Der Eisbär gilt als Sinnbild der Klimakrise – ein mächtiger Jäger, dem mit dem arktischen Meereis auch seine Lebensgrundlage schwindet. Doch ausgerechnet aus der stark betroffenen Region rund um den norwegischen Archipel Spitzbergen kommt nun eine überraschende Nachricht.

Eine Langzeitstudie des Norwegischen Polarinstituts zeigt, dass Eisbären dort heute besser genährt sind als noch in den 1990er-Jahren. Geleitet wurde die Untersuchung von Polarforscher Jon Aars, der gemeinsam mit seinem Team fast drei Jahrzehnte an Daten auswertete. Analysiert wurden 1.188 Körpermessungen von 770 erwachsenen Tieren aus den Jahren 1992 bis 2019.

Mehre Möglichkeiten

Das Ergebnis: Trotz steigender Temperaturen seit den 1970er-Jahren hat sich der sogenannte Körperkonditionsindex der Tiere nach dem Jahr 2000 verbessert.

Die Forscher sehen mehrere mögliche Gründe. An Land profitieren die Bären offenbar von wachsenden Beständen an Rentieren und Walrossen, die früher stark bejagt wurden. Auch Vogeleier stehen zunehmend auf dem Speiseplan. Auf dem Meer könnte der Rückgang des Eises kurzfristig sogar helfen: Robben konzentrieren sich auf kleinere Eisflächen und werden so leichter zur Beute.

Doch die Wissenschaftler warnen vor falschen Schlüssen. In anderen Teilen der Arktis nehmen Eisbärenbestände bereits ab. Langfristig sei die Anpassungsfähigkeit begrenzt.