile sogar offen Sympathien für linksextreme Gewalttäter und Terroristen, die etwa mit Hämmern versuchen, Andersdenkende zu ermorden. Der nächste Schritt der großen Medien zu offenen Gewaltaufrufen gegen „Rechte“ ist nur noch eine Frage der Zeit.
Politik und Medien sind zu einer sich radikalisierenden Einheit verschmolzen, die sich von der Bevölkerung abgekoppelt hat und in den Bürgern nicht mehr den Souverän, sondern wahlweise einen Feind oder Untertanen sieht. Das wurde während der Corona-Pandemie immer mehr Bürgern bewusst, als Regierung und Medien mit einer Stimme sprachen und sich gegenseitig zu einer immer menschenverachtenderen Hetze gegen Andersdenkende, Kritiker und Skeptiker aufstachelten.
Sowohl der Willkommens- als auch der Corona-Wahn veränderten den Staat und die Gesellschaft fundamental und führten zu einer tiefgreifenden Entfremdung zwischen immer mehr Bürgern und dem politmedialen Komplex.
Der politmediale Komplex radikalisiert sich
Die journalistische und politische Klasse haben sich so aneinandergekettet, dass sie auch gemeinsam untergehen werden. Wer das Vertrauen in die Einheitsparteien von ganz links bis pseudobürgerlich, von Grünen bis Union, verloren hat, hat es auch in die Mainstreammedien und umgekehrt. Nur wer – aus welchen Gründen auch immer – an die Versprechen der Union, die moralische Überlegenheit der Grünen oder den Idealismus der SPD glauben muss, braucht solche Medien, um sein brüchiges und mit der Realität nicht mehr kompatibles Weltbild noch bestätigt zu bekommen.
Doch diese Bevölkerungsschicht wird angesichts des immer brutaler zu Tage tretenden Niedergangs des Landes immer kleiner. Dass die Krise der etablierten Politik auch eine der etablierten Medien ist, zeigen die aktuellen Auflagenzahlen eindrucksvoll: Nur noch knapp 190.000 Menschen haben die Druckausgabe des Spiegel abonniert. Vor einem Jahr waren es noch um über 23.000 Stück oder 11 Prozent mehr. Auch bei den digitalen Abos geht der Trend nach unten – wenn auch weniger rasant. Hier beträgt das Minus „nur“ 1,9 Prozent. 252.000 Online-Abonnenten zählt der Spiegel. – noch. Auch im Einzelverkauf brechen dem einst so bedeutenden Magazin die Einnahmen weg. Nach Informationen der Jungen Freiheit sank der Verkauf der Hefte innerhalb eines Jahres um rund 10 Prozent auf 88.000 Exemplare.
Der Spiegel ist kein Einzel-, sondern der Regelfall. Die Bild verlor in nur einem Jahr 110.000 Käufer. Das ist ein gewaltiges Minus von 16,5 Prozent. Auch die Süddeutsche Zeitung musste im vierten Quartal des vergangenen Jahres ein Minus von 7,7 Prozent hinnehmen und die ins linke Lager gewechselte Frankfurter Allgemeine Zeitung verlor 5,5 Prozent ihrer Leserschaft. Der Abgang an Lesern hat wenig mit dem geänderten Mediennutzungsverhalten zu tun, denn bei diesen Zahlen sind die digitalen Abos bereits inkludiert. Es handelt sich also nicht um eine Krise der gedruckten Medien, sondern um eine der linken Haltungsmedien – egal ob gedruckt oder digital. In Österreich ist die Situation dieselbe.
Mainstreammedien hoffen auf Social-Media-Verbot
Während den Mainstreammedien, die sich selbst gleichgeschaltet haben, jeden Tag Hunderte Leser unwiederbringlich abhandenkommen, halten die Eigentümer, Manager, Chefredakteure und Mitarbeiter der großen Medienhäuser an ihrem inhaltlichen Kurs Richtung Bedeutungslosigkeit fest.
Sie machen ihre Blätter und Sender nicht mehr für die Bürger, sondern ausschließlich für ihr eigenes schrumpfendes Milieu und für ihre Genossen in Politik, Kultur und Zivilgesellschaft. Schließlich sind beide Seiten wie in einer Symbiose aufeinander angewiesen.
Weil aber weder Politik noch Medien die Bürger zwingen können, den Spiegel oder den Standard zu lesen, verbietet man eben deren Konkurrenten. So wie überall in der EU wird deshalb auch in Deutschland und Österreich aktuell ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche diskutiert. Die Argumente, die man dafür vorschiebt, sind so bekannt wie durchschaubar: Es geht selbstredend nicht darum, die jungen oder künftigen Wähler vor Hass und Hetze, sondern vor ungefilterten, kritischen Informationen und Meinungen, die außerhalb des engen politisch korrekten Rahmens liegen, zu „schützen“.
Das letzte Aufgebot einer gescheiterten Politikerklasse
Selbstredend wird das von der Politik geplante Social-Media-Verbot von den Mainstreammedien unterstützt. Einerseits, weil man ideologisch stets auf einer Linie mit den Mainstreamparteien liegt, anderseits hofft man durch diese Zensurmaßnahme wieder junge und neue Leser gewinnen zu können.
In Österreich geht man noch einen Schritt weiter. SPÖ-Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler plant als Begleitmaßnahme zum Social-Media-Verbot Gratis-Zeitungs-Abos für alle Jugendlichen. Man verbietet den jungen Menschen jene Kommunikationskanäle, die sie intensiv nutzen und drängt ihnen stattdessen anachronistische linke Propagandamedien auf, die längst zu Ladenhütern geworden sind.
Solche plumpen und autoritären Maßnahmen können den Niedergang der Mainstreammedien und der etablierten Parteien bestenfalls – wenn überhaupt – verzögern. Die Jugendlichen in Österreich werden die ihnen von Politikern aufgedrängten Gratiszeitungen wohl nicht lesen und werden, so wie ihre Altersgenossen in Deutschland, Mittel und Wege finden, das Social-Media-Verbot zu umgehen. Solche demokratiefeindlichen Maßnahmen zur Absicherung der Macht sind vor allem Ausdruck dafür, wie tief Politik und Medien in der Krise stecken und wie weit man sich von jenen Idealen und Werten entfernt hat, die man vorgibt, zu verteidigen.
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