Es ist die heißeste Phase im Rennen um den ORF-Chefsessel – und exxpress-Herausgeberin Eva Schütz hat sich Zeit genommen, die Fragen unserer Leser zu beantworten. In einem ausführlichen Q&A nahm sie Stellung zu allem, was die Community über soziale Netzwerke, Website und Forum eingeschickt hatte: Entpolitisierung, Korruptionsvorwürfe, Gehälter-Wildwuchs und die heikle Frage der Finanzierung.
Besonders brisant: Schütz äußert sich auch zu den persönlichen Angriffen von ORF-Star Armin Wolf. Der „ZiB 2″-Moderator hatte sie auf der Plattform Bluesky als Herausgeberin einer „rechten rassistischen Fake-News-Schleuder” bezeichnet und ihr abgesprochen, überhaupt für den Posten geeignet zu sein.

„Ich bin nicht persönlich beleidigt"
Schütz reagiert betont gelassen – und dreht den Spieß um. Persönlich beleidigt sei sie nicht. Wolf nütze schlicht die Bekanntheit des ORF, um seine eigene Person auf Social Media groß zu machen. Das Problem liege woanders: Es gebe eine Dienstanweisung, wonach sich ORF-Mitarbeiter nicht in einer Weise äußern dürfen, welche die Objektivität des Senders beeinträchtigt. „Also ist es nicht nur eine Frage des Niederschreibens von Richtlinien, es ist schon auch eine Frage der Einhaltung”, so Schütz. Bei Wolf scheine das „zumindest nicht unbedingt der Fall zu sein”. Den schärfsten Satz spart sie sich für die Einordnung auf: Es könne nicht sein, dass jemand die eigene Marke derart über das Wohl des Unternehmens stelle. Schade findet sie es deshalb, weil sie Wolfs Interviews in der „ZiB 2″ durchaus als ausgewogen empfinde – umso unverständlicher, dass er mit seinem Auftreten die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel setze.
Schuetz Ueber Wolf Posting Bestaetigt Jedes Vorurteil Gegen Den Orf
Mega-Gagen, Monopol und eine verlorene Akzeptanz
Auch beim Thema Gehälter und Finanzierung nahm sich Schütz kein Blatt vor den Mund: Ein stellvertretender Chefredakteur – wie Wolf einer ist – verdiene fast 100.000 Euro mehr als sein eigener Chefredakteur, ein Hauptabteilungsleiter mehr als der Generaldirektor selbst. Boni und Pensionsverträge gehörten offengelegt – „wenn es nicht das eigene Geld ist, gibt man es halt deutlich einfacher aus”, nur sei es eben Steuergeld.
Scharf ins Gericht ging sie auch mit der Marktstellung des Senders: Rund 800 Millionen Euro stünden hier 50 Millionen für die privaten Medien gegenüber – eine „Monopolbildung”, die „dazu neigt, dann eine gewisse Richtung zu bekommen”. Die Haushaltsabgabe, die laut Schütz 63 Prozent der Österreicher ablehnen, nennt sie „extrem verunglückt”. Ihr Fazit zum ORF fällt ernüchtert aus: „Die Glaubwürdigkeit ist einfach stark gesunken.” Ein ORF in verträglicherem Ausmaß sei denkbar – aber dafür brauche es die Akzeptanz der Menschen, „und die hat der ORF halt zurzeit verloren”. Nach einem Sendungsmarathon über Puls 4, oe24 und ServusTV steht heute Abend die „Elefantenrunde” in ORF III an (20:15 Uhr), das entscheidende Hearing vor dem Stiftungsrat folgt am 11. Juni.
Das ganze Interview können Sie hier sehen:

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