„Als wäre Scheitern das Ziel“: Energiechef rechnet mit Europas Energiewende ab
Der Gründer und Geschäftsführer des britischen Energieversorgers Octopus Energy, Greg Jackson, übt scharfe Kritik an der europäischen Energiepolitik. Besonders Deutschland steht für ihn sinnbildlich für eine Energiewende, die durch politische Fehlentscheidungen, Lobbyeinflüsse und fehlende Reformen unnötig teuer geworden sei.
Im Gespräch mit dem Sender ntv wirft Jackson Regierungen und Industrie vor, an überholten Marktstrukturen festzuhalten. Statt erneuerbare Energien konsequent preisdämpfend zu nutzen, würden sie in bestehende Systeme gezwungen, die für fossile Energieträger geschaffen wurden. Das Ergebnis seien hohe Strompreise und wachsende Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung – berichtet Apollo News.
Zu viel Fokus auf Strommix – zu wenig Blick aufs Gesamtsystem
Jackson kritisiert insbesondere die Fixierung der deutschen Debatte auf den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix. Strom mache nur einen Teil des gesamten Energieverbrauchs aus. Wer allein diesen Bereich „begrüne“, ohne das Gesamtsystem zu reformieren, riskiere steigende Kosten. Entscheidend sei nicht die Menge erneuerbarer Energie, sondern deren intelligente Einbindung.
Auch den europäischen Strommarkt hält Jackson für grundlegend reformbedürftig. Erneuerbare Energien könnten Preise senken, würden aber falsch eingesetzt. Anlagen entstünden oft an ungünstigen Standorten, was einen teuren Netzausbau notwendig mache. Die Kosten trügen am Ende die Verbraucher.
Lobbyinteressen statt langfristiger Strategie
Besonders deutlich wird Jackson beim Thema Lobbyismus. Etablierte Akteure aus der fossilen Industrie und der klassischen Energiewirtschaft hätten großen Einfluss auf politische Entscheidungen. Deutschland nennt er als Beispiel: Die Abhängigkeit von russischem Gas und der Atomausstieg seien weniger Ergebnis langfristiger Strategien als Folge politischer und wirtschaftlicher Interessen. Die finanziellen Folgen dieser Entscheidungen würden letztlich von Steuerzahlern und Konsumenten getragen.
Als Gegenbeispiele verweist Jackson auf Länder außerhalb Europas. China habe frühzeitig auf Elektromobilität und erneuerbare Technologien gesetzt und sei heute führend in deren Produktion. Auch Staaten im Nahen Osten investierten massiv in saubere Energie, während Europa an alten Marktregeln festhalte.
Jackson warnt vor den langfristigen Folgen. Europa habe bereits Milliarden aufbringen müssen, um hohe Energiepreise abzufedern. An den geopolitischen Risiken habe sich wenig geändert. Investitionen in erneuerbare Energien und Speicher könnten hingegen langfristige Versorgungssicherheit bringen. Sinkende Strompreise seien technisch möglich, würden jedoch durch Abgaben, Steuern und Netzentgelte verhindert.
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