Es ist genau jener brandgefährliche Trend, vor dem Österreichs erste Geheimdienst-Chefin eindringlich gewarnt hatte: Radikalisierung im Jugendzimmer, getrieben von Online-Propaganda, Hasspredigern und IS-Influencern. Nun bestätigt ein spektakulärer Fall diese Entwicklung auf dramatische Weise. Ein in Österreich geborener Austro-Tschetschene plante laut Krone ein Bombenattentat auf die israelische Botschaft in Berlin, das in letzter Minute verhindert werden konnte.

Terror-Alarm: Der nächste jugendliche IS-Fanatiker

Der Fall reiht sich nahtlos in eine besorgniserregende Statistik ein. DSN-Direktorin Sylvia Mayer hat bereits darauf hingewiesen, dass sich der Tatort Terror zunehmend ins Kinder- und Jugendzimmer verlagert. Allein im Jahr 2024 war fast jeder zweite Terrorverdächtige in Österreich unter 18 Jahre alt. Der sogenannte „Islamische Staat” verzeichnet seit dem Angriff der Hamas auf Israel vor mehr als zwei Jahren wieder wachsenden Zulauf – auch über TikTok-Hassprediger und radikale Influencer.

Nun steht ein konkreter Name im Raum: Ahmad E., ein in Österreich geborener Tschetschene, der mehrere Jahre hier lebte und zuletzt mit seiner Mutter, zwei Brüdern und einer Schwester in einer Flüchtlingsunterkunft in Potsdam wohnte. Vor dem Kammergericht in Berlin musste sich der junge Mann wegen des Planens eines Terroranschlags verantworten.

IS-Treueschwur und Bombenpläne aus dem Internet

Laut Anklage soll der damals 18-Jährige spätestens ab Februar 2025 nach einem Treueschwur gegenüber dem IS einen Anschlag auf die israelische Botschaft in der deutschen Millionenmetropole geplant haben. Sein Ziel war es, ein Blutbad anzurichten und möglichst viele „Ungläubige“ zu töten.

Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass Ahmad E. entweder mit einer selbstgebastelten Briefbombe oder einem Messer zuschlagen wollte. Die Bauanleitung für den Sprengsatz besorgte er sich im Internet. Am Ende scheiterte der Plan jedoch nicht am Willen, sondern an der Technik: Der junge Islamist konnte keinen Sprengstoff beschaffen.

Fluchtplan nach Saudi-Arabien scheitert am Flughafen

Nach dem Fehlschlag wollte der 18-Jährige Europa den Rücken kehren. Sein neuer Plan war es, nach Saudi-Arabien zu fliehen, um sich dort der radikal-islamistischen Terrororganisation als Kämpfer anzuschließen. Um die Reise zu finanzieren, schloss er zwei Mobilfunkverträge ab, verkaufte die dazugehörigen Handys und nutzte diese zuvor, um über Messenger-Dienste mit IS-Anhängern zu chatten.

Doch auch dieser Plan ging nicht auf. Am Flughafen Berlin-Brandenburg wurde Ahmad E. gestoppt und festgenommen – kurz bevor er Deutschland verlassen konnte.

Reue vor Gericht – doch der Richter bleibt skeptisch

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte reumütig und geläutert. Er gab an, dass seine Radikalisierung während eines mehrmonatigen Aufenthalts bei seinem Vater in Tschetschenien begonnen habe. Aus Hass auf Russland habe er sich dem IS zugewandt. Auslöser hierfür sei eine persönliche Krise gewesen, die von Orientierungs- und Perspektivlosigkeit geprägt war.

Einen konkret geplanten Anschlag bestritt der inzwischen 19-Jährige jedoch energisch. Ihm sei lediglich um Anerkennung innerhalb der IS-Szene gegangen. Der Richter sah das anders und stellte eine hohe Empathielosigkeit beim Angeklagten fest.

Aufgrund einer festgestellten „Reifeverzögerung“ wurde der zur Tatzeit noch 18-Jährige schließlich zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt, unter anderem wegen einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.