Falsche Krankschreibungen für Migranten? Sechs Ärzte im Visier der Justiz
In der norditalienischen Hafenstadt Ravenna sorgt ein brisanter Verdacht für Aufsehen: Sechs Ärzte eines örtlichen Krankenhauses stehen im Fokus der Staatsanwaltschaft. Sie sollen medizinische Atteste ausgestellt haben, die Migranten eine Reiseunfähigkeit bescheinigten – und damit Abschiebungen verhindert haben.
Italienischen Medienberichten zufolge prüfen die Ermittler nun, ob die Bescheinigungen bewusst so formuliert wurden, dass Rückführungen nicht durchgeführt werden konnten.
Ermittlungen betreffen Mediziner der Abteilung für Infektionskrankheiten
Die Ermittlungen betreffen sechs Mediziner der Abteilung für Infektionskrankheiten des Krankenhauses Santa Maria delle Croci. Ihnen wird vorgeworfen, Bescheinigungen ausgestellt zu haben, in denen Migranten aus gesundheitlichen Gründen als ungeeignet für den Aufenthalt in Abschiebezentren oder für Rückführungsflüge erklärt wurden – obwohl dies möglicherweise medizinisch nicht gerechtfertigt war. Im Zuge der Ermittlungen wurde die Abteilung für Infektionskrankheiten durchsucht.
Der Fall hat innerhalb der lokalen Politik und der Ärzteschaft eine Debatte ausgelöst. Während einige Politiker ein hartes Vorgehen gegen die Mediziner fordern, betonen Ärzteverbände und Kollegen, bei den Attesten handle es sich um medizinische Einschätzungen nach geltenden Richtlinien; die Politik solle sich aus fachärztlichen Entscheidungen heraushalten.
Für Montag sind Solidaritätsbekundungen für die betroffenen Mediziner angekündigt, an denen sich mehrere Ärzte beteiligen wollen. Die Demonstration wird von Gewerkschaftsverbänden unterstützt.
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