Bill Gates muss heute, Mittwoch, vor dem Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses aussagen. Das House Oversight Committee befragt den Microsoft-Gründer hinter verschlossenen Türen zu seinen Verbindungen zu Jeffrey Epstein – das Protokoll dürfte, wie bei früheren Zeugen, erst später veröffentlicht werden.
Warum muss Gates aussagen? Der Hintergrund: Nachdem US-Präsident Donald Trump im November 2025 den „Epstein Files Transparency Act” unterzeichnet hatte, musste das Justizministerium rund drei Millionen Dokumente aus den Epstein-Ermittlungen freigeben. Darin taucht Gates mehrfach auf – mit Kalendereinträgen, E-Mails und Fotos. Der republikanische Ausschussvorsitzende James Comer forderte daraufhin formell seine Aussage an.
Seine geschäftliche Beziehung zu Epstein begann 2011 – drei Jahre nach dessen Verurteilung wegen Anbahnung von Prostitution mit einer Minderjährigen – und dauerte bis mindestens Ende 2014. Gates selbst nannte die Bekanntschaft einen „riesigen Fehler”. Sein Sprecher betonte gegenüber Fox News: Gates habe „Epsteins illegales Verhalten weder beobachtet noch daran teilgenommen” und freue sich darauf, „alle Fragen des Ausschusses zu beantworten”.
Brisante Anwaltswahl sorgt für Stirnrunzeln
Pikant ist allerdings, wen sich Gates für die Vorbereitung geholt hat: Wie die „New York Times” berichtet, lässt er sich von Jake Greenberg beraten – jenem Juristen, der bis Dezember als Chefermittler des Ausschusses die Epstein-Untersuchung leitete. Unüblich ist das nicht – auch die Clintons engagierten eine frühere Committee-Juristin –, dennoch sprechen Ethik-Experten laut dem Blatt von „fragwürdiger Optik”. Bei der Befragung selbst soll Greenberg nicht dabei sein, der Ausschuss betont, seit seinem Abgang keinen Kontakt mit ihm gehabt zu haben.
Die Demokraten kündigen indes harte Fragen an. Der Abgeordnete Suhas Subramanyam will wissen, was Gates „von Epsteins Verbrechen wusste” – und mehr: „Epstein war dafür bekannt, sich mit reichen und mächtigen Männern anzufreunden und sie sogar zu erpressen. Ich will wissen, ob Gates einer von ihnen war.” Seine Kollegin Yassamin Ansari ergänzte: „Niemand steht über der Justiz – unabhängig von Macht, Partei oder Vermögen.”
Mehr als 20 Affären? Microsoft-Aktien komplett verkauft
Unterdessen wächst der private und geschäftliche Druck auf den 70-Jährigen. Laut „Wall Street Journal” soll Gates während seiner Ehe mit Melinda French Gates mehr als 20 Affären gehabt haben. Bei einer internen Mitarbeiterversammlung seiner Stiftung räumte er im Februar zwei Affären mit russischen Frauen ein, die in Epsteins E-Mails auftauchen. „Ich habe nichts Unerlaubtes getan. Ich habe nichts Unerlaubtes gesehen”, beteuerte Gates laut dem Blatt.
Auch finanziell zieht der Milliardär Konsequenzen – zumindest bei seiner Stiftung: Wie „Börse Online” unter Berufung auf aktuelle Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht berichtet, hat der Bill & Melinda Gates Foundation Trust im ersten Quartal seine restlichen Microsoft-Aktien vollständig verkauft. Drei Viertel des Stiftungsportfolios entfallen nun auf nur vier Titel: Berkshire Hathaway, Waste Management, Canadian National Railway und Caterpillar. Privat hält Gates laut FactSet weiterhin Microsoft-Papiere im Wert von 43 Milliarden Dollar.
Ob die heutige Befragung dem angeschlagenen Image des Microsoft-Gründers nützt oder weiter schadet, wird sich zeigen – fest steht: Die Epstein-Akten lassen Gates nicht los.

Kommentare
Lädt Kommentare...