Der Prozess gegen eine Jugendbande, die im Sommer 2024 eine massive Straßenschlacht in Wien-Meidling ausgelöst hat, hält die Stadt in Atem. Nach den überraschend milden Urteilen am ersten Verhandlungstag geht es nun mit neuen Angeklagten und brisanten Aussagen weiter. Auch die Tageszeitung Heute berichtet über den aufsehenerregenden Fall.

Mehr als 30 Jugendliche bei Straßenkampf beteiligt

Im Zentrum des Verfahrens steht die Eskalation eines Bandenkriegs am 7. Juli 2024, als eine Gruppe tschetschenischer Jugendlicher die rivalisierende 505er-Bande angriff. Laut Anklage waren mehr als 30 Gangmitglieder an der Auseinandersetzung beteiligt.

Insgesamt konnten 24 junge Männer identifiziert werden. Acht von ihnen mussten sich bereits am Donnerstag vor dem Wiener Landesgericht verantworten. Das überraschende Urteil – jeweils sechs Monate bedingte Haft. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt, erneut stehen acht Angeklagte vor Gericht.

Freund des Swift-Attentäters im Fokus

Besonders im Mittelpunkt des zweiten Prozesstages steht Luca K. (18). Der Niederösterreicher aus Neunkirchen ist in Österreich kein Unbekannter. Er wurde erstinstanzlich wegen Terrorismusverherrlichung und Körperverletzung verurteilt und gilt als Freund des Attentäters von Schwedt.

Der junge Mann, der mit dem mutmaßlichen Attentäter im Auto unterwegs gewesen sein soll, befindet sich derzeit in Zwischenhaft in Wiener Neustadt. Laut Anklage war er an der Gewalttat in Meidling beteiligt und soll Teile des Angriffs gefilmt haben. Kurz vor 9 Uhr wurde er von drei Polizisten in Handschellen in den Gerichtssaal gebracht. Er trug schwarze Jeans, ein weißes Hemd und ein schwarzes Gilet und hatte, wie berichtet wurde, zunächst ein Grinsen im Gesicht.

Mittagessen, Moschee – dann der Angriff

Der 18-Jährige schilderte vor Gericht den Tag der Eskalation. Man habe sich zunächst zum Mittagessen getroffen und sei anschließend in eine Moschee gegangen. Dort hätten die jungen Männer vor dem Angriff gebetet.

Luca K. gab an, er habe gewusst, dass es zu einer Gewalttat kommen werde, „aber nicht so hart“. Angeblich habe er nicht alle Beteiligten gekannt. Laut seinen Aussagen war der Angriff jedoch minutiös geplant. Es habe einen Anführer gegeben, der sich „der Stellvertreter“ nannte. Dieser etwas ältere Tschetschene habe die Bande in Kleingruppen aufgeteilt.

Der Weg führte vom Bahnhof Meidling zum Schedifkaplatz. „Ich sah eine Sporttasche und vermutete, dass sich darin Waffen befanden“, sagte Luca K. Dennoch sei er geblieben, da er „sehen wollte, was noch passiert“. Als ein Opfer schrie, hatte er sein Handy bereits in der Hand. Ihm sei befohlen worden, zu filmen. „Weil ich so naiv war, habe ich gefilmt, statt dem Opfer zu helfen. Heute sehe ich das als Fehler“, erklärte der Beschuldigte. Danach sei er weggelaufen.

Heute gibt sich der 18-Jährige geläutert. „Heute würde ich das nicht mehr machen“, sagte er vor Gericht. In Haft absolviere er ein Antigewalttraining sowie ein Deradikalisierungsprogramm. Zwei weitere Angeklagte bekannten sich nicht schuldig. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.