Die britische Metropolitan Police (MET) steht nach einer internen Überprüfung im Zentrum eines schweren Skandals. Im Jahr 2020 stellte die Polizei den schwarzen Beamten Cliff Mitchell ein – mit der Begründung, damit die Diversität innerhalb der Behörde fördern zu wollen. Brisant: Wie mehrere britische Medien berichten, wurde Mitchells Bewerbung zunächst abgelehnt. Bei der Überprüfung seiner Personalien sei bereits damals ein Vorwurf der Kindesvergewaltigung aus dem Jahr 2017 entdeckt worden.

Trotzdem kam es zur Kehrtwende – und heute ist die Dimension des Falls noch dramatischer: Laut Überprüfung wird Mitchell in 13 Fällen der Vergewaltigung verdächtigt, darunter sechs Fälle von Kindesvergewaltigung.

Diversitätsziele über Warnsignale

Nach der ursprünglichen Ablehnung befasste sich laut Berichten ein spezielles Gremium erneut mit Mitchells Bewerbung. Dieses entschied schließlich, die Ablehnung wieder aufzuheben und ihn einzustellen, um die Diversitätsziele der Behörde zu erreichen. Die Darstellung legt nahe: Ein schwerer Vorwurf stand im Raum – dennoch bekam Mitchell die Uniform.

Und der Bericht zeigt: Der Fall ist nicht isoliert. Zwischen 2013 und 2023 wurden laut dem am Donnerstag veröffentlichten Polizeibericht 5.073 Polizisten vor deren Einstellung nicht ordnungsgemäß überprüft. In weiteren 3.338 Fällen sei die Überprüfung nur teilweise erfolgt.

Insgesamt wurden dem Bericht zufolge 131 Beamten, die nicht ordnungsgemäß überprüft wurden, Straftaten oder Fehlverhalten zur Last gelegt. Nach Berichten von The Telegraph befanden sich darunter 14 Polizisten, gegen die unter anderem wegen Vergewaltigung, Einbruch und Belästigung ermittelt werde.

Polizei rechtfertigt das Versagen – Druck auf schnelle Aufstockung

Die MET erklärt die mangelhaften Checks im Bericht offiziell mit einem aggressiven Kurs der Führung. Wörtlich heißt es:
„Die Führungsspitze verfolgte einen entschlossenen Ansatz bei den Einstellungs- und Überprüfungsverfahren, um die unerreichbaren Einstellungsziele zu erreichen und die Belegschaft des Metropolitan Police Service (MPS) zügig zu vergrößern“, wie die BBC berichtet.

Gleichzeitig bleibt die Behörde auch wegen ihres Umgangs mit gesellschaftspolitischen Themen in der Kritik. Der Polizei wird immer wieder vorgeworfen, sich weniger der Verfolgung von Straftaten zu widmen, dafür aber migrationskritische Äußerungen in sozialen Medien besonders stark zu verfolgen.

Zuletzt gründete die MET eine spezielle Einheit, die soziale Medien auf einwanderungsfeindliche Posts überwachen soll: das „National Internet Intelligence Investigations Team“, angesiedelt in Westminster.

Der Fall Mitchell wirkt deshalb wie ein Symbol für eine gefährliche Schieflage: Wenn Einstellungsziele wichtiger werden als gründliche Überprüfungen – wer schützt dann die Bevölkerung?