Frankreich will weniger Fleisch: Regierung fordert Bürger zum Verzicht auf
Frankreich gilt als Hochburg kulinarischer Tradition. Bœuf Bourguignon, Entrecôte, Charcuterie – Fleisch ist tief im kulturellen Selbstverständnis des Landes verankert. Doch nun mahnt die Regierung zur Zurückhaltung: Die Bürger sollen ihren Konsum von Fleisch- und Wurstwaren spürbar reduzieren. Offiziell stehen Gesundheits- und Klimaziele im Vordergrund.
In der jüngst vorgestellten nationalen Ernährungs- und Klimastrategie empfiehlt Paris, den Verzehr tierischer Produkte zu begrenzen – insbesondere von verarbeitetem Fleisch. Auch importierte Ware soll seltener konsumiert werden. Stattdessen rät die Regierung zu einer stärkeren Orientierung an pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten.
Die Maßnahme ist Teil eines größeren politischen Programms, das Ernährung und Klimaschutz stärker miteinander verknüpfen will. Landwirtschaft verursacht in Frankreich rund 20 % der CO₂-Emissionen. Innerhalb dieses Sektors entfällt ein erheblicher Anteil auf die Tierhaltung.
Hoher Fleischkonsum im EU-Vergleich
Frankreich zählt traditionell zu den fleischintensiven Ländern Europas. 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 85 kg – nahezu auf dem Niveau von 2016. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Konsum sogar leicht um 2,1 %.
Zum Vergleich: In Deutschland wurden im selben Zeitraum etwa 53,2 kg pro Person verzehrt. Auch dort ist ein leichter Anstieg zu beobachten, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.
Gesundheitsargumente – und ihre Differenzierung
Internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation stufen verarbeitetes Fleisch als krebserregend ein, rotes Fleisch gilt als „wahrscheinlich krebserregend‟. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt inzwischen eine Reduktion auf maximal 300 g Fleisch und Wurst pro Woche.
Allerdings betrifft ein Großteil der gesundheitlichen Warnungen vor allem stark verarbeitete Produkte. Unverarbeitetes Fleisch wird differenzierter bewertet – insbesondere, wenn es maßvoll konsumiert wird.
Zudem bleibt unbestritten, dass Fleisch eine Reihe essenzieller Nährstoffe in konzentrierter und gut verfügbarer Form liefert. Dazu zählen Vitamin B12, hochwertiges Protein sowie Häm-Eisen, das vom menschlichen Körper deutlich effizienter aufgenommen wird als pflanzliches Eisen. Gerade letzteres spielt eine zentrale Rolle beim Sauerstofftransport im Blut.
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