Was als moderne Inszenierung der Weihnachtsbotschaft gedacht war, entwickelte sich zu einem handfesten Skandal. Die live übertragene Christmette löste eine Flut an Beschwerden aus und setzte die kirchlichen Verantwortlichen unter Druck. Nun nimmt die Diözese Rottenburg-Stuttgart erstmals ausführlich Stellung und räumt Fehler ein.

Empörung nach ARD-Christmette

Die im ARD ausgestrahlte katholische Christmette an Heiligabend hat bundesweit für Aufregung gesorgt. Nun heißt es aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart deutlich: „Die Reaktionen auf die Übertragung haben gezeigt, dass religiöse Gefühle verletzt wurden.“ Dies teilte die Diözese am Montag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.

Auch die Zahl der Beschwerden ist beachtlich. Der Südwestrundfunk (SWR) bestätigte, dass rund 1.400 Beschwerde-E-Mails eingegangen seien. Die Rückmeldungen seien ausschließlich kritisch gewesen.

Krippendarstellung als Auslöser

Im Zentrum der Kritik steht eine ungewöhnliche Krippendarstellung während der live übertragenen Messe in der Stuttgarter Kirche Sankt Maria. Vor den Augen von Rundfunkpfarrer Thomas Steiger und Pastoralreferentin Katharina Leser wand sich ein in nasses Reispapier gehüllter Mensch auf einer Unterlage aus Stroh.

Die Installation wurde von der Künstlerin Milena Lorek eigens für den Gottesdienst geschaffen. Die BILD-Zeitung bezeichnete die Darstellung später als „Schleim-Jesus“ – ein Begriff, der sich rasch im Internet verbreitete. In den sozialen Medien und in Foren wurde die Inszenierung scharf kritisiert.

Kirche weist Provokationsabsicht zurück

Die Diözese betonte, dass die Verantwortlichen die Reaktionen bedauerten. Gleichzeitig stellten sie klar, „dass zu keinem Zeitpunkt eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte beabsichtigt war“.

Für die Gestaltung und Übertragung war die katholische Rundfunkarbeit der Kirche beim SWR verantwortlich. Rundfunkpfarrer Steiger hatte die Darstellung während des Gottesdienstes selbst erklärt. Wörtlich sagte er: „Die Krippe zeigt einen echten Menschen. Er liegt dort, elend, nackt und bloß.“ Und weiter: „So radikal wird Gott Mensch; nah, berührbar, ohne Distanz, echt.“

Abweichungen von der Liturgie

In ihrer Stellungnahme geht die Diözese sogar noch weiter. Es sei „deutlich geworden, dass die gewählte Form der Darstellung bei vielen Menschen Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst hat – insbesondere an einem Hochfest wie Weihnachten“.

Zudem kritisierte das Bistum, dass es während des Gottesdienstes zu „Abweichungen von der geltenden liturgischen Ordnung“ gekommen sei. Die Feier sei freier gestaltet worden, als zulässig.

Konsequenzen für künftige Übertragungen

Als Reaktion auf die heftige Kritik kündigte die Diözese Änderungen an. So sollen bei Fernsehgottesdiensten künftig „Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse verbindlich geschärft“ werden. Das Ziel besteht darin, sowohl der kirchlichen Verantwortung als auch der besonderen Sensibilität solcher Übertragungen besser gerecht zu werden.

Auch der SWR zeigte sich betroffen. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der KNA: „Wir bedauern sehr, dass die Christmette an Heiligabend auf Missfallen gestoßen ist und Menschen sich dadurch in ihrem Glauben verletzt gefühlt haben.“