10.000 Herzinfarkte pro Jahr – Eine unterschätzte Gefahr
Jährlich erleiden in Österreich rund 10.000 Menschen einen Herzinfarkt. Für viele kommt jede Hilfe zu spät. Wer überlebt, trägt oft nicht nur körperliche, sondern auch seelische Narben davon. In Kärnten versucht nun der Verein „in.puls.Kärnten“, Überlebende stärker miteinander zu vernetzen – um Erfahrungen zu teilen, Ängste zu bewältigen und neue Perspektiven zu schaffen.
Für Harald Mrak aus Fürnitz änderte sich das Leben innerhalb weniger Sekunden. Vor eineinhalb Jahren erlitt er einen Herzstillstand. „Ich habe nichts mehr mitbekommen, also es war bei mir nur schwarz, sagen wir mal so. Das heißt, wenn meine Frau nicht gewesen wäre und die Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet hätte, wäre ich ganz sicher nicht mehr aufgewacht“, erklärte er dem ORF.
Seine Frau Daniela reagierte instinktiv und ohne Zögern. „Ich habe sofort den Notarzt gerufen. Ich habe ihn aus dem Bett rausgeholt und meine Kinder geschickt, um Hilfe zu holen. Und als er dann aufgehört hat zu Atmen, habe ich sofort mit der Reanimation begonnen. Ich habe dann reanimiert, bis mich der erste Helfer abgelöst hat.“
Diese Minuten entschieden über Leben und Tod. Harald Mrak verbrachte anschließend mehrere Tage im künstlichen Tiefschlaf und insgesamt mehr als einen Monat im Krankenhaus. „Ich war dann sechs bis sieben Tage in der Tiefschlafphase und war dann insgesamt 32 Tage im Krankenhaus, bis ich wieder heimgehen durfte.“
Der Vorfall zeigt, wie entscheidend schnelle Reaktionen sind. Jede Minute ohne Wiederbelebung senkt die Überlebenschance drastisch. Erste-Hilfe-Kenntnisse sind daher keine Nebensache – sie sind im Ernstfall lebensentscheidend.
Die unsichtbaren Folgen
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand hinterlässt Spuren, die über Narben und medizinische Befunde hinausgehen. Christopher Krainer, Präsident von „in.puls.kärnten“, beschreibt die psychische Dimension: „Das ist in erster Linie natürlich ein Schock psychischer Natur, aber auch die weiteren Ängste, die daraus resultieren, dass jederzeit wieder so ein Herz-Kreislauf-Stillstand auftreten kann.“
In Selbsthilfegruppen finden Betroffene einen geschützten Raum. Karl Felsberger vom Dachverband Selbsthilfe erklärt im Gespräch mit dem ORF: „Hier können sie Themen ansprechen, die sie in der Familie nicht ansprechen wollen, die sie vielleicht auch beim Mediziner nicht ansprechen wollen.”
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein unterschätztes Risiko
Statistisch gesehen ist die Bedrohung groß: Rund ein Drittel aller Todesfälle in Österreich steht im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Herzinfarkte und Schlaganfälle zählen zu den häufigsten Ursachen.
Ein wesentlicher Risikofaktor ist neben Cholesterin und Triglyceriden auch das Blutfett Lipoprotein(a), kurz LP(a). Eine Studie der Monash University in Melbourne und der
Medizinischen Universität Innsbruck weist darauf hin, dass erhöhte Werte dieses Blutfetts das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse deutlich steigern.
„Wir wissen, je höher die Konzentration, desto höher ist das Risiko für diese Zwischenfälle“, erklärt Florian Kronenberg, Leiter des Instituts für Genetische Epidemiologie. Besonders problematisch: Der LP(a)-Wert wird in Österreich bislang nicht routinemäßig gemessen.
Genetisch bedingt: Reicht Ernährung allein nicht aus?
LP(a) unterscheidet sich von anderen Risikofaktoren. Während sich Blutfette oder Blutdruck oft durch Lebensstil beeinflussen lassen, ist dieser Wert überwiegend genetisch bestimmt. „Ungefähr 70 bis 90 Prozent der LP(a)- Konzentrationen sind genetisch festgelegt. Wir können es kaum durch Diät oder körperliche Aktivität beeinflussen. Wir sind unserer Genetik ausgeliefert“, so Kronenberg.
Etwa jeder fünfte Mensch in Österreich soll erhöhte LP(a)-Werte haben. Für Betroffene bedeutet das: Andere Risikofaktoren müssen konsequent kontrolliert werden – sei es hoher Blutdruck, Diabetes oder ein erhöhter Cholesterinspiegel. Prävention bleibt dennoch zentral: ausgewogene Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie gezielte medikamentöse Therapien können das Gesamtrisiko deutlich reduzieren.
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