Asbest, Angst, Aufstand: 1.000 Briten protestieren gegen Migrantenlager
540 männliche Asylwerber sollen in eine alte Militärkaserne ziehen – trotz Asbest, Bleifarbe und Sicherheitsbedenken. In Crowborough im Südosten Englands eskaliert der Protest. Bürger klagen – die Regierung macht weiter.
Crowborough (England): Anrainer protestieren gegen die geplante Unterbringung von 540 männlichen Asylwerbern in einer Militärkaserne.GETTYIMAGES/Ben Montgomery
Die Stimmung ist hochexplosiv. Bilder zeigen rund 1.000 Einwohner, die durch eisige Straßen marschienen, zum neunten Sonntag in Folge. Ihr Ziel: den Widerstand gegen ein Migrationsprojekt sichtbar machen, das ihre Stadt spaltet – und überfordert.
540 Männer sollen einziehen – schon in diesen Wochen
Konkret geht es um 540 männliche Asylwerber, die bereits im Jänner in eine ehemalige Militäranlage einziehen sollen. Die britische Regierung will damit Hotels entlasten und Migranten stattdessen in Kasernen unterbringen. Für viele Bewohner ist das kein „Plan“, sondern ein Diktat von oben.
Crowborough SAY NO MORE! pic.twitter.com/Jq2FNtNVwT
— Right not left Reggie (@reggieboyyyyy) January 3, 2026
Die Stimmung in Crowborough kocht: Die Stadt ist keine Metropole, sondern eine Kleinstadt in East Sussex – mit rund 21.500 Einwohnern. 540 zusätzliche Bewohner auf einen Schlag bedeuten hier nicht „ein bisschen mehr Betrieb“, sondern eine spürbare Verschiebung der Verhältnisse: rein rechnerisch entspricht das etwa einem neuen Bewohner pro 40 Einheimische – noch dazu konzentriert an einem einzigen Standort.
„Unbewohnbar“: Asbest, Bleifarbe, Legionellen
Die Vorwürfe sind heftig – und sie betreffen Gesundheit und Sicherheit: Asbest, Bleifarbe, sogar Legionellen sollen ein Thema sein. Bürgervertreter sprechen von einer Unterbringung, die weder für Anrainer noch für Migranten verantwortbar sei. „Das ist nicht human – für niemanden“, lautet die zentrale Botschaft der Proteste.
Another well organised protest attended in #crowborough The people say NO @ukhomeoffice @ShabanaMahmood @reformparty_uk pic.twitter.com/9sI6kfSEss
— Reform UK - Sussex Weald (@Reformssxweald) January 4, 2026
Klage, Spenden, Polizeiaufgebot: Die Stadt wehrt sich
Weil viele sich übergangen fühlen, geht Crowborough inzwischen juristisch gegen die Pläne vor. Eine Bürgerinitiative sammelte über 87.000 Pfund für Anwälte, der lokale Gemeinderat unterstützt eine gerichtliche Überprüfung. Bei den Märschen sind regelmäßig Polizisten samt Videoeinheit im Einsatz, nach Zwischenfällen gab es sogar eine Festnahme.
Wie die Daily Mail berichtet, installieren manche Bewohner mittlerweile Panikalarme aus Sorge um die Sicherheit.
Crowborough
— 🇬🇧TheFeralWitch (@TheFeralWitchy) January 4, 2026
A town of 22,000. Thousands turning out peacefully for 10 weeks, yet STILL ignored by the government 🤬
I’ve spoken publicly only twice before, both times in Crowborough for the @pinkladies_uk
For that Searchlight magazine targeted me — and doxxed me 🤬
This is… pic.twitter.com/BPplSZOOj1
Spaltung im Ort: „Habt ein Herz!“ vs. „Wir werden überrollt“
Natürlich gibt es Gegenstimmen: Einige Anwohner rufen den Demonstranten „Habt ein Herz!“ zu, andere werfen den Organisatoren Angstmacherei oder Vorurteile vor. Doch der Kern des Konflikts liegt tiefer: Es geht um Vertrauen, um Transparenz – und um die Frage, wie Regierungen Migration organisieren können, ohne Städte und Gemeinden zu überfordern.
Das Innenministerium entschuldigte sich zwar für die schlechte Kommunikation – am Projekt hält es dennoch fest. Das Ziel bleibt: weniger Hotels, mehr Kasernen.
Crowborough zeigt, wie schnell Migration zur Zündschnur wird, wenn Menschen das Gefühl haben, dass Politik sie nicht einbindet, nicht ernst nimmt – und einfach durchregiert.
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