Nach Angaben mehrerer Medien existieren Videoaufnahmen, die bislang ausschließlich den Ermittlern vorliegen. Öffentlich einsehbar ist das Material nicht. Der Inhalt jedoch sorgt bereits jetzt für Aufruhr: In den Aufnahmen soll die Mitbetreiberin des Clubs, Jessica Moretti, zu sehen sein, wie sie mit den Einnahmen des Abends flieht, während das Lokal in Flammen steht.

Demnach habe sie die Kassa unter ihrem verbrannten Arm getragen, während im Inneren des Clubs noch Dutzende Menschen um ihr Leben kämpften – viele von ihnen vergeblich. Für Angehörige der Opfer wäre dieses Bild ein kaum erträglicher Schock. Für die Justiz könnte es ein Wendepunkt sein.

Ermittler unter Hochdruck

Die Aufnahmen liegen den Ermittlungsbehörden vor, werden ausgewertet und sind Teil der laufenden Untersuchungen. Offiziell bestätigt wurde der Inhalt bislang nicht. Fest steht jedoch: Die Existenz des Videos verschärft den öffentlichen Druck enorm – nicht nur auf die Betreiber des Lokals, sondern auch auf die politischen Verantwortlichen der Gemeinde.

Während im ausgebrannten „Le Constellation“ noch immer Brandgeruch in der Luft liegt, brodelt es in der Bevölkerung. Die Frage, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte, wird immer lauter gestellt.

„Man verlässt das Schiff nicht, wenn das Meer tobt“

Deutliche Worte kommen vom Bürgermeister Nicolas Féraud. Angesichts der Vorwürfe und der dramatischen Bilder sagte er:

„Man verlässt das Schiff nicht, wenn das Meer tobt.“

Ein Satz, der als moralische Mahnung verstanden wird – und gleichzeitig die Emotionen weiter anheizt. Denn ausgerechnet Féraud selbst steht nun im Zentrum der Kritik.

Keine Kontrollen seit Jahren

Wie die Krone berichtete, räumte der Bürgermeister ein, dass seit 2020 keine Kontrollen in dem Lokal an der Rue Centrale durchgeführt worden seien. Ein brisanter Punkt: Andernfalls wäre laut Darstellung wohl aufgefallen, dass es sich längst nicht mehr nur um eine Bar handelte.

Stattdessen entwickelte sich „Le Constellation“ offenbar zu einer Art Diskothek, in die deutlich mehr als die erlaubten 240 Personen eingelassen wurden. Genau diese Überfüllung gilt als einer der zentralen Faktoren der Tragödie.

Forderungen nach Rücktritt werden lauter

Mit jeder Stunde wächst der politische Druck auf den Bürgermeister. In der Gemeinde wird offen über einen Rücktritt diskutiert. Kritiker werfen der Stadtführung vor, jahrelang weggesehen zu haben – mit fatalen Folgen.

Die Kombination aus fehlenden Kontrollen, mutmaßlicher Überfüllung und nun dem umstrittenen Video ergibt für viele ein Bild von Versagen auf mehreren Ebenen.