Bundesheer in der Kritik: Milliarden für Aufrüstung, aber Personal fehlt
Während die Zahl internationaler Krisen zunimmt, zeigen sich beim österreichischen Bundesheer gravierende Schwächen. Transportmaschinen bleiben am Boden und es fehlt an Fachpersonal. Gleichzeitig investiert Österreich Milliarden in neue Systeme, doch eine klare Sicherheitsstrategie ist weiterhin nicht in Sicht.
Die Sicherheitslage rund um Europa wird zunehmend angespannter, doch beim österreichischen Bundesheer gibt es weiterhin strukturelle Probleme. In der aktuellen Krise am Persischen Golf konnten sich österreichische Staatsbürger nicht auf Transportmaschinen des Heeres verlassen, da die Hercules am Boden blieb. Gleichzeitig laufen milliardenschwere Aufrüstungsprogramme. Kritiker warnen jedoch: Ohne ausreichend ausgebildetes Personal und eine klare sicherheitspolitische Strategie könnten viele dieser Investitionen ins Leere laufen. Die Krone berichtete.
Transportprobleme und fehlende Spezialisten
Die jüngste Krise am Persischen Golf hat eine Schwachstelle deutlich sichtbar gemacht. Bei möglichen Evakuierungen konnten sich Österreichs Staatsbürger nicht auf die Transportkapazitäten des Bundesheeres verlassen, da die Hercules-Maschine nicht eingesetzt werden konnte.
Zwar sind neue Transportflugzeuge geplant, diese sollen jedoch erst im Jahr 2028 in Österreich eintreffen. Ob bis dahin genügend ausgebildete Piloten zur Verfügung stehen werden, ist unklar. Rekruten werden diese Maschinen jedenfalls nicht fliegen können. Doch der Personalmangel beschränkt sich nicht nur auf Piloten. In vielen Bereichen fehlen dem Bundesheer Fachkräfte, beispielsweise Fluglotsen, Techniker oder Ärzte.
Milliarden für Aufrüstung – aber zu wenig Soldaten
Gleichzeitig investiert Österreich massiv in seine militärische Ausrüstung. Im Rahmen des Aufbauplans 2030 sind Neuanschaffungen im Wert von rund 18 Milliarden Euro geplant.
Das Heer rüstet dabei auf mehreren Ebenen auf – von neuen Systemen bis hin zu Projekten im Weltraum. So beteiligt sich Österreich etwa am europäischen Luftverteidigungssystem „Sky Shield”, ein Projekt im Milliardenbereich. All diese Systeme benötigen jedoch hochqualifiziertes Personal, das sie bedienen und warten kann. Genau hier sehen Kritiker ein strukturelles Problem: Der personelle Unterbau des Bundesheeres wächst nicht im gleichen Tempo wie dessen technische Fähigkeiten.
Hinzu kommt eine auffällige Struktur im Offizierskorps. Bei rund 14.000 Berufssoldaten gibt es mehr als 100 Generäle, darunter etwa 80 Brigadiere. Gleichzeitig sitzen laut den Kritikern mehr Offiziere in Stabs- und Büropositionen als Leutnants, die für die Ausbildung der Rekruten zuständig sind. Um neue Soldaten zu gewinnen, setzt das Verteidigungsministerium inzwischen auf aufwendige Werbekampagnen.
Neue Sicherheitsstrategie fehlt weiterhin
Neben Personalfragen wird auch die strategische Ausrichtung der österreichischen Sicherheitspolitik diskutiert. Eine neue, umfassende Sicherheitsstrategie wurde bislang jedoch nicht vorgelegt.
Die vorherige Regierung hatte nach jahrelangen Diskussionen die bestehende Sicherheitsstrategie im Jahr 2024 überarbeitet. In der ursprünglichen Fassung wurde Russland noch als strategischer Partner genannt. Die überarbeitete Fassung konnte jedoch keine breite Zustimmung erreichen und wurde letztlich nicht umgesetzt. Die aktuelle Dreier-Regierung kündigte nach ihrem Amtsantritt an, eine neue Sicherheitsstrategie auszuarbeiten. Bis heute liegt diese jedoch nicht vor.
Stattdessen wird derzeit verstärkt über eine mögliche Verlängerung der Wehrpflicht diskutiert. Kritiker sehen darin jedoch nur einen Nebenaspekt und fordern zunächst eine grundlegende Neuausrichtung der Sicherheitspolitik.
Blick zurück: Die Spannocchi-Doktrin
Die letzte Verteidigungsdoktrin, die vielen Österreichern noch bekannt ist, stammt aus einer ganz anderen Zeit. Die 1963 entwickelte sogenannte „Spannocchi-Doktrin“ prägte die österreichische Verteidigungsstrategie während des Kalten Krieges. Sie ist benannt nach dem damaligen Armeekommandanten Emil Spannocchi.
Das Konzept ging von einem neutralen und militärisch schwachen Österreich aus. Anstatt eine große militärische Schlacht zu führen, sollte ein möglicher Angreifer durch Angriffe auf Flanken und Nachschublinien abgeschreckt werden, um einen Durchmarsch durch Österreich möglichst unattraktiv zu machen. Mehr als sechs Jahrzehnte später halten viele Experten eine neue strategische Grundlage für überfällig.
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