Das Artemis-Programm wurde während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ins Leben gerufen. Das Ziel besteht darin, eine dauerhafte Präsenz von Menschen auf dem Mond zu etablieren und später Missionen zum viel weiter entfernten Mars vorzubereiten. Bei der Mission Artemis 1 umrundete 2022 ein unbemanntes Raumschiff den Mond. Die Folgemission Artemis 2 soll drei Astronauten und eine Astronautin in eine Mond-Umlaufbahn bringen. Nach derzeitigem Stand ist für das Jahr 2028 eine Mondlandung geplant.

Im Gegensatz zu den Apollo-Missionen zwischen 1969 und 1972 arbeitet die NASA dieses Mal mit der Privatwirtschaft sowie mit anderen Ländern, vor allem in Europa, zusammen. So wurden die Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin der US-Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos von der NASA etwa mit der Entwicklung von Mondlandefähren beauftragt.

Riesenrakete fungiert als Träger

Als Trägerrakete für die Orion-Kapsel soll die Riesenrakete SLS zum Einsatz kommen, die im Auftrag der NASA entwickelt wurde. Die 98 Meter hohe Rakete steht auf der Startrampe im Kennedy Space Center in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida bereit. Aufgrund der komplexen Flugbahn kann die Rakete nur in bestimmten Zeitfenstern starten.

Nach dem Start fliegt die Crew nicht direkt zum Mond: Die SLS-Rakete wird die Orion-Kapsel zunächst in die Erdumlaufbahn bringen. Dort soll die Crew verschiedene Tests durchführen, um sicherzustellen, dass das Raumschiff, das bisher noch nie mit Besatzung geflogen ist, für die Reise zum Mond bereit ist. Geplant ist beispielsweise, die manuelle Steuerung des Raumschiffs zu testen.

Anschließend soll die Kapsel die Erdumlaufbahn verlassen und Kurs auf den Mond nehmen. Auf dem Weg dorthin soll die Crew weitere Tests und Experimente durchführen. Wenn die Kapsel den Mond umrundet und sich auf dessen Rückseite befindet, wird der Kontakt zur Bodenkontrolle für kurze Zeit unterbrochen sein. Die Crew wird dann weiter von der Erde entfernt sein als die Besatzung der spektakulär gescheiterten Mondmission Apollo 13, die bisher diesen Rekord hielt.

Möglicher Landeplatz soll erkundet werden

Bei der Mondumrundung soll die Crew auch einen möglichen Landeplatz für die Mission „Artemis 4” erkunden. Die NASA plant eine Landung am Südpol des Mondes, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist.

Der Rückflug zur Erde soll dann über eine sogenannte freie Rückkehrbahn erfolgen. Dabei wird das Raumschiff allein durch die Mondschwerkraft und ohne zusätzlichen Antrieb wieder auf Kurs zur Erde gebracht. Nach drei bis vier Tagen steht der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre an – einer der gefährlichsten Momente der gesamten Mission.

Bei der Generalprobe für die Mondumrundung, der unbemannten Mission Artemis 1, gab es unerwartete Probleme. Der Hitzeschild des Raumschiffs wurde stark beschädigt. Die NASA hat die Flugbahn nun angepasst, um die Kapsel einer weniger extremen Belastung auszusetzen. Nach dem Wiedereintritt soll das Raumschiff mithilfe von Fallschirmen weiter abgebremst werden und vor der Küste Kaliforniens im Pazifik aufsetzen.

Technologie aus Europa und Österreich fliegt mit

Mit Artemis 2 fliegt auch Technologie aus Europa und Österreich zum und rund um den Mond. So hat die Firma Magna aus Graz Hochdruckleitungen für die Flüssigtanks der Rakete geliefert. An die Unterseite der „Orion“-Kapsel ist das „European Service Modul“ (ESM) angedockt, das von der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) bereitgestellt wird. Das ESM liefert den Hauptantrieb der Kapsel und stellt Energie bereit. Zudem sind darin Treibstoff, Wasser, Sauerstoff und Stickstoff gespeichert. Es ist also das essenzielle Modul für die lebenserhaltenden Systeme.

Als „zentrales Nervensystem“ von „Orion“ und dem ESM verbindet das vom Wiener Hightech-Unternehmen TTTech entwickelte „TTEthernet-Netzwerk“ zahlreiche Sensoren, Computer und antriebstechnische Bauteile (Aktuatoren) miteinander. Dieses Gesamtsystem ist für verschiedene sicherheitskritische Funktionen wie Flugsteuerung oder Lebenserhaltungssysteme zuständig. Über das Netzwerk können aber auch nicht-kritische Aufgaben wie die Videokommunikation abgewickelt werden, wie TTTech mitteilte. Messsysteme des steirischen Messtechnikherstellers Dewetron spielen unter anderem bei der Datenerfassung und Echtzeitüberwachung der Mission eine Rolle, um Daten über die Startumgebung aufzuzeichnen. Auch Johanneum Research aus Graz war bereits mit Technologie und Know-how am Artemis-Programm beteiligt.