Beim öffentlich-rechtlichen Sender ORF kommt es zu einem überraschenden Führungswechsel. Generaldirektor Roland Weißmann hat am Samstagvormittag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Hintergrund sind Vorwürfe sexueller Belästigung einer Mitarbeiterin, die aus dem Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022 stammen sollen.

Nach Informationen aus ORF-Kreisen sei die Mitarbeiterin dem Stiftungsrat bekannt, Weißmann selbst habe jedoch angegeben, ihre Identität nicht zu kennen. Bei der Betroffenen soll es sich zudem nicht um eine Moderatorin handeln.

Aufsichtsgremium soll Ultimatum gestellt haben

Der Rücktritt erfolgt nur wenige Tage vor Weißmanns 58. Geburtstag – und offenbar auch kurz vor einer möglichen Entscheidung des ORF-Stiftungsrates. Laut Berichten soll das höchste Aufsichtsgremium dem Generaldirektor ein Ultimatum gestellt haben. Demnach kam Weißmann mit seinem Schritt einer möglichen Abberufung zuvor.

Anwalt weist Vorwürfe zurück

Über seinen Anwalt weist der ORF-Chef die Vorwürfe jedoch entschieden zurück. Rechtsanwalt Oliver Scherbaum erklärte, sein Mandant habe die Anschuldigungen bestritten. Eine inhaltliche Prüfung der Vorwürfe habe es laut Darstellung des Juristen nicht gegeben. Dennoch habe Weißmann „seinen sofortigen Rücktritt erklärt“, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden.

Seine interimistische Nachfolgerin steht bereits fest: Ingrid Thurnher übernimmt Weißmanns Position.

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Gregor Schütze, der Stellvertretende Vorsitzender des ORF-Stiftungsrates betonte zudem: „Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, dass er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt. Ingrid Thurnher wird den ORF mit ihrer großen Erfahrung souverän durch diese herausfordernden Zeiten führen.“

Es gilt die Unschuldsvermutung.

Eine exxpress-Anfrage an Roland Weißmann sowie seinen Rechtsanwalt Oliver Scherbaum blieb bislang unbeantwortet.