Buchstabe „N“ sorgt für Aufruhr: Debatte um Wandkunst in Kärntner Schule
Ein Alphabet-Fresko aus dem Jahr 1969 sorgt plötzlich für Aufregung. In einer Kärntner Volksschule stellt der Buchstabe „N” eine dunkelhäutige Person dar. Schule und Gemeinde halten die Darstellung zwar für nicht mehr zeitgemäß, sehen aber keinen akuten Handlungsbedarf.
Das Alphabet-Fresko aus dem Jahr 1969 in der Volksschule St. Thomas sorgt wegen der Darstellung beim Buchstaben „N“ für Diskussionen. (Symbolbild)GETTYIMAGES/Kawee Srital-on
Was jahrzehntelang unbeachtet an einer Schulwand hing, steht nun im Zentrum einer hitzigen Debatte. In der Volksschule St. Thomas in Magdalensberg (Kärnten) sorgt ein altes Fresko für Unruhe. Die einen sprechen von „rassistischer Wandkunst“, die anderen von historischem Erbe. Die Frage bleibt: Aufklären, übermalen – oder alles so lassen wie bisher?
Schule gerät wegen Alphabet-Fresko aus den 1960ern unter Druck
Die Fresken des Künstlers Mels-Colloredo ziehen sich über eine gesamte Wand im Pausenraum der Volksschule. Entstanden ist das Kunstwerk im Jahr 1969. Es stellt das gesamte Alphabet dar, wobei jeder Buchstabe von einer passenden Illustration begleitet wird.
Doch besonders eine Darstellung sorgt nun für Wirbel: Neben dem Buchstaben „N” ist eine offensichtlich dunkelhäutige Person mit afrikanischen Wurzeln zu sehen.
Direktorin und Bürgermeister: „Nicht mehr zeitgemäß“
Man ist sich der Darstellung längst bewusst. Direktorin Edith Patscheider bestätigt, dass sie bereits mehrfach darauf angesprochen wurde. „Ich wurde auf die Fresken des Künstlers schon des Öfteren aufmerksam gemacht. Besonders auf jenen Buchstaben“, sagt sie auf Anfrage der Krone.
Auch Bürgermeister Andreas Scherwitzl sieht die Sache kritisch. Beide sind sich einig: „Wo es früher vollkommen normal war, dunkelhäutige Menschen als ‚Neger‘ zu bezeichnen, ist die Darstellung heute keinesfalls mehr zeitgemäß.“ Trotzdem hängt das Bild weiterhin unverändert in der Aula der Volksschule.
Keine Übermalung – stattdessen Gespräche mit Kindern
Warum bleibt das Fresko also? Laut Bürgermeister Scherwitzl wurde intern bereits mehrfach darüber diskutiert. „Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten: Das Bild zu übermalen oder schriftlich mittels einer Tafel vor Ort aufzuklären.“ Bislang wurde jedoch keine dieser Varianten umgesetzt.
Stattdessen setzt die Schule auf mündliche Aufklärung. „Wir vermitteln unseren Schülern die Geschichte, die hinter dem Begriff steht, und setzen uns für eine sensiblere Sprache ein“, erklärt Direktorin Patscheider. Zudem handle es sich bei den Fresken um ein historisches Erbe.
Ein weiteres Argument ist, dass die Schule für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. „Das Gemälde sehen also ausschließlich unsere Pädagogen und Schüler. Und die sind darüber informiert“, so Scherwitzl.
Zukunft der Freske bleibt offen
Ob sich an der Wandkunst künftig etwas ändern wird, ist derzeit unklar. Patscheider zeigt sich grundsätzlich offen: „Ich habe nichts dagegen, wenn sich ein Künstler dem Werk widmet und die Darstellung anpasst.“ Konkrete Pläne gibt es allerdings weder vonseiten der Schule noch der Gemeinde.
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