„Wir sind ein bekanntlich linkes Festival"
Auslöser des Interviews war die kurzfristige Absage einer geplanten Podiumsdiskussion mit dem US-Tech-Milliardär Peter Thiel. Rau hatte den einflussreichen Unterstützer der amerikanischen Rechten persönlich eingeladen – und musste die Veranstaltung nach einem internen Boykott wieder absagen. „Wir sind ein bekanntlich linkes Festival und laden den vielleicht mächtigsten rechten Menschen des Planeten ein, um mit ihm in einer kritischen Öffentlichkeit zu diskutieren”, sagte Rau. Genau das hielt er für richtig – und hält es bis heute.
Die Absage kam nicht von Thiel, sondern von innen: Der französische Philosoph Geoffroy de Lagasnerie zog seine Teilnahme zurück und löste damit eine Boykott-Welle unter weiteren Festwochen-Gästen aus. Rau sprach von einer „Festival-gefährdenden” Situation. „Wenn die Kunst nicht mehr stattfinden kann, dann muss ich meine eigenen Ideen zurückstecken”, so der Intendant – auch wenn er inhaltlich anderer Meinung bleibt.
Thiel hatte die Absage fast erwartet
Bemerkenswert: Thiel selbst zeigte sich wenig überrascht. Laut Rau antwortete der Milliardär auf die Absage, er habe das „fast ein bisschen erwartet”. Das Publikum hätte gewollt, dass man ihn „so richtig grille” – das Ganze sei nun wie ein Stück von Antonin Artaud, „das Theater der Grausamkeit”. Rau kommentierte das knapp: „Es ist schade.”
Dabei war die Veranstaltung laut Rau gut vorbereitet. Seit Herbst vergangenen Jahres habe man Kontakt gehalten, Thiel habe einer strukturierten Konfrontation zugestimmt. „Wir hätten ihn strukturiert konfrontiert und in Kontext gesetzt und nicht einfach reden lassen.” Es wäre, so Rau, das erste Mal gewesen, dass sich Thiel einer derartigen kritischen Öffentlichkeit stellen müsste.
„Deplatforming hat noch nie funktioniert"
Rau nutzte das Interview für eine grundsätzliche Abrechnung mit der Strategie der politischen Linken. „Sogenanntes ,Deplatforming’ – also bestimmten Meinungen die Bühne zu entziehen – hat noch nie funktioniert. Hätte es das, wären FPÖ und AfD nicht die derzeit größten Parteien.” Sein Fazit: „Brandmauern haben nur den Rechten geholfen, sie schaffen sich dann eigene Plattformen, wo sie unter sich bleiben.”
Und weiter: „Seit 30 Jahren entzieht sich die Linke der argumentativen Auseinandersetzung. Dabei könnte man sie auch gewinnen.”
Auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hatte sich öffentlich kritisch zur Thiel-Einladung geäußert. Rau räumte ein, ihre Bedenken zu verstehen – inhaltliche Entscheidungen lägen aber bei der Intendanz, nicht bei der Politik.

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