Das Wichtigste zuerst: In Österreich ist Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel. Ein ausdrücklich in der Bundesverfassung verankertes Recht auf Barzahlung besteht derzeit jedoch nicht. Bundeskanzler Karl Nehammer hat 2023 angekündigt, Bargeld in der Verfassung absichern zu wollen, eine entsprechende Verfassungsänderung wurde bislang jedoch nicht beschlossen. Geschäfte dürfen Bargeld nicht beliebig ablehnen.

Die Oesterreichische Nationalbank garantiert: Euro-Banknoten sind gesetzliches Zahlungsmittel und grundsätzlich unbeschränkt anzunehmen. Bei Münzen gilt allerdings eine Annahmegrenze (in der Regel maximal 50 Stück pro Zahlung). Niemand kann Sie zwingen, digital zu zahlen. Das unterscheidet Österreich von vielen anderen Ländern. Hier ist Bargeld weiterhin ein gesetzliches Zahlungsmittel mit vollständiger Deckung.

Allerdings gilt: Private Geschäfte können unter Umständen Bedingungen stellen (z. B. reine Online-Shops oder klar ausgewiesene „cashless“-Konzepte), weshalb keine uneingeschränkte Annahmepflicht in jedem Einzelfall besteht. Öffentliche Einrichtungen und der stationäre Einzelhandel müssen Bargeld grundsätzlich akzeptieren.

In Österreich gibt es einen stillen Kampf um Bargeld

Brüssel drückt kontinuierlich auf die Bargeld-Bremse. Das „Digital Finance Package“ ist ein Beispiel: Die EU möchte digitale Zahlungen stärker etablieren.

Ein Argument lautet Steuerkontrolle. Digitale Zahlungen hinterlassen Spuren – Bargeld nicht. Studien der EU deuten darauf hin, dass jährlich hohe Summen durch Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung verloren gehen – ein Teil davon über Bargeld.

Deshalb steigt der Druck: Bargeld-Limits von 10.000 Euro ab 10. Juli 2027 im Geschäftsverkehr, Druck auf Zentralbanken, Anreize für Kartenzahlungen.

Österreich wehrt sich gegen diese Tendenzen – zumindest bisher.

Der Bankomaten-Rückbau

Während sich Österreich politisch gegen digitale Zwänge positioniert, passiert auf praktischer Ebene etwas anderes: Banken bauen ihr Bankomaten-Netz ab. Warum? Bargeld ist teuer – Herstellung, Transport und Lagerung verursachen hohe Kosten. Mit digitalen Zahlungen sparen Banken Milliarden.

Das Ergebnis: In vielen Gemeinden gibt es immer weniger Bankomaten. In Großstädten fällt das kaum auf, auf dem Land jedoch deutlich.

Die Oesterreichische Nationalbank reguliert diesen Abbau nicht direkt, es gibt jedoch Vereinbarungen zwischen Banken, Gemeindebund und Nationalbank zur Sicherstellung der Bargeldversorgung, verpflichtet Banken jedoch nicht zu einem flächendeckenden Netz. Österreich ist kein Schweizer Fall – dort ist die Versorgung dichter. Hier wird das Angebot schrittweise reduziert.

Verfassungsschutz für Bargeld?

Es gibt juristische Argumente dafür, dass Bargeld verfassungsrechtlich besonders geschützt ist. Ein Verbot oder eine massive Einschränkung könnte verfassungsrechtliche Fragen aufwerfen: Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit, mögliche Enteignungsproblematik (wenn Bargeld faktisch nicht mehr nutzbar ist).

Österreich hat mehrfach betont, keine totale Digitalisierung erzwingen zu wollen. Das unterscheidet das Land von Schweden, wo Bargeld rapide an Bedeutung verloren hat, oder von Indien, wo Bargeldbeschränkungen politisch stark vorangetrieben wurden.

Was tun bei Verweigerung von Barzahlung?

Wenn ein Geschäft Ihre Barzahlung ablehnt, haben Sie mehrere Möglichkeiten:

1. Beschwerde einreichen
Eine spezielle Beschwerde-Hotline für „Verstöße gegen das Bargeldrecht“ besteht nicht, allgemeine Anfragen sind jedoch bei der Oesterreichischen Nationalbank möglich.

2. Verbraucherorganisationen kontaktieren
VKI und Arbeiterkammer unterstützen Betroffene.

3. Rechtliche Schritte prüfen
Sie können argumentieren, dass die Verweigerung rechtswidrig ist.

4. Öffentliche Aufmerksamkeit schaffen
Unternehmen reagieren sensibel auf negative Berichterstattung oder Kritik in sozialen Medien.

In der Praxis lehnen größere Handelsketten Bargeld kaum ab – auch aus rechtlichen Gründen. Kleine Online-Shops haben mehr Spielraum.

Österreich vs. Schweiz: Ein Vergleich

Die Schweiz gilt als bargeldfreundlich – obwohl sie technologisch hochentwickelt ist. Dort wird derzeit über eine stärkere verfassungsrechtliche Absicherung von Bargeld abgestimmt. Eine entsprechende Volksinitiative steht politisch zur Entscheidung an.

Schon jetzt hat das Land ein dichtes Bankomaten-Netz, hohe Bargeld-Nutzung und breite gesellschaftliche Akzeptanz, In Österreich ist die Situation gemischt: rechtlich gut geschützt, praktisch jedoch etwas fragiler.

Der Unterschied liegt im politischen Druck. In der Schweiz verteidigen Bürger Bargeld aktiv. In Österreich ist dieser Druck geringer – daher wird der Rückbau eher toleriert.

Was Sie selbst tun können

Wenn Sie Bargeld schützen möchten, nutzen Sie es. Jede Barzahlung ist ein Signal.

Weitere Möglichkeiten: Initiativen wie „Pro Bargeld“ unterstützen, Banken wählen, die Bankomaten betreiben, kleine Läden und Märkte stärken, politisch klar Position beziehen.

Bargeld bleibt nur relevant, wenn es im Alltag verwendet wird. Ihr Recht auf Bargeld ist in Österreich derzeit stark. Doch es wird langsam ausgehöhlt – nicht dramatisch, aber schrittweise. Wer Bargeld schätzt, sollte es aktiv nutzen. Denn Rechte, die nicht verwendet werden, verlieren mit der Zeit an Bedeutung.