43.000 Euro weg: Falscher Bankmitarbeiter räumt Konto leer
Erneut erschüttert ein schwerer Betrugsfall Niederösterreich. Eine 53-Jährige verlor nach einem gefälschten Bankanruf mehr als 43.000 Euro. Der Vorfall reiht sich in eine Serie organisierter Betrugsfälle ein, die zuletzt immer häufiger auftreten.
Nach Angaben der Polizei erhielt die Frau im März des Vorjahres einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein Mann, der sich als Mitarbeiter ihrer Bank ausgab.
Was folgte, war ein Telefonat von außergewöhnlicher Dauer: Rund acht Stunden blieb der Kontakt aufrecht. Der Anrufer schilderte ein angebliches Sicherheitsproblem – das Konto sei gehackt worden, schnelles Handeln sei notwendig.
Im Verlauf des Gesprächs überzeugte der mutmaßliche Betrüger die Frau, eine Fernwartungssoftware auf ihrem Smartphone zu installieren. In der Folge übermittelte sie ihm ihre Kontodaten sowie die zugehörigen PIN-Codes.
„Wiederherstellungsprozess“ als Vorwand
Nachdem die sensiblen Informationen preisgegeben worden waren, ließ der Täter die Banking-App vom Mobiltelefon löschen – angeblich Teil eines notwendigen „Wiederherstellungsprozesses“.
Darüber hinaus wurde die Frau angewiesen, ihre Bankomatkarten samt zugehörigen Daten in ein Kuvert zu legen. Dieses wurde wenig später von einer bislang unbekannten Person abgeholt.
Erst ein Anruf bei der offiziellen Service-Hotline ihrer Bank brachte Gewissheit: Die 53-Jährige war Opfer eines Betrugs geworden.
Sieben Behebungen, eine Auslandsüberweisung
Insgesamt wurden in kurzer Zeit sieben Bargeldabhebungen durchgeführt sowie eine Überweisung ins Ausland veranlasst. Der Gesamtschaden beläuft sich auf mehr als 43.000 Euro.
Ermittlungen führten schließlich zu einem 22-jährigen Niederländer, der sich in Spanien aufhielt. Ihm wird vorgeworfen, den Anruf initiiert, die Geldabhebungen organisiert sowie die Überweisung veranlasst zu haben. Er wurde in Spanien festgenommen.
Wiederholte Betrugsfälle im Bundesland
Der aktuelle Fall ist kein Einzelfall. Erst im Dezember des vergangenen Jahres nahm das Landeskriminalamt Niederösterreich eine 21-jährige Slowakin fest, die Teil einer mutmaßlichen Betrugsorganisation gewesen sein soll.
Die Frau steht im Verdacht, ältere Menschen getäuscht zu haben, indem sie vorgab, ein Angehöriger sei in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt gewesen und müsse gegen Zahlung einer hohen Kaution vor einer Verhaftung bewahrt werden.
Nach Angaben der Ermittler holte die 21-Jährige Mitte Oktober in Wien Bargeld, Gold und Schmuck von einer Betroffenen ab. Die Täter sollen sich dabei als Polizisten oder Staatsanwälte ausgegeben haben. Ende Oktober wurde die Verdächtige in Deutschland auf frischer Tat ertappt und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft in München.
Warnung der Polizei
Angesichts der wiederholten Vorfälle betonen die Ermittlungsbehörden, dass echte Polizisten oder Bankmitarbeiter niemals Bargeld, Schmuck oder Bankkarten abholen würden. Ebenso würden keine sensiblen Daten wie PIN-Codes telefonisch abgefragt.
Unbekannte Anrufe mit dramatischen Schilderungen sollten stets kritisch hinterfragt werden. Die Polizei rät, in solchen Situationen umgehend offizielle Kontaktstellen zu wählen oder Rücksprache mit Angehörigen zu halten.
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