Der aktuellste Fall: Ein 52-jähriger Mann aus dem Bezirk Wolfsberg, Kärnten, glaubte, online eine Beziehung aufgebaut zu haben. Über soziale Netzwerke kam er mit zwei Frauen in Kontakt, die ihm Zuneigung und Nähe vermittelten – allerdings nur mit einem Ziel: Geld. Eine der Täterinnen gab sich als ehemalige US-Soldatin aus, angeblich im Ukraine-Einsatz. Unter wechselnden Vorwänden forderte sie finanzielle Unterstützung, zunächst für angebliche Busfahrkarten nach Österreich, später für weitere Notlagen.

Der Mann überwies mehrfach Geld, vor allem in Form von Online-Gutscheinen. Als die vermeintliche Partnerin zusätzlich einen Busunfall erfand und weitere Zahlungen verlangte, wuchs nach über einem Jahr Fernkontakt erstmals Misstrauen. Der Betroffene wandte sich schließlich an die Polizei.

Betrug mit mehreren Rollen und falschen Behörden

Die zweite Frau mit der der Mann Kontakt gehabt hatte, kam angeblich aus der Schweiz. Sie überzeugte ihn, mehrere tausend Euro für einen angeblichen Geschäftsabschluss zu überweisen. Auch hier folgte das selbe perfide Muster: eine dramatische Wendung. Die Frau behauptete, im Zusammenhang mit dem Geschäft angeschossen worden zu sein.

Kurz darauf meldeten sich angebliche Mitarbeiter der Schweizer Kriminalpolizei sowie eines Krankenhauses. Sie forderten rund 11.000 Euro, um die verletzte Frau nach Wolfsberg zu überstellen. Erst durch Rückfragen beim Krankenhaus stellte sich heraus, dass auch diese Geschichte frei erfunden war. Beide angeblichen Beziehungen entpuppten sich als gezielte Betrugsmaschen.

Kein Einzelfall: Prozess in Niederösterreich zeigt Dimension der Love-Scams

Ein weiterer perfider Love-Scam ereignete sich wenige Zeit zuvor in Niederösterreich. Anfang Januar, wurde eine 26-jährige Frau am Landesgericht Korneuburg wegen schweren Betrugs verurteilt. Gemeinsam mit einem mutmaßlichen Mittäter hatte sie sich gegenüber zwei Opfern als Chefarzt der Vereinten Nationen ausgegeben, angeblich stationiert im Jemen.

Den Opfern wurde eine gemeinsame Zukunft in Aussicht gestellt, kombiniert mit angeblichen Notlagen. Über Bargeldübergaben – nicht Überweisungen – erlangten die Täter hohe Geldbeträge. Ursprünglich war von einem Schaden von fast 400.000 Euro die Rede, das Gericht sprach die Angeklagte letztlich wegen eines Betrags von rund 120.000 Euro schuldig.

Haftstrafe – doch viele Täter bleiben im Hintergrund

Das Urteil gegen die 26-Jährige lautet auf 20 Monate Freiheitsstrafe, davon 14 Monate bedingt und sechs Monate unbedingt. Während sie das Urteil annahm, ist es noch nicht rechtskräftig. Der mitangeklagte Mann wurde freigesprochen, ein weiterer mutmaßlicher Mittäter gilt weiterhin als unbekannt.