Demnach lauerte der Tatverdächtige Hidir D. seiner Frau gegen 7:30 Uhr auf dem Schulparkplatz im Bremer Stadtteil Gröpelingen auf. Als sie mit ihren Kindern zum Auto ging, griff er sie an, packte sie an den Haaren und stach mehrfach auf sie ein. In Panik flüchtete die 34‑Jährige daraufhin in das Auto einer Passantin. Dabei soll Hidir D. ihr gefolgt sein und weiter auf sie eingestochen haben, während er schrie: „Du Schlampe, ich töte dich!“ Auch ein Elektroschocker soll gegen die Frau eingesetzt worden sein.

Nach Informationen von NIUS überlebte Aylin K. (Name geändert) nur durch das Eingreifen mehrerer Passanten. Diese überwältigten den Täter und hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf.

Verbindungen ins Clan-Milieu?

Nach Informationen von NIUS ist davon auszugehen, dass es sich bei dem brutalen Angriff um eine Beziehungstat handelt, hinter der Ehrmotive und Clanstreitigkeiten stehen könnten. Hidir D., der Täter, und Aylin K., sollen ein langjähriges Paar gewesen sein, bevor die Beziehung zu Ende ging.

Zudem vermuten Ermittler Verbindungen in das Umfeld des Miri‑Clans – einer aus dem Libanon stammenden Großfamilie, die deutschen Sicherheitsbehörden seit Jahren wegen Gewaltdelikten und organisierter Kriminalität auffällt. Dafür spricht auch, dass D. nach seiner Festnahme gegenüber Polizeibeamten gesagt haben soll: „Ich bin kein gewalttätiger Mensch, aber ich ficke die Miris und auch ihre Frauen. Ich ficke die Miris.“

Zum Zeitpunkt des Angriffs soll Hidir D. zudem alkoholisiert gewesen sein; sein Drogenschnelltest schlug positiv auf THC und Kokain an. Dennoch gehen die Ermittler nach Informationen von NIUS davon aus, dass der Libanese jederzeit in der Lage gewesen sei, seine Handlungen zu steuern. Bei einer Durchsuchung fanden die Ermittler außerdem ein ärztliches Attest, das dem Angreifer eine drogeninduzierte Psychose attestiert und wenige Tage vor der Tat ausgestellt worden war.

Mögliche Vergeltungsaktion zwischen Angehörigen sind nicht auszuschließen. Intern ist von konkreten Drohungen und einem „vermeintlich ersten Treffen“ die Rede.

Das Opfer führte Waffen zum Zweck der Selbstverteidigung mit sich

Dabei zeugt auch der Angriff auf Aylin K. von vergangenem Donnerstag von Skrupellosigkeit und Brutalität: Die Mutter wurde mit tiefen Schnittverletzungen im Gesicht in ein Krankenhaus gebracht werden. K.s Kinder kamen nach der Tat zu Familienangehörigen. Doch noch am Abend ihrer Einlieferung ins Krankenhaus musste die Polizei erneut ausrücken: Im Eingangsbereich der Klinik gerieten Mitglieder beider Großfamilien aneinander. Die Auseinandersetzung konnte erst durch ein erhebliches Aufgebot der Polizei wieder unterbunden werden.

Bemerkenswert: Wie in den Ermittlungsakten vermerkt ist, führte Aylin K. in ihrer Handtasche Gegenstände mit sich, die ihrem Selbstschutz dienen sollten – darunter Pfefferspray und einen eigenen Elektroschocker. Diese soll sie, aus Angst vor Übergriffen bei sich getragen haben. Und wie der 12. März 2026, an dem ein Angriff ihr Gesicht entstellte, gezeigt hat: nicht zu Unrecht.

Hidir D. sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Totschlags. Außerdem wurde eine elektronische Aufenthaltsüberwachung beantragt – damit könnte der 39‑Jährige der erste Gewalttäter in Bremen sein, der künftig eine Fußfessel tragen muss.

Dieser Beitrag ist ursprünglich bei unserem Partner-Portal NiUS erschienen.