Ziel ist es zudem, ihre Wanderbewegungen zu verstehen  und damit jene Korridore zu sichern, die im Zuge der europäischen Renaturierungspläne immer wichtiger werden.

Vorsicht statt Fangnetz

Die Ausgangslage war heikel. Zwar konnten im Park bereits mehrere weibliche Wildkatzen nachgewiesen werden, doch die Tiere gelten als extrem sensibel. Ein Einfangen für wissenschaftliche Zwecke hätte ein unnötiges Risiko bedeutet. Die Lösung kam aus Frankreich: Aus einer Auffangstation im Juragebirge wurden ein Männchen und ein Weibchen übernommen – Tiere, die häufig irrtümlich als Hauskatzen gefunden werden und sich später als deutlich zu wild für ein Leben beim Menschen erweisen.

Sanfte Eingewöhnung im Schutzgebiet

Bevor die beiden Katzen ihre Freiheit zurückerhielten, verbrachten sie Zeit in einem abgeschirmten Gehege innerhalb einer Ruhezone. Diese Phase diente der Anpassung an Klima, Gerüche und Landschaft und gab den Forschern Gelegenheit, den Gesundheitszustand genau zu beobachten. Erst danach begann der eigentliche Kern der Studie.

Zwei Sender, zwei Perspektiven

Um möglichst unterschiedliche Bewegungsmuster zu erfassen, erhielten die Tiere verschiedene Ortungssysteme. Das Männchen trägt ein Halsband, das mehrmals täglich Positionsdaten via Mobilfunk übermittelt. Beim Weibchen speichert ein Sender die Standorte in kurzen Abständen, gibt sie jedoch nur bei direkter Annäherung preis.

Unterschiedliche Wege, gemeinsame Erkenntnisse

Schon nach kurzer Zeit zeichnete sich ein klares Bild ab. Während das Weibchen überwiegend in einem begrenzten Areal blieb, erkundete das Männchen weite Teile des Parks. Sein Schwerpunkt liegt im westlichen Abschnitt nahe der tschechischen Grenze, wo offenbar ausreichend Nahrung und Rückzugsräume vorhanden sind. Auffällig waren jedoch auch Bereiche, an denen die Bewegungen abrupt endeten – Hinweise auf Barrieren im Landschaftsgefüge.

Von der Wiederentdeckung zur Vernetzung

Dass diese Arbeit heute möglich ist, verdankt sich einer überraschenden Entdeckung aus der Vergangenheit: 2007 wurde die Wildkatze im Thayatal erstmals wieder nachgewiesen– ein Ereignis, das die Forschung in ganz Österreich belebte. Seither wurden zahlreiche genetische und fotografische Belege gesammelt. Jüngste Analysen weisen sogar Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Tieren aus dem Thayatal und der Wachau nach. Ein starkes Indiz dafür, dass bestehende Wanderachsen genutzt werden