Eisiger Frost: Selbst Spanier frieren bei Minusgraden
Der Winter hat weiterhin große Teile Europas im Griff. Selbst in Spanien friert man bei eisigen Minusgraden.
Am Dienstag kam es zu wetterbedingten und technischen Störungen im niederländischen Zugverkehr, wodurch dieser vorübergehend fast vollständig lahmgelegt wurde. Bis 10 Uhr fuhr im ganzen Land kein Zug. Zu den zahlreichen Problemen an den Weichen, die durch das heftige Winterwetter verursacht wurden, kam in der Früh noch eine Computerstörung hinzu. Gegen Mittag kam der Zugverkehr dann langsam wieder in Gang.
Das Winterwetter sorgt zudem auf den Straßen und am Amsterdamer Großflughafen Schiphol weiterhin für Probleme. Rund 350 Flüge wurden bereits annulliert. Damit beeinträchtigen Schnee und Eis den Flugverkehr an einem der wichtigsten europäischen Drehkreuze bereits den fünften Tag in Folge.
Frankreich stark betroffen
Auch Frankreich hat weiterhin mit Winterwetter zu kämpfen. Bei Verkehrsunfällen, die durch Schnee und Eis verursacht wurden, kamen laut Behördenangaben fünf Menschen ums Leben. Im Norden und Westen des Landes galt am Dienstag die zweithöchste Warnstufe wegen Glatteises. In zahlreichen Orten fielen die Schulbusse aus. Vor allem im Westen war auch der Zugverkehr beeinträchtigt, mehrere Strecken waren komplett gesperrt. Die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge verkehrten mit gedrosselter Geschwindigkeit.
Sechs kleinere Flughäfen im Westen und Norden des Landes waren am Dienstag wegen des Winterwetters geschlossen. Der Flugbetrieb an den Pariser Airports sei jedoch nicht beeinträchtigt, sagte Verkehrsminister Philippe Tabarot dem Sender BFM. Der Nahverkehr in der französischen Hauptstadt war am Vormittag noch teilweise gestört.
Tabarot warf dem Wetterdienst vor, den Schneefall unterschätzt zu haben. Es seien nur drei Zentimeter vorhergesagt worden, tatsächlich seien aber bis zu acht Zentimeter gefallen. In den betroffenen Landesteilen, etwa an der französischen Atlantikküste, sind derartige Schneefälle eine Ausnahme.
Auch in Italien starke Schneefälle
Auch Italien ist von einem massiven Kälteeinbruch betroffen. Am Dreikönigstag kam es in mehreren Regionen des Landes zu einem deutlichen Temperatursturz. Während im Norden des Landes Schneefälle bis in die Hügellagen gemeldet wurden, kam es in Rom und in mehreren süditalienischen Regionen zu teils heftigen Regenfällen.
In Triest wurden erste Schneeflocken gemeldet, die von starken Windböen begleitet waren. In der Adria-Region Marken stürzten Bäume unter der Schneelast um, in der Toskana fiel Schnee bis in tiefer gelegene Gebiete. In den Regionen Abruzzen, Molise und Latium führten anhaltende Niederschläge zu Überschwemmungen. In der Hauptstadt Rom sowie in Florenz mussten mehrere Veranstaltungen rund um den Dreikönigstag wegen des schlechten Wetters abgesagt werden.
Am Dienstag ordnete Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri aus Sicherheitsgründen die Schließung von Parks an, da die Gefahr umstürzender Bäume bestand. Sportaktivitäten im Freien wurden untersagt, ebenso der Zugang zu Bereichen unter Bäumen. Auch Friedhöfe blieben geschlossen. Der Fluss Aniene trat bei Tivoli nahe Rom über die Ufer. In Rom überschritt der Tiber die Marke von sieben Metern. Uferwege und Radstrecken wurden gesperrt. In den ersten Januartagen fiel in der Hauptstadt so viel Regen wie sonst im gesamten Monat. Bereits am Sonntag war in der Nähe der Kaiserforen im Zentrum von Rom eine rund 120 Jahre alte, 20 Meter hohe Pinie umgestürzt.
Hunderte Schulen in Schottland geschlossen
Auch in Großbritannien blieb es kalt und es schneite. In Schottland blieben Hunderte Schulen geschlossen und in Glasgow fuhren die U-Bahnen am Morgen nicht, da die Stromschienen vereist waren. Im gesamten Vereinigten Königreich galten weiterhin Schnee- und Eiswarnungen. Der Wetterdienst warnte vor heftigen Schneefällen, die vor allem den Süden dieser Woche treffen sollen.
In Schweden gab es neue Schneefälle und bis zu minus 40 Grad im Norden des Landes. In Dänemark forderte der Rettungsdienst Falck die Menschen in Nordjütland angesichts eines erwarteten Schneesturms auf, am Mittwoch zu Hause zu bleiben. Wer sich doch hinauswagt, sollte eine Schaufel dabeihaben, um das Auto freigraben zu können.
Zehntausende Einwohner Prags ohne Heizung und heißes Wasser
In der Schweiz sorgt Polarluft im Flachland für Temperaturen von teils minus 14 Grad. La Brévine im Kanton Neuenburg, traditionell der kälteste Ort der Schweiz, liegt auf gut 1.000 Metern Höhe und meldete in der Nacht zu Montag minus 30,3 Grad. Das ist jedoch nicht sehr ungewöhnlich. In dem abgeschlossenen Tal bildet sich bei klarem Himmel und wenig Wind oft ein Kaltluftsee, der zu einer starken Auskühlung des Bodens führt. Noch kälter war es am Morgen auf der Alp Hintergräppelen im Toggenburg im Kanton St. Gallen. Dort wurden minus 37,1 Grad gemessen.
Auch in Tschechien herrscht weiterhin klirrende Kälte. Im Böhmerwald nahe der Grenze zu Bayern wurden am Morgen Temperaturen um minus 25 Grad gemessen. Laut der Vorhersage des staatlichen Wetterdienstes sollte das Quecksilber in den nächsten Tagen nirgendwo im Land über den Gefrierpunkt steigen. In Prag waren Zehntausende Einwohner wegen einer defekten Fernwärmeleitung vorübergehend ohne Heizung und warmes Wasser.
Freuen können sich hingegen die Wintersportler: Aufgrund der Schneefälle herrschen auf vielen Pisten in den tschechischen Mittelgebirgen ideale Bedingungen zum Skifahren. In Polen lag die niedrigste Temperatur in der Nacht bei minus 20,1 Grad.
Schlecht isolierte Wohnungen in Spanien
In Spanien, das im Sommer regelmäßig mit Hitzerekorden Schlagzeilen macht, bibbern die Menschen nun in vielen Regionen bei Minusgraden in ihren oft schlecht wärmeisolierten Wohnungen. In Madrid und in höheren Lagen der Ferieninsel Mallorca gab es Frost und Schnee. In den Pyrenäen und anderen Gebirgsregionen des Landes waren manche Straßen nur mit Schneeketten befahrbar.
Die Wetterbehörde Aemet gab wegen Schnee, Kälte und teilweise stürmischer Winde Warnungen für weite Bereiche des Landes heraus. Wer es etwas wärmer mag, muss auf die Kanaren reisen. Dort werden tagsüber angenehme 17 Grad erreicht.
Auch in Bulgarien bleibt es mit Temperaturen bis zu 19 Grad im Südosten weiterhin frühlingshaft mild. Das ist für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich. In manchen Regionen machen starke Winde den Menschen zu schaffen. Meteorologen erwarten für Donnerstag einen Schneeeinbruch mit eisiger Kälte.
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