Das NATO-Mitglied Türkei ist am Mittwoch erstmals direkt von den Kampfhandlungen betroffen gewesen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums zerstörten NATO-Luftabwehrsysteme eine ballistische iranische Rakete. Das Geschoss sei auf dem Weg in den türkischen Luftraum gewesen. Zuvor hatte es den Luftraum des Irak und Syriens durchquert. Trümmerteile der Abfangrakete seien in der südöstlichen türkischen Provinz Hatay niedergegangen, Verletzte gebe es keine.

Ankara will nun mit den Bündnispartnern beraten und behält sich das Recht auf Gegenmaßnahmen vor. Bis dato verhält sich die Türkei im Krieg gegen den Iran neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich am Wochenende besorgt über die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran gezeigt und alle Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen. Er warnte, der Nahe Osten könnte zu einem “Feuerring” werden, sollte der Konflikt nicht eingedämmt werden.

Teheran feuert Raketen auf Stellungen kurdischer Gruppen

Außerdem feuerten die iranischen Streitkräfte nach eigenen Angaben Raketen auf Stellungen kurdischer Gruppen im Irak ab. In der autonomen kurdischen Region im Nordirak seien Hauptquartiere “separatistischer” Gruppen attackiert worden, berichtete der staatliche Rundfunk unter Berufung auf die mächtigen Revolutionsgarden. Die Angriffe erfolgten Mittwochfrüh.

Das Wall Street Journal hatte am Vortag unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtet, dass US-Präsident Donald Trump mit Kurdenführern im Irak telefoniert und über die weiteren Schritte im Krieg gegen den Iran gesprochen habe. Trump soll demnach erwägen, die irakischen Kurden bei einem Kampf gegen die iranische Führung zu unterstützen. Die irakischen Kurden haben zahlreiche Kämpfer an der Grenze zum benachbarten Iran stationiert und auch Verbindungen zur kurdischen Minderheit im Iran.

Die Kurden sind eine ethnische Gruppe mit schätzungsweise 30 Millionen Mitgliedern, die vor allem im Irak, im Iran sowie in Syrien und der Türkei leben. Sie kämpfen seit Jahrzehnten für einen eigenen Staat und wurden lange im Irak wie auch im Iran verfolgt und unterdrückt. Die autonome Kurdenregion im Irak entstand nach dem Sturz von Diktator Saddam Hussein im Jahr 2003.