300-Millionen-Deal: Bundeswehr setzt auf Kamikazedrohnen
Die deutsche Bundeswehr schlägt bei ihrer Drohnenbeschaffung einen bemerkenswerten Kurs ein. Erstmals gehen Aufträge in dreistelliger Millionenhöhe nicht an etablierte Branchenriesen, sondern an zwei vergleichsweise junge Unternehmen.
Für die Ausstattung einer Panzerbrigade in Litauen sollen künftig Systeme von Helsing und Stark Defence zum Einsatz kommen – während der langjährige Platzhirsch Rheinmetall leer ausgeht. Nach Informationen aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen plant das Bundesverteidigungsministerium, beiden Start-ups jeweils Aufträge im Umfang von rund 300 Mio. € zu erteilen. Die Verträge sollen Teil eines Beschaffungspakets sein, das dem Deutschen Bundestag voraussichtlich in der letzten Februarwoche zur Genehmigung vorgelegt wird.
Tests entscheiden – nicht Tradition
Ausschlaggebend für die Vergabe sollen erfolgreiche Erprobungen in den vergangenen Monaten gewesen sein. Sowohl Helsings Drohne HX-2 als auch das System „Virtus“ von Stark Defence hätten in militärischen Tests überzeugt, heißt es. Rheinmetall hingegen soll keinen einsatzfähigen Demonstrator vorgelegt haben.
Vorzeigeprojekt unter Druck
Die Entscheidung für Helsing ist vor dem Hintergrund jüngster Berichte zur Leistungsfähigkeit der HX-2 bemerkenswert. Mehrere Medien hatten unter Berufung auf interne ukrainische Unterlagen von erheblichen Problemen beim Einsatz der Drohne im Ukraine-Krieg berichtet. Demnach soll die Trefferquote bei realen Einsätzen lediglich bei rund 36 % gelegen haben. Ursachen seien laut den Dokumenten nicht gegnerische Abwehrmaßnahmen, sondern technische Schwächen.
Technische Defizite im Einsatz
Konkret ist in den Berichten von instabilen Videoverbindungen, eingeschränkter Zielerfassung und einer wenig flexiblen Steuerung die Rede, die riskante Flugmanöver erforderlich mache. Zusätzlich soll es bei Tests an der Front zu massiven Startproblemen gekommen sein: Nur etwa ein Viertel der eingesetzten Systeme habe überhaupt erfolgreich abheben können. Als Ursache wurden demnach Defekte am Startkatapult genannt. Das Unternehmen Helsing wies diese Darstellungen zurück und sprach von missverständlichen oder veralteten Daten.
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