Die Wahl ist geschlagen, Clemens Pig ist der neue ORF-Generaldirektor – und exxpress-Herausgeberin Eva Schütz, selbst eine der neun Kandidatinnen, zieht im Studio eine schonungslose Bilanz des langen Tages am Küniglberg.

„Demokratisch kann das nicht sein"

Am schärfsten urteilt Schütz über den Bestellungsprozess selbst. Zwar hätten die Hearings den Kandidaten erstmals die Möglichkeit gegeben, ihre Konzepte öffentlich zu präsentieren – „das war früher nicht der Fall”. Doch zu einem demokratischeren Verfahren habe das nicht geführt: „Demokratisch kann das nicht sein, wenn du einen Stiftungsrat hast, der parteipolitisch, bundespolitisch, von den Ländern etc. besetzt ist.”

Sie warnt sogar vor einem Trugbild: Beim normalen Bürger bleibe womöglich hängen, „der ORF ist jetzt so demokratisch und die haben da jetzt ein tolles Hearing” – obwohl es dahinter nicht so sei. Auch die lange Befragung von Pig ordnet sie ein: Wegen des erstmals angewandten EU-Medienfreiheitsgesetzes sei „jede Antwort, die der Clemens Pig dort gegeben hat, für ihn eine potenzielle Falle” gewesen, weil daraus ein Anfechtungsgrund hätte werden können. Pigs Interesse sei es daher gewesen, möglichst wenig zu sagen – Westenthalers, so lange zu fragen, bis etwas Anfechtbares falle.

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„Der ORF hat eine politische Schlagseite"

Grundsätzlich wird Schütz beim Programm. Auf die Frage, ob der ORF ausgewogen berichte, antwortet sie unmissverständlich: „Meiner Meinung nach muss ich ehrlicherweise sagen, nein.” Der Sender habe „zurzeit eine politische Schlagseite” und sei „mit dem Mainstream mitgegangen”, während sich das politische Spektrum in der Bevölkerung verschoben habe.

Es gehe ihr dabei weniger um Meinung als um Themenauswahl: Der ORF könne „hundertmal darüber berichten, dass das der heißeste Sommer ist”, während Themen wie Migration und Sicherheit, die die Menschen tatsächlich umtreiben, zu kurz kämen. Ihr Kernvorwurf: „Der ORF muss Programm für alle Gebührenzahler machen und für sein Publikum – und nicht nur für den Teil, den er politisch genehm hält.”

Die klare Ansage zu Armin Wolf

Am deutlichsten wird Schütz bei der Personalie Armin Wolf. Gefragt, wie sie als Generaldirektorin mit dem Star-Moderator umgegangen wäre, sagt sie offen: „Ich hätte mich mit Armin Wolf ehrlich gesagt nicht mehr zusammengesetzt, weil das ja wiederholte Male schon vorgekommen ist.”

In ihrer Begründung spricht die Juristin aus ihr: Der ORF-Ethikkodex sei als Dienstanweisung einzustufen, der Folge zu leisten sei. Ein wiederholter Verstoß könne ein Kündigungs-, im Wiederholungsfall sogar ein Entlassungsgrund sein. Sie hätte den Fall nicht vom „entsprechend besetzten” Ethikrat, sondern von externen Juristen prüfen lassen – und dann „die Konsequenz, die dort steht, durchsetzen”. Persönliche Interessen oder Meinungen Einzelner dürften „nicht höher zu bewerten sein als der Eindruck, den der ORF in der Öffentlichkeit vermittelt”.

Das vollständige Interview – auch zu Schützs Prognose, wo sie den ORF unter einer möglichen künftigen Regierung sieht – gibt es im Video:

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