Fehlende Deutschkentnisse sind längst nicht das einzige Problem an Schulen
Immer mehr Kinder verstehen den Unterricht nicht, Deutsch wird zur Minderheitensprache – und Gewalt an Schulen nimmt zu. Suspendierungen häufen sich, das System gerät weiter unter Druck.
Bei exxpress live sprachen Laura Sachslehner und Ralph Schöllhammer über den eskalierenden Deutsch-Notstand an Wiens Schulen, das Versagen der Bildungspolitik und die Frage, warum trotz Milliardeninvestitionen die Lage immer dramatischer wird.
Deutsch als Minderheitensprache – ein Befund mit Sprengkraft
Die Zahlen sind alarmierend: Mehr als die Hälfte der Wiener Schulanfänger kann dem Unterricht nicht ausreichend folgen. In manchen Schulen liegt der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Alltagssprache bei über 70 Prozent. Für Laura Sachslehner ist klar: „Das ist kein Randphänomen mehr. Das ist ein strukturelles Versagen.“
Besonders scharf fiel ihre Kritik an den NEOS aus, die seit Jahren Verantwortung im Wiener Bildungsressort tragen. Große Versprechen, blumige Reformankündigungen – doch das Ergebnis sei ernüchternd. „Nach fünf Jahren NEOS steht das Wiener Bildungssystem schlechter da als zuvor.“
Ralph Schöllhammer ergänzte: Wer unter diesen Bedingungen noch über Lehrplanreformen, neue Fächerkombinationen oder pädagogische Experimente spreche, verkenne die Realität. „Wir reden nicht über Fortschritt – wir kämpfen darum, überhaupt den Mindeststandard zu halten.“
Migration als Verstärker eines kollabierenden Systems
Beide Gäste betonten, dass das Bildungsproblem nicht isoliert betrachtet werden könne. Migration wirke als Brandbeschleuniger auf ein System, das längst an seine Grenzen gestoßen sei. Sprachdefizite, kulturelle Konflikte und zunehmende Gewalt an Schulen seien keine Einzelfälle mehr.
Schöllhammer brachte es drastisch auf den Punkt: „Eine Gesellschaft, die nicht einmal mehr eine gemeinsame Sprache hat, braucht irgendwann einen immer übergriffigeren Staat.“
Wenn Deutsch zur Fremdsprache werde, verliere Schule ihre integrative Funktion – und verbaue ganzen Jahrgängen den sozialen Aufstieg.
Sachslehner sprach von einer massiven Ungerechtigkeit gegenüber jenen Kindern, die dem Unterricht folgen könnten, deren Niveau aber zwangsläufig abgesenkt werde. „Das System nivelliert nach unten – und lässt sowohl die Starken als auch die Schwächeren im Stich.“
Mehr Geld, weniger Wirkung
Trotz zusätzlicher Mittel, Chancenboni und Förderprogramme sehen beide keinen Kurswechsel. Mehr Geld in ein kaputtes System zu pumpen, löse das Grundproblem nicht. „Man kann nicht endlos Milliarden investieren und so tun, als wäre Migration kein zentrales Thema“, so Sachslehner.
Die Diskussion über verpflichtende Sommerschulen oder verkürzte Ferien werteten beide als Symptome politischer Hilflosigkeit. Schöllhammer: „Wenn der politische Plan darin besteht, Kinder einfach länger in einem dysfunktionalen System festzuhalten, ist das kein Reformkonzept.“
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