Es sind Bilder, die selbst erfahrene Ermittler erschüttern. In der Neujahrsnacht brach im Schweizer Nachtclub „Le Constellation“ ein tödlicher Brand aus. Ein Video soll zeigen, wie eine der Betreiberinnen die brennende Decke filmt. Was folgt, ist eine Katastrophe mit 40 Todesopfern – und eine Kette schwerer Vorwürfe gegen die Verantwortlichen.

Gefilmt, während das Feuer bereits brennt

In einem Video, das in der Brandnacht im Club „Le Constellation” in Crans-Montana aufgenommen wurde, ist im Vordergrund eine Frau mit einer Champagnerflasche und einer brennenden Wunderkerze zu sehen. In der anderen Hand hält sie ein Handy. Laut der deutschen Zeitung Bild soll es sich dabei um die mutmaßliche Mitinhaberin Jessica Moretti (40) handeln.

Im Hintergrund ist eine Kellnerin zu erkennen, die auf den Schultern des DJs sitzt. Sie trägt einen Dom-Pérignon-Motorradhelm mit schwarzem Visier, der ihr die Sicht nahezu vollständig nimmt. Ebenso hält sie eine mit einer Wunderkerze versehene Flasche. Die Wunderkerze soll den schalldämmenden Schaumstoff an der Decke der Kellerbar entzündet haben.

Sowohl die Kellnerin Cyane Panine (24) als auch der DJ Mateo Lesguer (23) kamen bei dem Inferno ums Leben. Jessica Moretti soll hingegen zu den ersten Überlebenden gehört haben, die den Club verlassen konnten.

Flucht, verschlossene Türen und tödliche Enge

Ermittler gehen davon aus, dass 34 der 40 Todesopfer im engen Treppenhaus der Bar starben. „Das sind 85 Prozent der Todesopfer“, sagte eine Quelle aus dem Ermittlerkreis. „Sie waren auf der winzigen Treppe gefangen, als alle versuchten, sich den Weg nach draußen zu bahnen, aber sie konnten nicht entkommen.“

Das Treppenhaus war bei Renovierungsarbeiten im Jahr 2015 von drei auf einen Meter Breite verkleinert worden. Verantwortlich dafür soll Jacques Moretti (49) sein, der Ehemann der Mitinhaberin. Er räumte ein, die Arbeiten selbst durchgeführt zu haben. Ob dafür eine Genehmigung vorlag, ist unklar. Mehrere Ermittlungsquellen erklärten, die bauliche Veränderung habe „eine entscheidende Rolle bei der Katastrophe“ gespielt.

Zudem behaupten die Eltern der verstorbenen Kellnerin, ein Notausgang sei verschlossen gewesen, um zu verhindern, dass Gäste ohne Zahlung der Tischgebühr von umgerechnet rund 900 Pfund hineingelangen.

Ermittlungen, Haft und verschwundene Videos

Nach dem Brand sollen die Überwachungskameras drei Minuten vor Ausbruch des Feuers „ausgefallen“ sein. Laut BILD existiert Filmmaterial nur bis 1:23 Uhr, also drei Minuten vor dem Brand. In seiner Vernehmung erklärte Jacques Moretti dazu: „Zu diesem Zeitpunkt ist das System abgestürzt. Ich kann es nicht zurücksetzen.“

Zudem gab er zu, dass eine „Servicetür im Erdgeschoss“ von innen verschlossen gewesen sei. Er habe sie aufgebrochen und dahinter Opfer gefunden, die an Erstickung gestorben seien. Warum die Tür verschlossen war, wisse er nicht. Beide Morettis bestreiten jegliches zivil- oder strafrechtliches Fehlverhalten.

Gegen Jessica Moretti wird wegen mehrerer mutmaßlicher Straftaten, darunter fahrlässige Tötung, ermittelt. Ein Schweizer Gericht verhängte zuletzt ein Reiseverbot und ordnete eine tägliche Meldepflicht bei der Polizei an. Jacques Moretti befindet sich für mindestens drei Monate in Untersuchungshaft. Den beiden drohen im Fall einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Haft.