Vor allem im Burgenland zeigt sich die Entwicklung besonders deutlich. Dort wird seit geraumer Zeit intensiv darüber diskutiert, warum immer weniger Ärzte bereit sind, einen Kassenvertrag anzunehmen.

Sinkende Attraktivität der Kassenordination

Für viele junge Mediziner ist die klassische Kassenpraxis immer weniger attraktiv. Gründe dafür sehen viele Ärzte vor allem in den Rahmenbedingungen des Systems. Honorare gelten als begrenzt, gleichzeitig steigt der organisatorische Aufwand.

Die Eisenstädter Frauenärztin Andrea List sieht darin einen zentralen Faktor für die zunehmenden Besetzungsprobleme: „Weil die Niederlassung nicht besonders interessant ist in diesen Zeiten. Wir haben die Honorare gedeckelt, je mehr Patienten wir machen, umso weniger wird es honoriert und insgesamt ist es für junge Kollegen nicht besonders interessant, in die Niederlassung zu gehen“, erklärte sie gegenüber dem ORF.

Für Patienten hat diese Entwicklung spürbare Konsequenzen. Wer einen Termin benötigt, muss häufig deutlich länger warten – oder eben auf private Angebote ausweichen.

Besonders große Lücken bei Fachärzten

Die Versorgungslage ist in manchen medizinischen Fachrichtungen besonders angespannt. Bei Frauenärzten stehen derzeit rund 15 Prozent der Kassenpraxen leer. Noch deutlicher ist die Situation in der Dermatologie: Hier sind etwa 30 Prozent der Stellen unbesetzt.

Die Folgen zeigen sich vor allem in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte. Dort kann es passieren, dass Patienten weite Wege in Kauf nehmen müssen, um überhaupt einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen.

Stellen werden immer wieder ausgeschrieben – ohne Erfolg

Wie schwierig die Suche nach Nachfolgern inzwischen geworden ist, zeigt ein besonders drastisches Beispiel aus dem Burgenland. In Neusiedl am See wurde eine dermatologische Kassenstelle bereits 55 Mal ausgeschrieben, ohne dass sich ein geeigneter Bewerber gefunden hätte.

Der Direktor der burgenländischen Ärztekammer, Thomas Bauer, spricht gegenüber der Krone Zeitung von einem „traurigen Rekord“. Doch Einzelfälle sind das längst nicht mehr.

Auch in Lackenbach im Bezirk Oberpullendorf sucht die Gemeinde seit Jahren nach einem Hausarzt. Die Praxis wurde mittlerweile 22 Mal ausgeschrieben – bislang ohne Erfolg.

Jede vierzehnte Kassenpraxis steht leer

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems. Von 246 Kassenarztstellen im Burgenland sind derzeit 17 nicht besetzt (Stand: Januar 2026).

Um dennoch eine medizinische Versorgung sicherzustellen, greifen Behörden und Ärztekammer zunehmend auf Übergangslösungen zurück. Dazu zählen etwa angestellte Ärzte, Gruppenpraxen oder Vertretungsmodelle. Momentan arbeiten im Bundesland 16 angestellte Ärzte, zusätzlich bestehen zwölf Gruppenpraxen.