Der Tod von zwei Mädchen im Alter von 13 und 16 Jahren sowie eines jungen Mannes erschüttert Innsbruck – und könnte laut Experten kein Einzelfall bleiben. Gerhard Jäger, Leiter der Drogenberatungsstelle Z6, zeigt sich gegenüber der Tiroler Tageszeitung tief besorgt: „Wir hoffen, dass es nicht noch mehr Tote gibt.“

Eine der Verstorbenen war der Einrichtung bekannt. Besonders alarmierend: Weitere Mädchen bewegen sich im selben Umfeld und gelten als akut gefährdet. Viele seien eng miteinander vernetzt, teilweise auch von Ausbeutung betroffen. „Sie wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen“, so Jäger.

120 Kinder und Jugendliche sollen in Tirol harte Drogen konsumieren

Laut der Tiroler Grünen-Politikerin Zeliha Arslan konsumieren derzeit rund 120 Kinder und Jugendliche harte Drogen im Bundesland – ein Großteil davon in Innsbruck. Einige seien erst zwölf oder 13 Jahre alt.

Zeliha Arslan (Grüne)APA/ERICH SPIESS

Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei jungen Frauen: Immer mehr greifen zu harten Substanzen, manche sogar intravenös. Alle minderjährigen Fälle mit Spritzenkonsum, die im Vorjahr im Z6 betreut wurden, betrafen Mädchen. Viele von ihnen sind schwer traumatisiert und suchen in Drogen einen Ausweg.

Ein weiterer Treiber ist die einfache Verfügbarkeit von Substanzen über das Internet. Zudem gibt es Hinweise, dass Mädchen gezielt abhängig gemacht werden, um sie auszunutzen.

Experten fordern nun rasches Handeln: Neben verstärktem Polizeieinsatz brauche es vor allem mehr Betreuungsangebote. Diskutiert wird auch ein Jugendkonsumraum, der Schutz und Hilfe bieten könnte.