Es zieht sich am Küniglberg – und das spürt auch FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler. In der Medienlounge brachte er die Marathon-Sitzung auf den Punkt: „Werde WM-Anpfiff womöglich verpassen, weil es so lange dauert bei den Fragen.”

Tatsächlich wurde allein Favorit Clemens Pig rund zweieinhalb Stunden lang befragt – weit länger als die übrigen Kandidaten. Kurz nach seiner Anhörung schaute der frühere APA-Chef selbst in der Medienlounge vorbei: Sofort sprangen alle auf – so schnell, dass man kaum hinschauen konnte –, doch Fragen wollte er keine beantworten. Sein Hearing beschrieb er knapp als „gut, aber lang”. Mehr war ihm nicht zu entlocken.

Damit zeichnet sich ab, was sich den ganzen Tag angedeutet hat: Es wird ein Marathon. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nahezu sicher, dass um 17 Uhr noch nicht feststehen wird, wer neuer Generaldirektor oder neue Generaldirektorin wird. Nach Pig warten noch weitere Bewerber auf ihr Hearing – die Entscheidung dürfte sich bis weit in den Abend ziehen.

Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz ihre Befragung began gegen 15:30. Sie ist aktuell seit 50 Minuten im Hearing.

Wie die Wahl abläuft

Gewählt wird in einer nicht öffentlichen Sitzung des 35-köpfigen Stiftungsrats. Anders als bei früheren Wahlen ist die Abstimmung offen: Die Stiftungsräte stimmen namentlich ab, der Wahlakt selbst erfolgt zwar in einer Wahlzelle, die Stimmzettel sind aber namentlich gekennzeichnet. Gewählt ist, wer die einfache Mehrheit erreicht – also mindestens 18 der 35 Stimmen.

Schafft das im ersten Wahlgang niemand, kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten Bewerbern. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag – das wäre der von der SPÖ nominierte Heinz Lederer. Eine Besonderheit aufgrund des erstmals angewandten Europäischen Medienfreiheitsgesetzes: Jeder Stiftungsrat muss seine Entscheidung mit einem Statement begründen. Dieses wird protokolliert, aber nicht veröffentlicht.

Die Aussicht vom Balkon der Medienlounge am Küniglberg.
Die Aussicht vom Balkon der Medienlounge am Küniglberg.

Stimmung am Küniglberg

Während drinnen verhandelt wird, stellt sich draußen alles auf einen langen Tag ein. Nach den Schokobananen vom Vormittag gibt es inzwischen auch Merci, hungrig bleibt an diesem Tag niemand. Am Balkon füllt sich der Aschenbecher mit Zigarettenstummeln – die Aussicht über Wien ist und bleibt dennoch atemberaubend schön.