Geschlechtshormone wie Testosteron oder Östrogen werden eingesetzt, um körperliche Merkmale des gewünschten Geschlechts zu fördern. Dazu zählen etwa eine tiefere Stimme oder Brustwachstum – Veränderungen, die häufig nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Jugendliche, die bereits mit einer Hormontherapie begonnen haben, dürfen ihre Behandlung fortsetzen. Ihre Ärzte sollen die Therapien jedoch erneut prüfen. Für Unter-16-Jährige waren solche Behandlungen im NHS bereits zuvor ausgeschlossen.

Trans-Organisation kritisiert Entscheidung

NHS England verweist auf den Bericht der Kinderärztin Dr. Hilary Cass aus dem April 2024. Darin wurde die wissenschaftliche Grundlage vieler medizinischer Maßnahmen im Bereich der Geschlechtsdysphorie bei Minderjährigen als „bemerkenswert schwach“ bezeichnet. Zehn unabhängige Gutachten zu Testosteron und Östrogen kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass bislang belastbare Daten fehlen, um Nutzen oder mögliche Risiken eindeutig zu bewerten.

Statt neuer Hormontherapien sollen betroffene Jugendliche künftig verstärkt psychologische Unterstützung erhalten. Diese wird zunächst in drei spezialisierten Kliniken angeboten. Gleichzeitig startet eine 90-tägige öffentliche Konsultation über zukünftige Behandlungsrichtlinien.

Die Trans-Organisation TransLucent spricht nun von einer Diskriminierung transgender Jugendlicher und prüft eine Klage. Andere Stimmen begrüßen den Schritt als notwendige Vorsichtsmaßnahme im Umgang mit irreversiblen medizinischen Eingriffen bei Minderjährigen.