CO2 vergraben? Deutschland setzt auf eine riskante Klimawette
Mit einer Gesetzesnovelle hat Deutschland einen weiteren klimapolitischen Kurswechsel vollzogen: Seit Ende November 2025 ist der kommerzielle Einsatz der Carbon Capture and Storage (CCS) erlaubt.
Hendrik Wüst (Ministerpräsident NRW) besichtigt die Carbon Capture Anlage in Duisburg.IMAGO/Revierfoto
Die Bundesregierung präsentiert die unterirdischen Kohlendioxid-Speicherung als unverzichtbares Instrument, um schwer vermeidbare Industrieemissionen zu neutralisieren und das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 abzusichern. Doch hinter der neuen Rechtsgrundlage verbirgt sich eine Technologie, die bis heute umstritten ist.
Ein neues Gesetz für eine alte Hoffnung
Das überarbeitete Kohlendioxid-Speicherungsgesetz schafft erstmals die rechtliche Basis für den großflächigen Einsatz von CCS in Deutschland. Bislang war die Technologie auf Pilot- und Forschungsprojekte beschränkt. Nun dürfen Unternehmen CO₂ nicht nur abscheiden, sondern es auch dauerhaft speichern – vor allem unter dem Meeresboden der Nordsee. Schutzgebiete bleiben formal ausgenommen.
Aus Sicht der Bundesregierung ist der Schritt vor allem industriepolitisch motiviert. Branchen wie Zement-, Kalk- oder Abfallwirtschaft stoßen Emissionen aus, die sich selbst mit modernster Technik kaum vermeiden lassen. CCS soll quasi als letzte Stellschraube dienen.
Infrastruktur für CO₂: Pipelines statt Perspektiven?
Ein zentraler Punkt der Novelle ist die Einführung eines einheitlichen Genehmigungsverfahrens für CO₂-Transportleitungen. Damit wird der Aufbau eines landesweiten Pipeline-Netzes möglich, das abgeschiedenes Kohlendioxid zu Offshore-Speichern transportiert.
Kaum erprobt, wenig belastbar
Die fehlende Praxistauglichkeit von CCS im industriellen Maßstab bleibt ein zentraler Kritikpunkt. Zwar wird seit Jahrzehnten geforscht, doch belastbare Langzeiterfahrungen existieren kaum. Zahlreiche internationale Pilotprojekte – darunter auch milliardenschwere, EU-geförderte Vorhaben aus den späten 2000er-Jahren – wurden eingestellt, teils ohne je in den Regelbetrieb zu gelangen.
Milliardenkosten mit unklarem Klimanutzen
Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Schätzungen zufolge könnten sich die Gesamtkosten für CCS in Deutschland bis 2045 auf einen zweistelligen Milliardenbetrag summieren. Darin enthalten sind Abscheideanlagen, Transportinfrastruktur, Speichererschließung sowie langfristige Überwachung.
Kritiker prangern an, dass ein erheblicher Teil dieser Kosten letztlich von der öffentlichen Hand getragen werden dürfte, und somit von den Steuerzahlern.
Sicherheitsfragen bleiben offen
Auch technisch ist CCS kein risikofreies Unterfangen. Undichte Speicher oder schleichende Leckagen könnten den gesamten Klimanutzen zunichtemachen und im schlimmsten Fall neue Umweltprobleme schaffen, in dem Emissionen, die am Meeresboden eingelagert sind, austreten.
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