Alarmierende Zahlen: Immer mehr Frauen Opfer von Genitalverstümmelung
Die Zahl der Frauen, die weltweit Opfer weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) werden, steigt alarmierend. Laut Hilfsorganisationen sind inzwischen rund 230 Millionen Frauen betroffen – etwa 30 Millionen mehr als noch vor einem Jahrzehnt.
Besonders besorgniserregend: Immer häufiger führen medizinische Fachkräfte die Eingriffe durch. Nach Angaben der WHO geschieht dies mittlerweile bei jeder vierten Genitalverstümmelung. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) warnte am Donnerstag in Hannover vor dieser zunehmenden „Medikalisierung“ eines schweren Menschenrechtsverstoßes. In der jüngsten Vergangenheit äußerte zudem eine Gruppe an Forschern die fragwürdige Forderung, den Begriff „Verstümmelung“ mit „Praxis“ zu ersetzen.
Diese sogenannte Medikalisierung berge die Gefahr, dass die Praxis gesellschaftlich akzeptiert werde, warnte die DSW zum Welttag gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar. Der Schaden für die Betroffenen sei unabhängig davon, wer den Eingriff vornimmt. Studien deuteten sogar darauf hin, dass medizinisch durchgeführte Verstümmelungen zu schwereren Verletzungen führen könnten.
600.000 Frauen und Mädchen in Europa betroffen
Einer aktuellen Analyse des Netzwerks “End FGM” zufolge ist weibliche Genitalverstümmelung mittlerweile in mindestens 94 Ländern dokumentiert. Nur 58 Staaten verfügten aber über Gesetze, die die Praxis ausdrücklich verbieten. Auch in Europa lebten rund 600.000 Mädchen und Frauen mit verstümmelten Genitalien.
Weibliche Genitalverstümmelung wird laut der Stiftung meist an Mädchen vor der Pubertät vorgenommen und umfasst verschiedene Eingriffe an den äußeren Genitalien ohne medizinische Indikation. Zu den möglichen Folgen zählen unter anderem Schmerzen, Infektionen, Komplikationen bei Geburten sowie psychische Traumata. Viele der gesundheitlichen Schäden blieben lebenslang, hieß es.
Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, weibliche Genitalverstümmelung bis 2030 zu beenden. Nach Einschätzung der DSW ist dieses Ziel jedoch in Gefahr. Derzeit seien jährlich rund 4,4 Millionen Mädchen von dem Eingriff bedroht; ohne zusätzliche Anstrengungen könne die Zahl weiter steigen. Präventionsprogramme seien chronisch unterfinanziert. Nach dem Rückzug der USA aus entsprechenden UN-Institutionen seien andere Staaten besonders gefordert, so die Stiftung; darunter auch Deutschland.
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