Chaos am Küniglberg: Ex-ORF-Star spricht von Intrigen und Millionen-Zoff
Jahrzehntelang war Reinhard Jesionek eines der bekanntesten Gesichter des ORF. Jetzt rechnet der Romy-Preisträger mit dem Sender ab. Auf exxpressTV spricht er von Angst-Berichterstattung, politischer Schlagseite und internen Machtkämpfen. Auch zu Roland Weißmanns Rücktritt und einem Streit um 2,4 Millionen Euro äußert er sich.
Reinhard Jesionek: Der frühere ORF-Star und Romy-Preisträger erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Arbeitgeber.EXXPRESS/EXXPRESS
Der frühere ORF-Moderator Reinhard Jesionek erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Arbeitgeber. Im Interview mit exxpressTV spricht der langjährige TV-Mann von Angst-Berichterstattung, politischer Schlagseite – und internen Machtkämpfen bis hin zu einem Streit um Millionen.
Für Jesionek ist klar: Spätestens in der Corona-Zeit sei der ORF „entgleist“. Seine Kritik: „Der ORF hat extrem auf die Angstschiene gedrückt.“ Als Beispiel nennt er Bilder von Intensivpatienten, kombiniert mit Fallzahlen. Sein Vorwurf: So werde beim Publikum gezielt Angst erzeugt – statt nüchtern zu informieren.
„Die FPÖ muss verhindert werden“
Noch schärfer wird der Ex-Moderator bei der politischen Ausrichtung. Im ORF gebe es schon lange einen Grundreflex: „Die FPÖ muss verhindert werden.“
Heute gehe dieser Kurs nach hinten los. Jesioneks drastische Diagnose: „Der ORF ist eine Werbetrommel für den Herrn Kickl.“ Seine Begründung: Wer Zuschauer belehre, Wähler in Comedy-Sendungen vorführe und politisch missioniere, treibe viele am Ende genau dorthin, wo er sie nicht haben wolle.
„Als wäre es ihr Privatbetrieb“
Besonders brisant wird Jesionek bei der aktuellen ORF-Krise. Sein Eindruck: Hinter dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann steckt ein eskalierter Machtkampf im ORF. Im Zentrum steht für ihn ORF-Manager Pius Strobl. Dessen Ziel sei nach Jesioneks Darstellung klar gewesen: 2,4 Millionen Euro zum Pensionsantritt zusätzlich durchzusetzen – trotz ohnehin hoher Pensionsansprüche.
Jesioneks Eindruck: Strobl habe offenbar geglaubt, mit Druck auf Weißmann ans Ziel zu kommen. Doch statt einer stillen Lösung sei die Sache eskaliert – und am Ende habe nicht nur Weißmann seinen Posten verloren, sondern der ORF einen massiven Imageschaden erlitten.
Der langjährige Ex-Moderator kommentiert: „Diese ganze Führungsebene im ORF agiert, als wäre das ihr Privatbetrieb.“
Gebühren-Frust: „Die Leute sind richtig wütend“
Für Jesionek endet das Problem nicht im ORF selbst – es trifft längst die Bevölkerung. Nach der aus seiner Sicht einseitigen Corona-Berichterstattung und der fehlenden Aufarbeitung sei mit der Haushaltsabgabe ein weiterer Bruch passiert. Viele Menschen müssten nun einen Sender finanzieren, dem sie nicht mehr vertrauten. „Die Leute müssen für etwas zahlen, was viele nicht mehr wollen.“
Wie groß der Frust ist, erlebt Jesionek nach eigenen Worten täglich. Immer wieder werde er angesprochen, viele machten ihrem Ärger Luft. Es gehe längst nicht nur ums Geld – sondern um das Gefühl, gezwungen zu werden, ein System zu finanzieren, das sich vom Publikum entfernt hat.
„ORF 1 privatisieren – zurück zum Auftrag“
Trotz seiner massiven Kritik will Jesionek den ORF nicht abschaffen, sondern radikal umbauen. Seine Forderungen: ORF 1 privatisieren. Auch Ö3 ist eine „reine Cash Cow“.
Stattdessen: Fokus auf Information, Bildung und österreichische Inhalte. Als positives Beispiel nennt er ORF 3. Dort sei der öffentlich-rechtliche Auftrag noch erkennbar.
Was ihm im Hauptprogramm fehlt: echte Ausgewogenheit. Statt einseitiger Runden brauche es Debatten mit klaren Gegenpositionen.
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