ARD & Lena Schilling: So machen sie aus Fukushima den großen Atom-Mythos
Aus Tsunami-Toten werden Atomopfer, aus einem schweren Reaktorunfall ein globales Schreckbild: 15 Jahre nach Fukushima werden die Fakten noch immer verbogen, um aus einem Unglück eine Anti-Atom-Erzählung zu zimmern. Heuer lieferte ein ARD-Sender die Steilvorlage – und Grünen-Politikerin Lena Schilling legte nach.
Lena Schilling vorne, Leonore Gewessler dahinter: Fukushima bleibt für die Grünen das Anti-Atom-Symbol.APA/HANS KLAUS TECHT
20.000 Tote – und plötzlich sollen sie Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima sein. Genau diesen Eindruck erweckte ein ARD-Sender zum Jahrestag des Unglücks. Der Bayerische Rundfunk machte aus den Opfern des Tsunamis kurzerhand „Tote der Atomkatastrophe“ – und lieferte damit ein Paradebeispiel dafür, wie aus Fukushima bis heute ein politischer Mythos gezimmert wird.
ARD: Wie aus Tsunami-Toten Atomopfer wurden
Auf der Website BR24 schrieb der Bayerische Rundfunk: „Japan gedenkt Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima: Landesweit legten die Menschen Blumen und Kränze für die rund 20.000 Toten nieder.“
Die Formulierung suggerierte, die 20.000 Todesopfer seien Folgen der Atomkatastrophe. Tatsächlich starben diese Menschen beim Tsunami, der am 11. März 2011 nach einem gewaltigen Seebeben über Japans Nordostküste hinwegfegte. Erst im weiteren Text wurde korrekt erklärt, dass die Flutwelle das Atomkraftwerk Fukushima beschädigte. Nach Kritik korrigierte der BR die Passage und räumte ein, die Formulierung sei „missverständlich“ gewesen.
Was bei Fukushima wirklich geschah
Unbestritten ist: Die Havarie im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi war ein schwerer Reaktorunfall. Mehrere Reaktoren verloren ihre Kühlung, es kam zu Kernschmelzen, und große Gebiete wurden vorsorglich evakuiert.
Doch internationale Untersuchungen zeichnen ein deutlich nüchterneres Bild der gesundheitlichen Folgen: keine akuten Strahlentoten, keine Fälle von Strahlenkrankheit in der Bevölkerung, später ein offiziell anerkannter strahlenbedingter Todesfall eines Arbeiters – der einzige.
Auch langfristig erwarten internationale Experten keinen messbaren Anstieg von Krebsfällen durch die Strahlenbelastung. Die größten Folgen der Katastrophe waren vielmehr sozial und wirtschaftlich: Rund 160.000 Menschen mussten zeitweise ihre Heimat verlassen. Viele starben später indirekt an den Folgen der Evakuierung – etwa durch Stress, Krankheit oder mangelnde Versorgung.
Lena Schilling: „Millionen Menschen verloren ihr Zuhause“
Auch Lena Schilling machte den Fukushima-Jahrestag zur Bühne für Anti-Atom-Rhetorik. „Atomkraft ist keine Antwort auf die Energie- und Klimakrise. Sie ist riskant, extrem teuer und viel zu langsam“, erklärte die grüne EU-Abgeordnete in einer Aussendung.
Dann legte sie noch kräftig nach: „Diese Reaktorkatastrophe hat Millionen Menschen ihr Zuhause genommen und ganze Regionen auf Jahrzehnte unbewohnbar gemacht.“
Die Fakten sehen anders aus
Wie die Grünen-Politikerin auf diese Zahlen kommt, bleibt schleierhaft. Nicht Millionen, sondern rund 160.000 Menschen mussten damals ihre Häuser verlassen. Ein Teil von ihnen kehrte später zurück.
Und auch Schillings Behauptung von den „ganzen Regionen“ hält den Fakten nicht stand: Langfristig betroffen waren einzelne besonders belastete Zonen, nicht ganze Landstriche auf unabsehbare Zeit. Viele Sperrgebiete wurden mittlerweile wieder freigegeben. Große Teile der früheren Evakuierungszone sind heute wieder zugänglich.
Schillings Wortwahl zeigt damit ziemlich genau, wie aus einem schweren Reaktorunfall ein politisch nützliches Schreckbild gemacht wird.
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