Der Druck auf internationale Schleusernetzwerke wächst: In Den Haag hat Europol ein neues Zentrum eröffnet, das den Kampf gegen den Schmuggel von Migranten deutlich intensivieren soll. Die Behörden schlagen Alarm, denn das Geschäft boomt und wird immer professioneller, digitaler und gefährlicher. Hinter den kriminellen Strukturen steckt ein milliardenschweres System, das laut Europol jedes Jahr Hunderttausende Menschen in Lebensgefahr bringt. Die Krone berichtete.

Schlepper-Netzwerke werden immer brutaler

Europol-Chefin Catherine De Bolle findet klare Worte: „Migranten-Schmuggel ist heute ein globales, digitales und sehr gewinnträchtiges Geschäft geworden.“ Für die Behörden steht fest, dass es sich nicht mehr um einzelne kriminelle Gruppen, sondern um hochorganisierte Netzwerke handelt.

Diese agieren sowohl online als auch offline und greifen immer häufiger zu Gewalt. De Bolle betont: „Den Netzwerken geht es nur um Profit. Für sie sind Migranten keine Menschen, sondern eine Ware.“

Die Dimension ist enorm: Nach Angaben von Europol gefährden Schleuser jedes Jahr das Leben von Hunderttausenden Menschen. Viele Migranten zahlen dabei hohe Summen für ihre oft lebensgefährliche Reise nach Europa.

Bis zu 20.000 Euro pro Person

Die Preise für die illegale Einreise sind hoch: Laut Europol müssen Migranten bis zu 20.000 Euro bezahlen. Ein lukratives Geschäft für die Täter – und ein Teufelskreis für die Opfer. Die Gewinne fließen dabei nicht einfach in bar: Die Milliarden werden häufig in Kryptowährungen investiert. Laut Europol dienen diese Gelder wiederum dazu, weitere kriminelle Aktivitäten zu finanzieren.

EU-Innenkommissar Magnus Brunner spricht von einer besonders perfiden Struktur: Rund 90 Prozent der irregulären Migration in die EU erfolgt mit Hilfe von Schleppern. Es handele sich um eine „perfide Form der organisierten Kriminalität, die von der Verzweiflung illegaler Migranten profitiere“.

Neues Zentrum soll Geldströme stoppen

Genau hier soll das neue Europol-Zentrum in Den Haag ansetzen. Das Ziel besteht darin, die internationalen Ermittlungen besser zu koordinieren und enger mit Partnern, darunter auch die EU-Grenzschutzagentur Frontex, zusammenzuarbeiten.

Ein zentraler Fokus liegt auf Datenanalyse und finanziellen Ermittlungen. Die Behörden wollen die Geldströme der Netzwerke gezielt aufspüren, um das Geschäftsmodell der Schleuser zu zerschlagen.

Europol ist bereits seit Jahren aktiv: Im vergangenen Jahr wurden allein fast 200 Einsätze gegen Schlepperbanden koordiniert. Mit dem neuen Zentrum soll dieser Kampf nun deutlich verstärkt werden.