Nach der exxpress-Recherche über EU-finanzierte Gender-NGOs meldet sich in einem exxpress-Interview ein Mann zu Wort, der das System von innen kennt: Kurt Krickler, Mitbegründer der HOSI Wien, ehemaliger Spitzenfunktionär von ILGA-Europe und Teil des Athena Forums, das von der ehemaligen grünen Nationalratsabgeordneten Faika El-Nagashi initiiert wurde. Seine Aussagen zeichnen das Bild einer Lobby, die gelernt hat, Macht ohne Wahlen auszuüben.

EU-Geld schafft Macht – und Soft Laws erzeugen „Verbindlichkeit“

Krickler beschreibt EU-Finanzierung als entscheidenden Hebel: Sie ermöglicht dauerhafte Strukturen, Kampagnen und politischen Einfluss. Dabei sei besonders wirksam gewesen, wie mit „Soft Laws“ gearbeitet wurde. „Man hat mit diesen Soft Laws – Empfehlungen, Richtlinien, Leitlinien – die Leute [fast] so beeinflusst, dass sie wirklich geglaubt haben, das sei rechtlich verbindlich.“

Dazu komme eine enorme Schulungsmaschinerie: „Man hat sehr viele Schulungen durchgeführt – für alle möglichen Akteure: für die Polizei, für die Justiz, auch in der Politik.“ Und irgendwann, so Krickler, sei daraus ein falscher Pflicht-Glaube entstanden: „Irgendwann haben alle geglaubt: ‚Wir müssen das machen – das schreibt uns die UNO vor, das schreibt uns der Europarat vor, das schreibt uns die EU vor.‘“ Sein Zusatz ist klar: „Aber das ist ja nicht der Fall.“ Symbolpolitik angeführt durch Menschenrechtsorganisationen hat schlussendlich zu einer Implementierung von jenen Bekenntnissen geführt wodurch eine ganze Industrie entstanden ist.

Canceln statt Debatte: „Die Medien haben versagt“

Krickler spart nicht mit Kritik am öffentlichen Diskurs: „Die Medien haben versagt – wirklich.“ Gleichzeitig habe es Druck gegeben, bis in die Institutionen hinein: „Und die Höchstgerichte haben sich dem [teilweise] angeschlossen und angehängt.“

Vor allem aber sei Kritik systematisch delegitimiert worden: „Jegliche Kritik […] wurde sofort mit dem Totschlagargument, mit dem ‚Hammer‘ niedergemacht: ‚transphob‘, ‚homophob‘.“ Die Wirkung beschreibt er drastisch: „Man hat die Leute wirklich eingeschüchtert – auf europäischer Ebene genauso wie auf österreichischer Ebene.“

Er schildert, dass dies nicht nur einzelne Parteien betroffen habe: „Da wurden schon ganze Karrieren zerstört.“ Und weiter: „Viele kritische Professoren an den Unis wurden dann durch Shitstorms niedergemacht – die haben ihre Jobs verloren, ihre Professuren verloren, ihre Arbeit.“ Viele würden sich deshalb nicht mehr äußern: „[…] weil sie um ihre Karrieren fürchten.“

Kurt Krickler ist Mitbegründer von HOSI in Wien und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der IGLA-Europe, eine der Big-5 Gender-NGOs in der EU.exxpress/

Frauenrechte, Gerichte und Medizin: „Selbstdiagnose“ als neue Norm

Auch im Bereich des medizinischen Umgangs gibt es einiges, was man nicht einfach so hinnehmen könne: „Wo gibt es das sonst, dass man mit einer Selbstdiagnose, mit der die Leute kommen, einfach weiterarbeitet – und das nicht hinterfragt?“ Wenn Eltern sich dagegen stellten, werde das kriminalisiert: „Wenn Eltern […] Kritik üben, wird das als Konversionsmaßnahme kriminalisiert – und die kommen womöglich noch ins Hefen deswegen.“
Krickler warnt außerdem vor einem TikTok -Phänomen: In manchen Milieus werde das Thema zu einer Art sozialem „Mitlauf“-Effekt, der sich über Schulen, Social Media und Peergroups verstärke – und bei Jugendlichen mit ohnehin bestehenden Problemen eine gefährliche Dynamik auslösen könne.

Sein Fazit: „Irgendwann werden sich die Leute, die jetzt Verantwortung tragen, […] vor der Geschichte verantworten müssen, dass sie Lesben und Schwule buchstäblich dieser Industrie ans Messer geliefert haben.“ Denn am Ende stünden „irreversible Operationen“ – und: „Wenn das einmal jemand bereut, ist es zu spät. Und da ist ein Riesenversagen der Bewegung.“