„Europa wird fallen“ – ist Mohammed bei Babys schon überall Nummer 1?
Grafiken gehen derzeit viral und dokumentieren einen bemerkenswerten Wandel: Mohammed ist demnach vielerorts der häufigste männliche Vorname bei Neugeborenen. Gleichzeitig fantasieren islamistische Prediger von Europas Eroberung durch Demographie. Was zeigen die Zahlen wirklich?
„Der Islam wird jedes Haus erreichen!“ Mit solchen Botschaften erreicht der salafistische Prediger Uthman ibn Farooq online ein Millionenpublikum. Seine Aussagen über Europas Zukunft gehen viral.YouTube/AMA
Islamistische Prediger im Westen schwärmen nicht von Integration, nicht von Teilhabe, nicht von einem gemeinsamen Europa – sondern von Übernahme.
Nicht Alphabetisierung, nicht Gleichberechtigung, nicht Respekt gegenüber der aufnehmenden Gesellschaft stehen im Zentrum, sondern die Vision einer islam(ist)ischen Dominanz über eine als schwach empfundene Zivilisation. Dabei verweisen sie immer wieder auf zwei Faktoren: Migration – und Geburtenraten.
Dass eine islamistische Szene ein solches Weltbild vertritt, fällt zunehmend auch in Europa auf. Entsprechend groß ist das Interesse an Grafiken, die belegen: „Mohammed ist längst der häufigste Babyname in Europas Städten.“ Stimmt das wirklich? Teils.
„Euer Albtraum wird wahr“
Einer der lautstärksten Vertreter dieser islamistischen Eroberungsphantasie ist der in den USA aktive salafistische Prediger Uthman ibn Farooq, der über soziale Medien ein Millionenpublikum erreicht. In einem vielgeteilten Video aus dem Jahr 2025 sagt er: „Jeder Albtraum, den ihr von einem muslimischen Europa habt – er wird wahr werden. Der Islam wird jedes Haus erreichen.“ Und weiter, demonstrativ gleichgültig gegenüber Kritik: „Sie können wütend sein, so viel sie wollen. Das ist mir egal.“
Islamic scholar in California, Uthman Farooq:
— Dr. Maalouf (@realMaalouf) September 29, 2025
“Your nightmare of an Islamic Europe will come true. You can be as mad as you want, there’s nothing you can do.
America and Russia will also become Muslim countries. We are the change, and we are unapologetic and uncompromising!” pic.twitter.com/KcbqPLbhAa
Ähnlich äußert sich der in Großbritannien wirkende Gelehrte Haitham al-Haddad: „Der Islam wird jeden Winkel der Welt erreichen.“
British Islamic Scholar Shaykh Haitham al-Haddad: The Prophet Made It Clear Islam Would Reach Every Corner of the Universe; I May Not Live to See It, but Younger Generations Will pic.twitter.com/pSZJtFctay
— MEMRI (@MEMRIReports) September 12, 2025
Der US-Imam Karim Abu Zaid verbindet solche Aussagen mit religiösen Endzeitvorstellungen. Europa werde erobert werden, Amerika verschwinden, selbst Rom – als Symbol des Christentums – werde fallen.
Auch der in Jerusalem lebende Islamistenführer Raed Salah zeichnet ein Bild vom erschöpften Westen: Europa sei am Ende, es werde durch Mission („Da’wa“) schrittweise übernommen.
Israeli Islamist Leader Sheikh Raed Salah: The World Must Prepare for the “Day After America” – It Has Grown Old and Is about to Retire; Islam Will Enter the White House, and Will Conquer Europe through Da’wa pic.twitter.com/jzWZA8eLxR
— MEMRI (@MEMRIReports) May 5, 2024
Am deutlichsten wird die demografische Dimension beim Prediger Muhammad Ayed in einer Al-Aqsa-Predigt: „Europa ist alt. Es hat seine Fruchtbarkeit verloren. Zeugt Kinder mit ihnen – wir werden ihre Länder erobern.“ Und weiter: „Sie sind am Ende. Wir sind die menschliche Kraft.“
Die Botschaft ist eindeutig: Demografie wird hier als Machtfrage gedacht.
„Mohammed ist schon Nummer 1“
Parallel zu solchen Aussagen verbreiten sich Grafiken mit einer klaren Botschaft: Der demografische Wandel sei längst sichtbar – „Mohammed“ dominiere bereits Europas Städte. Tatsächlich stimmt das – aber nur teilweise.
Wir sind so cooked pic.twitter.com/nk9TjMuyN8
— Anabel Schunke (@ainyrockstar) March 18, 2026
In einigen Großstädten liegt eine Mohammed-Variante tatsächlich auf Platz 1: London, Oslo und Rotterdam. Auch für Berlin wurde der Name rund um 2024 zeitweise als häufigster gemeldet.
In vielen anderen Städten ergibt sich ein differenzierteres Bild:
Brüssel (Region): Platz 2
Den Haag: Platz 3
Amsterdam: Platz 3
Paris: Platz 8
Der Name ist also weit verbreitet – aber nicht flächendeckend dominant.
Ein entscheidender Punkt
Was in vielen Darstellungen fehlt: „Mohammed“ ist kein einzelner Name. Er tritt in zahlreichen Varianten auf: Mohammed, Mohammad, Muhammad, Mohamed, Muhammed. Werden diese getrennt gezählt, entsteht ein verzerrtes Bild. Werden sie zusammengefasst, verschiebt sich das Ranking deutlich.
Beispiel Amsterdam: Einzeln sind sie nicht auf Platz 1 – zusammengezählt vermutlich schon.
Wien: Die Realität hinter den Zahlen
Von wie vielen Kindern reden wir überhaupt? Im Jahr 2024 wurden in Wien 9.834 Buben geboren. Platz 1 ist erstaunlich klein: Der häufigste Name Adam kommt nur auf 125 Fälle – das sind gerade einmal 1,3 Prozent. Man sieht: Kein Name dominiert – die Vielfalt ist bereits enorm.
Die Top 10 nach exakter Schreibweise: Adam (125), Elias (110), Noah (100), Leon (98), Maximilian (87), Theodor (84), Felix, Paul, Leo, David. Keine Mohammed-Variante unter den Top 10.
Doch phonetisch ergibt sich ein anderes Bild. Die Stadt Wien verwendet auch eine zweite Zählweise, bei der gleich klingende Varianten zusammengefasst werden. 2022 lag „Mohammad“ damit auf Platz 6 – mit 114 Buben (1,2 Prozent). Aktuelle Zusammenrechnungen für 2024 liegen in ähnlicher Größenordnung: etwa 110 bis 115 Fälle. Damit wäre der Name nahe an der Spitze – aber nicht Nummer 1.
Bezirke – unterschiedliche Realitäten
Schon 2019 zeigte sich lokal ein völlig anderes Bild: In Favoriten, Rudolfsheim-Fünfhaus und Brigittenau lag „Muhammed“ jeweils auf Platz 1.
Man sieht: Lokal dominiert der Name teilweise, stadtweit nicht. Der Grund: viele Schreibweisen, enorme Namensvielfalt. Hinzu kommen Überschneidungen mit Namen wie Adam, Noah oder Elias, die in mehreren Kulturräumen verbreitet sind.
Die eigentliche Frage
Die Zusammensetzung der Bevölkerung hat sich auf jeden Fall in zahlreichen westeuropäischen Ländern verändert. Das steht fest.
Die eigentliche Frage ist daher längst nicht mehr, ob sich Europas demographisches Gesicht verändert. Das ist bereits geschehen. Entscheidend wird sein, wie schnell Geburten, Migration und die unterschiedliche Dynamik der Bevölkerungsgruppen diesen Wandel weiter vorantreiben.
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