Mehr als 50 Jahre nach der letzten Mondmission beginnt für die NASA mit „Artemis II” ein neues Kapitel. Erstmals seit Apollo schickt die US-Raumfahrtbehörde wieder eine Crew in Richtung Mond. Der Start ist für die Nacht auf Donnerstag um 0:24 Uhr geplant. Die vier Astronauten sollen den Erdtrabanten umrunden und nach rund zehn Tagen zur Erde zurückkehren. Die Mission gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu späteren Mondlandungen.

Vierköpfige Crew schreibt Geschichte

An Bord des Orion-Raumschiffs befindet sich eine international besetzte Crew, die bereits vor dem Start Geschichte schreibt. Die Mission wird von der leistungsstarken Rakete „Space Launch System“ (SLS) ins All gebracht.

Kommandant ist der 50-jährige US-Amerikaner Reid Wiseman, ein erfahrener Astronaut und ehemaliger Navy-Pilot. Als Pilot begleitet ihn Victor Glover (49, USA). Christina Koch (47, USA) ist als Missionsspezialistin an Bord und wird als erste Frau den Mond aus nächster Nähe sehen. Das Team wird durch Jeremy Hansen (50) aus Kanada ergänzt.

Entscheidender Test für künftige Mondlandungen

Die Artemis II soll nicht auf dem Mond landen – das ist erst für spätere Missionen geplant. Dennoch gilt der Flug als wichtiger Meilenstein. Die Crew wird zentrale Systeme testen und erstmals seit Apollo 17 im Jahr 1972 die erdnahe Umlaufbahn verlassen.

Geplant ist auch ein Flug bis zu 9.200 Kilometer hinter den Mond, was die bisher weiteste jemals von einem Menschen zurückgelegte Distanz wäre. Damit liefert die Mission wichtige Daten für zukünftige bemannte Flüge.

Extreme Belastung für die Astronauten

Der Flug stellt enorme körperliche Herausforderungen an die Crew. Ohne den Schutz der Erdatmosphäre sind die Astronauten kosmischer Strahlung ausgesetzt. Schwerelosigkeit kann zu Muskel- und Knochenabbau führen. Zudem verändern sich die Körperflüssigkeiten, was sich wiederum auf die Augen und das Sehvermögen auswirken kann. Auch Herz, Kreislauf und Immunsystem werden stark beansprucht. Hinzu kommen Schlafmangel, Enge und Isolation während der rund zehn Tage dauernden Mission.

Besonders kritisch ist der Rückflug: Das Raumschiff tritt mit bis zu 40.000 km/h in die Erdatmosphäre ein, bevor die Kapsel vor der Küste Kaliforniens per Fallschirm landen soll.