Im Interview mit Exxpress sprach Vince Ebert über sein aktuelles Buch – und über eine Gesellschaft, die sich seiner Ansicht nach von Wissenschaft und Vernunft entfernt. Gemeinsam mit Volker Piesczek diskutierte er über Wokeness, Cancel Culture und die Frage, warum heute Moral oft wichtiger ist als Wahrheit.

„Wir entscheiden nach Bauchgefühl – nicht nach Fakten“

Ebert, studierter Physiker, beschreibt den kulturellen Wandel als Abkehr vom rationalen Denken:„Früher war das unsere Stärke: pragmatisch, rational – und trotzdem menschlich. Heute werden große Entscheidungen nach Bauchgefühl getroffen.“

Energiepolitik, Migration, Genderforschung – laut Ebert fehle überall die wissenschaftliche Grundlage. Er kritisiert, dass selbst Universitäten „zu politischen, aktivistischen Veranstaltungen verkommen“ seien. „Es gibt zwei biologische Geschlechter – das ist ein Fakt. Dass jemand sich anders fühlt, ist legitim. Aber man darf Fakten nicht leugnen.”

Das führe dazu, dass ideologische Strömungen zunehmend bestimmen, was gesagt werden darf. „An der Humboldt-Uni durfte ein Biologe nicht über die Zweigeschlechtlichkeit von Fischen sprechen, weil Studenten das als transfeindlich empfanden.“

Vince Ebert wurde 1968 geboren und wuchs im Odenwald auf und studierte Physik in Würzburg.Morawa/Screenshot

„Wokeness ist eine politische Bewegung, keine Wissenschaft“

Besonders scharf geht Ebert mit der Identitätspolitik ins Gericht: „Wenn Disziplinen nicht mehr auf Evidenz gründen, sondern auf dem Drang, die Gesellschaft umzubauen, dann wird aus Wissenschaft Aktivismus.“

Die Gründer der Genderforschung und Wokeness-Bewegung, so Ebert, hätten selbst erklärt, dass es ihnen nicht um Forschung, sondern um gesellschaftliche Veränderung gehe. „Das ist eine politische Bewegung, die die Gesellschaft umbauen will. Vollkommen legitim – aber sie hat an Universitäten nichts zu suchen.“

Der Komiker sieht darin ein Symptom einer „hypermoralischen Gesinnung“, die faktenbasierte Diskussionen verdränge: „Wir erklären der Welt, wie sie zu funktionieren hat – und gleichzeitig brauchen wir 14 Jahre, um einen Flughafen zu bauen.“

„Zurück an den Stammtisch – redet wieder miteinander“

Ebert warnt vor einer Gesellschaft, die Menschen nur noch in Gut und Böse einteilt. „Jeder Halbsatz wird moralisch aufgeladen. Nur weil jemand anderer Meinung ist, ist er kein schlechter Mensch.“ Er fordert eine Rückkehr zu echter Diskussionskultur: weg von Shitstorms, hin zu Gesprächen auf Augenhöhe.

Zum Schluss kündigte Ebert an, sich künftig stärker der Erwachsenenbildung zu widmen – mit Humor statt Ideologie: „Mit Humor bleibt mehr hängen. Ich will keine zehn Jahre dieselben Sätze in Talkshows wiederholen.“