13 Jahre unschuldig im Gefängnis: Justiz-Irrtum kostet Staat 1,3 Millionen
Er saß 13 Jahre lang unschuldig im Gefängnis. Jetzt erhält Manfred Genditzki eine Rekordentschädigung von 1,3 Millionen Euro. Ein Justizdrama mit bitterem Nachhall.
Manfred Genditzki verbrachte 13 Jahre unschuldig im Gefängnis – nun erhält er 1,3 Millionen Euro Entschädigung.YouTube/DER SPIEGEL
Mehr als ein Jahrzehnt verlorenes Leben – hinter Gittern, zu Unrecht verurteilt und als Mörder gebrandmarkt. Manfred Genditzki verbrachte 13 Jahre im Gefängnis und das unzurecht. Nun zieht der deutsche Staat einen teuren Schlussstrich unter einen der aufsehenerregendsten Justizirrtümer der vergangenen Jahre.
Zu Unrecht als Frauenmörder verurteilt
Der Fall reicht zurück ins Jahr 2008: Die 87-jährige Rentnerin Liselotte K. wurde mit Blutergüssen am Kopf tot in ihrer Badewanne aufgefunden. Schnell geriet Manfred Genditzki ins Visier der Ermittler. Er war Hausmeister der Wohnanlage und half der Frau regelmäßig beim Einkaufen. Für die Ermittler war dies offenbar Grund genug, ihn als Hauptverdächtigen zu sehen.
Die Anklage lautete auf Mord: Er soll die Frau im Streit ertränkt haben. In zwei Prozessen und einer Revision folgten die Richter dieser Theorie und verurteilten den Mann zu lebenslanger Haft.
Heute zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Nach aktueller Beweislage starb Liselotte K. sehr wahrscheinlich bei einem Sturz im Badezimmer. Zudem konnte Genditzkis Anwältin Regina Rick nachweisen, dass der Todeszeitpunkt deutlich später lag als ursprünglich angenommen – für diesen Zeitraum hatte der Hausmeister ein Alibi.
„Sie sind frei!“ – der Anruf im Gefängnis
Genditzki saß mehr als 13 Jahre unschuldig im Gefängnis. Er erlebte nicht mit, wie seine Tochter aufwuchs, und durfte nicht einmal an der Beerdigung seiner Mutter teilnehmen. Mitte 2022, als er die Hoffnung längst aufgegeben hatte, kam die Wende.
Während seiner Arbeit in der Wäscherei der JVA Landsberg reichte ihm ein Beamter einen Telefonhörer. Am anderen Ende der Leitung hieß es nur: „Sie sind frei!“
Nach seiner Entlassung sagte Genditzki: „Ich werde keine Freudensprünge machen. Einen Grund zum Jubeln habe ich nicht.“ Der endgültige Freispruch erfolgte im Wiederaufnahmeverfahren am 7. Juli 2023.
Rekord-Entschädigung nach Vergleich
Der heute 65-Jährige erhält nun eine Entschädigung in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Dies teilte der Freistaat Bayern am Mittwoch mit. Die Summe sei das Ergebnis eines einvernehmlichen Vergleichs vor Gericht.
In dem Betrag sind alle Ansprüche aus Verurteilung, Haft und Wiederaufnahmeverfahren sowie bereits geleistete Zahlungen enthalten. Ursprünglich waren für jeden Tag hinter Gittern 75 Euro vorgesehen, was insgesamt knapp 400.000 Euro entspricht. Weitere mehr als 450.000 Euro entfallen auf entgangenen Verdienst und Rentenbeiträge. Berücksichtigt wurden auch die Versteuerung von Teilen der Entschädigung und die hohen Anwaltskosten.
Der Freistaat Bayern räumte ein: „Es ist eine unerträgliche Vorstellung für jeden Menschen, zu Unrecht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt zu werden.“
Genditzkis Anwältin Regina Rick erklärte: „Wir begrüßen, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte.“ Ihr Mandant sei erleichtert, dass die jahrelangen Verfahren nun endgültig abgeschlossen seien. „Die dreizehneinhalb Jahre, die er zu Unrecht in Haft verbracht hat, gibt ihm keiner mehr zurück.“ Nun wolle er vor allem eines: Zeit mit seiner Familie verbringen.
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