Angler in Aufruhr: Fische ersticken im Eis
In der kalten Jahreszeit beginnt unter der Wasseroberfläche ein stiller Überlebenskampf. Durch den anhaltenden Frost geraten Fische in vielen Gewässern in akute Lebensgefahr. Experten schlagen Alarm.
Unter dicken Eisdecken geraten Fische durch Sauerstoffmangel zunehmend in Lebensgefahr.GETTYIMAGES/Kristine Radkovska
Wie die BILD berichtet, beschäftigt dieses Thema Angler und Naturschützer schon seit Wochen. Der extreme Winter mit Dauerfrost setzt den Fischen massiv zu. Besonders in Deutschland, wo der Frost seit November 2025 anhält, mehren sich die alarmierenden Berichte. Trotz erstaunlicher Überlebensstrategien sterben unter meterdicken Eis- und Schneeschichten immer mehr Wasserbewohner.
Überlebenskünstler am Limit
Beim Anglerverband Niedersachsen (AVN) melden sich derzeit immer mehr Vereine mit besorgniserregenden Beobachtungen. Unter den Eisdecken werden vermehrt tote Fische entdeckt. Dabei verfügen viele Fischarten über beeindruckende Anpassungen an den Winter.
Ein Sprecher des AVN erklärt: „Karpfen und Schleien reduzieren ihre Körperfunktionen auf ein Minimum und warten fast regungslos in tiefen Regionen der Gewässer auf wärmere Tage.“ Besonders bemerkenswert sind Karauschen, deren Blut eine Art Frostschutz enthält. Dadurch können sie sogar ein kurzfristiges Einfrieren in Tümpeln, Teichen oder Seen überstehen.
Sauerstoffmangel wird zur tödlichen Falle
Doch selbst diese Überlebenskünstler werden durch den lang anhaltenden Frost an ihre Grenzen gebracht. Eine geschlossene Eis- und Schneedecke blockiert den Lichteinfall und verhindert so die Sauerstoffproduktion durch Wasserpflanzen. Gleichzeitig verbrauchen Tiere und Pflanzen unter dem Eis weiterhin Sauerstoff.
Messungen des AVN ergaben Werte von teilweise unter einem Milligramm Sauerstoff pro Liter, was einen lebensgefährlichen Zustand darstellt. AVN-Sprecher Florian Möllers warnt: „Das kann überall passieren, wo Gewässer unter Dauerfrost stehen, das ist ein bundesweites Problem und natürlich nicht nur auf Niedersachsen begrenzt.“
AVN-Biologe Andreas Maday nennt klare Warnsignale: „Typische Warnzeichen für akute Sauerstoffdefizite sind Fische, die sich im Bereich von Eisöffnungen sammeln und dort nach Luft schnappen.“ Bereits verendete Tiere unter dem Eis seien ein eindeutiges Alarmsignal.
Angler schlagen Löcher fürs Überleben
Um gegenzusteuern, greifen derzeit viele Angler selbst ein. „Kleine Öffnungen in der Eisdecke ermöglichen den Gasaustausch mit der Atmosphäre“, erklärt Maday. Mehrere kleine Löcher seien dabei besser als ein großes. Wenn Wind über das Eis streift, wird zusätzlicher Sauerstoff ins Wasser transportiert.
Gleichzeitig mahnt der Experte zur Vorsicht: „Fische hören Lärm und spüren Erschütterungen.“ Intensive Aktivitäten auf dem Eis erhöhen den Stress der ohnehin geschwächten Tiere – und damit ihren Sauerstoffbedarf. Selbst harmloses Schlittschuhlaufen kann für die Fische problematisch werden.
Kommentare